Tag 4 – Trollfjord

4. Tag – Trollfjord

Ich werde von der Durchsage geweckt, dass es noch 10 Minuten bis zum Polarkreis sind. Es fühlt sich so früh an, dass es noch dunkel zu sein hat, aber hier im Norden scheint es hell durch mein Kabinenfenster.

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Ich bin mit Teleobjektiv an Deck, als vor uns die Schäre auftaucht, auf der eine kleine Weltkugel die Höhe des Polarkreises markiert. Jörg, der Informationsspezialist sammelt Informationen mit der Videokamera, ich drücke auf den Auslöser. Kurz darauf kommt uns das Schwesterschiff Nordkapp entgegen. Beide Kapitäne spielen das Spiel mein Schiffshorn ist größer bzw. lauter, als Deins. Schöne tiefe Töne – höre ich sehr gerne. Jörg und ich gehen frühstücken. Als André kommt frühstücken wir nochmal. Wir schauen dabei durch die riesen Heckpanoramafenster auf die schneebedeckten Felshügeln, die hier und da mit kleinen Häuschen bepflanzt sind. Wovon leben die Menschen dort?

Bodø

Der Himmel ist heute grau, helle Streifen und Löcher hier und da. Gutes Fotowetter für mich. Nachdem wir in Ørnes angelegt haben, geht es weiter nach Bodø. Die Stadt ist häßlich, kein Vergleich mit Bergen oder Alesund. Das schönste ist noch die Domkirke (Bodø ist Bischofssitz), deren Innenleben ich festhalten kann.

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Jörg, der Informationsspezialist und ich beraten André, den Ruhigen, der seit gestern liebevoll und fleißig Mitbringsel sucht. Natürlich können wir hier nicht verraten, wie die Sache ausgeht, aber bisher ist das Ziel auch noch nicht erreicht, denke ich. Wir stürmen verschiedene Läden und Einkaufscenter, kaufen Lebensmittel und ein feines Geschenk fdsS, aber André und Jörg gehen leer aus. Von Bodø aus, geht die Fahrt um 15 Uhr über den Vestfjorden, rüber zur Inselkette der Lofoten. Der Vestfjorden ist offener Nordatlantik und eine unfreundliche, graue Dünung schaukelt unser Schiff. Wir passieren den Leuchtturm Landegode Fyr, dann liegen zwei Stunden Seefahrt vor uns. Wenn man die Augen zu macht, fühlt es sich so an, als ob man Weihnachten aus Freude, dass André zum Frühstück halbwechs pünktlich erschienen ist, ein Glas Sekt zu schnell getrunken hat. Nur schwankt es hier auch ganz von alleine. André zieht sich auf seine Suite zurück, Jörg und ich sind um 18 Uhr pünktlich beim Abendessen. Serviert wird: Lachsfilet in Zitrusmarinade, Obstsalat. Lammcarrée, Blumenkohl-Püree, Ratatouille, Kartoffelpüree mit Thyniansoße. Joghurt Panna Cotta, Kirsch-Kompott. Dem Hotelmanager des Schiffs handle ich ab, dass André wegen Sea Sickness auf die Schicht ab 20 Uhr ausweichen darf. Da sollten wir den Wellenschatten der Lofoten erreicht haben. Während des Essens, gibt Norwegen eine Lichtschau der Extraklasse. Es fällt mir wirklich schwer, aber vor dem Hauptgang nehme ich meine Kamera und sprinte auf Deck 6, um Bilder zu machen (wartet erstmal die bearbeiteten Versionen ab!).

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Während in Bodø noch alles grau in grau war, gibt es hier Löcher in den Wolken und Sonnenstrahlen erleuchten Felsen, Schären und Inseln. Dazu gibt es Reflektionen auf den Wellen und die Lichtstrahlen wissen vor guter Laune nicht, was sie zuerst anleuchten sollen. Als ich zurück im Restaurant bin, kommt gerade der Hauptgang, also: alles richtig gemacht! Der Nachtisch kommt gleichzeitig mit dem Festmachen in Stamsund, einem kleinen Kaff. Graue Häuser (gefühlt drei) kleben an der Lofotenwand. Eine grau-blaue Lagerhalle sieht durchs Restaurantfenster. Ich schlinge den wirklich leckeren Nachtisch runter und hole mir auf Deck 6 die Zugabe des Lichttanzes ab. Solche Beleuchtung kann man sich in Köln klemmen.

André der Ruhige taucht wieder auf. Er sitzt im Restaurant und spachtelt sein Abendessen in der zweiten Schicht. Ich setze mich dazu, damit er nicht so alleine ist. Das ist eine Herausforderung, der ich fast nicht gewachsen bin. Dreimal will mir die Bedienung auch das Abendessen servieren. Dreimal lehne ich ab – und es fällt echt schwer. Was bin ich für ein Held. Es wäre leicht gewesen hier ein zweites Mal zu essen. André unterbricht sein Essen für eine SMS – sein Handy hatter während der Überfahrt kein Netz – jetzt hat es wieder. Aber tapfer wendet er sich (nach intensivem Studium der SMS und dreimaligem Murmeln: „Ich muss dringend Telefonieren“) wieder seinem Essen und mir zu. Ich kriege echt langsam ein schlechtes Gewissen. Ich habe noch nicht zu Hause angerufen, „nur“ dieser Blog, Mails und SMS.

Als wir in Svolvær festmachen, kommuniziert André der Ruhige mit daheim, während Jörg und ich das Städtchen erkunden, uns die Beine vertreten und Bilder machen.

Trollfjord

Als wir – dann doch zu dritt – beim zweiten Bier sind, werfen große Dinge ihre Schatten voraus. Es wird Trollfjordsuppe für 23 Uhr angekündigt und die Einfahrt der M/S Trollfjord in den Raftsund und den Trollfjord (den namensgebenden Fjord also). Ich kann es kaum glauben. 2003 fiel der Trollfjord wegen Schnee- und Eisgefahr aus, dazu wird er eigentlich nur südgehend angefahren und wir sind doch noch bis Kirkenes nordgehend. Aber tatsächlich der Kapitän, Herr Arne-R.Gran Ernstsen (Chapeau Jung, well done!) ist gut drauf, er fährt bei fast Dunkelheit in den Raftsund und biegt sofort in den Trollfjord ein. Die Einfahrt ist enger, als unser Schiff lang ist. Zwei Schweinwerfer beleuchten das Nadelöhr. Langsam tastet sich unser Schiffchen an den hohen Felswänden entlang, die noch schneebedeckt sind. Am Ende des Fjords, wendet der Kapitän auf der Stelle – nur hier ist genug Platz – und fährt langsam zurück. Beifall bricht aus, Deck 6 zollt Respekt! Ich ziehe meinen Hut – und drücke nochmal auf den Auslöser!

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  • Schritte: 16886
  • Temperatur: 8 Grad
  • mssSibmüdekkkF*
  • Beim Reiserätsel fehlen mir noch 6

  • Ausblick auf Tag 5 – nordgehend

    Über Florian Seiffert

    http://www.seiffert.net
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    7 Antworten zu Tag 4 – Trollfjord

    1. thea schreibt:

      Hallo großer Bruder,

      was für tolle Fotos! Der rote Leuchtturm wird soeben als Desktop-Hintergrund eingerichtet.
      Lieber André, ich fühle mit Dir😦 Hat aber den Vorteil, dass Florian und Jörg viel dicker werden, als Du🙂
      Weiter gute tolle Reise,
      Liebe Grüße Thea
      (Denniz braucht keine Krabbe, er hat sich beim China-Mann schon zu sehr an den Shrimps vergriffen🙂, Grüße!)

    2. Seiffert Winfried schreibt:

      Florian, sendest Du auch mal ein Bild von Eurem Schiff, von aussen und innen? Weiter gute Fahrt, Daddy

    3. Maren schreibt:

      Wirklich tolle Bilder, und die sind nicht bearbeitet?! Aber egal, sie sind sicher gerade mal so schön wie die Realität, an der Ihr Euch freuen könnt. Danke, dass Du uns teilhaben lässt!! Kein schlechtes Gewissen nötig, ich fühle mich fast, als wäre ich mit dabei (außer dass mir niemand Essen bringt, deshalb besuche ich heute Babs, die kocht mir dann was)

      • Florian schreibt:

        Die Bilder im Blog selbst d.h. die in der Mitte sind sozusagen direkt aus der Kamera. Nur verkleiner und evtl. beschnitten. Die Bilder links, die bei flickr sind, sind HDR-Bilder, die sind bearbeitet. Die sind dem Bild des inneren Auges angeglichen. Also genau genommen: „Schmuh“😉

    4. optimisc schreibt:

      Diese Bilder benötigen keine Bearbeitung. Ganz große Klasse! Größere Versionen würde ich mir wünschen – wenn das Netz dafür dort oben zu langsam ist, dann später.

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