Mein Stadtanzeiger der Zukunft

Offener Brief an Alfred NEVEN DUMONT, Herausgeber des Kölner Stadtanzeiger.

Abenddämmerung für KSTA?

Abenddämmerung für KSTA?

Heute mußte ich mich über meine Zeitung, den Kölner Stadtanzeiger ärgern, genauer über Sie, Herr Neven DuMont. Sie schreiben im Leitartikel der Ausgabe vom 12.12.2009 auf Seite 4 (Meinung):

Zitat: Geht nach der weltbewegenden Erfindung des Buchdrucks von Johannes Gutenberg im Jahre 1450 ein die Kultur Europas prägendes Zeitalter zu Ende?

In keinem Fall. Das Medium ändert sich, Papier ist nicht mehr so modern, die Information, dass was gedruckt wird ist weiter interessant, damit läßt sich auch wohl weiter Geld verdienen. Sorry, ich frage mich, ob Sie mit 82 Jahren das Internet wirklich verstanden haben. Das Netz ist nicht der Feind der Zeitungen! Umarmen Sie es und lassen Sie es für sich arbeiten!!

Zitat: Die zum Teil dramatische Zeitungskrise in der westlichen Welt, die vor allem in Amerika wie ein Orkan gewütet hat, wurde hervorgerufen durch die Jugend, die sich der Elektronik zugewandt hat und sich vom gedruckten Wort abwendet.

Nein, sie hat sich von Papier abgewandt. Und sie darf das so machen!

Zitat: Gibt es einen Politiker, der in den letzten Jahren ein einziges Wort darüber verloren hat, dass er besorgt sei um den zukünftigen Lebensraum der deutschen Tageszeitungen?

Ich verstehe, dass es Zeitungen schlecht geht, ich verstehe auch, dass Zeitungsverleger, wie auch viele andere Menschen wollen, dass alles so bleibt, wie es ist. Das ist irgendwie menschlich – zumindest für Menschen, die Änderungen eher skeptisch gegenüberstehen.
Ich ärgere mich, wenn die Politik die Verlage retten soll. Warum Herr Neven DuMont? PolitikerInnen haben die Hersteller von Pferdekutschen nicht gerettet, als die Autos modern wurden, sie haben die „Tante-Emma-Läden“ nicht gerettet, als Supermärkte aufkamen, sie haben das Internet nicht verboten, um Zeitungen, Zeitschriften, Bücher, die Briefe der gelben Post, die Film- und Musikindustrie zu retten (die z.T. gar nicht gefährdet sind). Und das ist gut so.

Warum lernen Sie nicht aus den Fehlern, derer, die sich nicht rechtzeitig an das neue Medium Internet angepasst haben?

Ich schreibe Ihnen, wie mein Stadtanzeiger der Zukunft aussehen sollte, für den ich selbstverständlich auch weiterhin Geld bezahlen würde:

  • Ich finde, dass die Papierausgabe des Stadtanzeigers zu großformatig und zu unhandlich ist. Ich kann sie nicht in der Straßenbahn lesen und umblättern, ohne meine Nachbarin (m/w) zu belästigen. Draußen bei Wind z.B. am Strand ist auch schnell Schluss. Das normale Zeitschriftenformat bzw. das des Stadtanzeigermagazins ist viel praktischer!
  • Ich bin 1961 geboren, sicher nicht mehr Jugend, aber doch dem Internet sehr zugewandt. Ich möchte den Stadtanzeiger in vernünftiger elektronischer Form (von mir aus ohne eine Papierausgabe – meine Frau aber will Papier)! Ja, ich kenne das ePaper und ich lese es auch regelmäßig, aber das ePaper hat Schwächen, denn es will zu sehr das Papier nachmachen, traut sich nicht die Vorteile des Netzes zu benutzen.
  • Wie soll ein richtiges ePaper aussehen?
    Es fehlt eine Zoom-Funktion (Vergrößerungsfunktion) der Zeitungsseiten. Ich kann kaum erkennen, welcher Artikel sich lohnt anzuklicken, da Überschrift und Zweitüberschrift oft zu klein sind. Die Bilder sind nicht vernüftig integriert, ich will auch Bilder zoomen können, ebenso die Bildunterschrift.
  • Die angebotene Suchfunktion ist furchtbar. Genauer: sie taugt nichts. Warum kann ich nicht nach Autoren und Autorinnen suchen? Ich würde gerne nach MILAN PAVLOVIÇ suchen und alle Artikel von ihm und über ihn finden! Warum klappt die Suche nach Worten aus den Überschriften nicht? Warum geht die Suche nicht auch über mehrere Ausgaben?
  • Ich will, dass die Texte und Meldungen unter einer Creative-Commons-Lizenz stehen. Ich will die Artikel z.B. auf Internetseiten vollständig anzeigen dürfen mit Nennung von wem sie sind und in welcher Ausgabe sie wann gedruckt oder elektronisch verfügbar waren. Ich würde gerne automatisch alle Artikel des Sportteils in einer Datenbank der Bibliothek der Deutschen Sporthochschule Köln sehen und dort recherchieren können. Oder alle Artikel, in denen das Wort Flittard vorkommt, es aber nicht um Sport geht.
  • Ich hätte gerne eine Übersicht für Eilige, die man sich per EMail oder aufs Handy schicken lassen kann, z.B. im Urlaub. Ein (Papier)Nachsendeauftrag nach Teneriffa taugt nichts (mehr) und ich deshalb nicht mehr zeitgemäß. Gerne darf die Übersicht für Eilige auch das enthalten, was ich besonders gerne lese: Meinen Kölner Stadtteil Flittard oder Sülz, 1.FC Köln, nicht Bayer Leverkusen, Sporthochschule, Piratenparteil, Internet, Erzbistum Köln etc.

Das geht alles nicht? Ist zu teuer? Politik soll machen, dass alles so bleibt, wie es ist? Die Jugend soll Zeitung in Papier lesen?
Das wird nichts mehr, Herr Neven DuMont. Fragen Sie Ihre Kinder oder Enkel (hoffentlich)!

Ich bin ein überwiegend zufriedener Stadtanzeigerleser. Wenn aber alles die nächsten 5 oder 10 Jahre so bleibt, wie es ist, dann wird es den Stadtanzeiger wohl nicht mehr geben. Es liegt an Ihnen und Ihrem Team das zu ändern. Wenn ich helfen kann, helfe ich gern!

Beste Grüße
Florian Seiffert

Siehe auch z.B. unter:

Über Florian Seiffert

http://www.seiffert.net
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Eine Antwort zu Mein Stadtanzeiger der Zukunft

  1. Florian Seiffert schreibt:

    Am Montag, 14.12.2009 erreichte mich diese EMail:

    Sehr geehrter Herr Seiffert,

    vielen Dank für Ihre Mail.
    Diese habe ich an Herrn Neven DuMont weitergeleitet.

    Mit freundlichen Grüßen

    Elisabeth Klerx
    Leserforum – Kölner Stadt-Anzeiger

    Super. Jetzt bin ich gespannt ob ich noch eine Antwort von Herrn Neven DuMont bekomme.

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