Mafiafantasien

Ich sitze mit einem Glas frühen Rotweins und ein paar Oliven auf der Terrasse, schaue auf die Bucht, das Meer und meinen Leuchtturm, den Faro de Punta de Abona bei El Porís. Das regt die Fantasie an. Und wie ich mir so das Blinken des Faro ansehen, frage ich mich, warum sich im Dunkeln noch so viele Autoscheinwerfer durch das Dörfchen Punta de Abona tasten, sich zum Faro wenden und dann im Llano del Piojo verschwinden.

Man muß vielleicht wissen, dass seltsame Pisten den Llano durchziehen, dass da wilde und dürre Köter herumstreifen (und meine Fotosafari jüngst stark verkürzten). Zudem gibt es in dieser finsteren Gegend eine Geisterstadt mit der Bauruine einer riesigen Kirche. Manchmal fahren da sogar große LKW zum Faro, verschwinden und tauchen wieder auf. Bei meiner Fotosafari kam sogar ein Konvoi mit drei großen Geländewagen (verdunkelte Scheiben, Motorschnorchel, braungebrannten Fahrerarme in den Fenstern, Muscleshirt, Zigarette) aus dem Llano und verschwanden fluggs, als sie mich und mein 400mm-Teleobjektiv sahen.
Grad wo ich das tippe, verlässt ein neues Scheinwerferpaar den Faro Richtung Porís und Autobahn.
Beim nächsten Schluck Vino Tinto wird mir klar, dass nur die Kokainmafia dort für das finsteres Treiben verantwortlich sein kann. Man kennt das doch aus diversen Filmen, oder?

Jetzt ist auch noch das Licht im Leuchtturm angegangen, nicht das oben auf der Spitze, das richtige Leuchtturmlicht, sondern im Treppenhaus. Und das, obwohl es gar keine Leuchtturmwärterin gibt. Sehr verdächtig. Die Mafia deponiert dort sicher kleine weiße Päckchen, das würde auch zu den weißen Streifen des rot-weißen Turms passen.
Das Treppenhauslicht ist jetzt aus, die Aktion ist vorbei. Und wir sind die einzigen Zeugen. Ich hoffe nur, dass unsere Tourietarnung hält. Aber das geschmeidige kleine Fernrohr der Meisterin ist schon schwierig zu erklären und erst mein Teleobjektiv…

Aber ich habe für unsere Sicherheit gesorgt. Ich habe Fotos der Mafia gemacht und werde sie in „diesem Internet“ veröffentlichen. Wenn dann meine Knochen im Llano bleichen oder nie gefunden werden, kann die Internetpolizei ja den gelegten Hinweisen nachgehen.
Die Mafiabilder habe ich heimlich in der abgeschmocktesten Bar der Gegend gemacht. Sie liegt in einem Ort, den man erreicht, wenn man vom Mafialeuchtturm  den Berg hochfährt. Hinter der Autobahn einfach geradeaus. Wir haben uns als Touries ausgegeben und nach der Werkstatt einer Glaskunstmeisterin gefragt, das war voll unverdächtig. Die Lebensversicherung ist also im Kasten äh Handy.

Schon wieder schleichen sich rote Rücklichter vom Leuchtturm weg. Der Rotwein ist leer. Ich glaube, die Fantasie regt sich wieder ab, während der Blick über die nun dunkle Bucht schweift und der Faro in die Stille blinkt.

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Über Florian Seiffert

http://www.seiffert.net
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