Petra

Um 5 Uhr weckt der Muezin mit seinem Ruf zum Gebet, dann um 6:30 der Wecker. 7 Uhr Frühstück, um 8 Uhr sitzen wir im Bus und fahren Richtung Aqaba. Noch während wir durch Amman fahren, beten wir die Laudes. Das öffentliche Beten ist für Christen in Jordanien nicht erlaubt. Deswegen gibt es heute und gab es gestern keinen Gottesdienst.

Das Grün verschwindet immer mehr und bald fahren wir durch eine Steinwüste. Stromleitungen begleiten uns, hin und wieder grast eine Herde Ziegen oder Schafe in einem flachen Wadi.

Wir erreichen Petra. Die Gruppe teilt sich in die Harten und die Ultraharten. Die Harten fahren mit der Kutsche hinunter in die Schlucht, die Ultraharten gehen mit Ali zu Fuß.
Ich bin schon viele schöne Schluchten auf Kreta, Teneriffa, oder LaPalma gegangen, aber die hier ist die beeindruckenste bisher. Gelblich-roter Sandstein zu beiden Seiten. Herrliches Spiel von Licht und Schatten, vom blau des Himmels und der Sonne.
Wir Ultraharten springen auf Seite, denn eine Kutsche mit dem harten runden Mann CC rast vorbei. Er grüßt päpstlich und verschwindet hinter der nächsten Biegung.

Die Felsen treten immer näher zusammen, es wird kühler. Der Boden besteht aus dem groben Pflaster einer alten Römerstraße. Links und rechts sieht man nun Nischen, Reliefs und ausgewaschene Götterbilder. Noch ein paar Kurven, dann sieht man es schon im schmalen Spalt. Der Felsen tritt zurück und ich bin erstmal sprachlos. Nur die Routine läßt mich auf Seite treten und das Weitwinkel auf WEITE drehen.

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Vor mir erhebt sich die aus dem Fels gehauene Fassade eines gigantischen Grabmals. Wer den Spielfilm „Indiana Jones und der letzte Kreuzzug“ gesehen hat, kennt das Grabmal aus der letzten Szene. Nur hier in „echt“ vorschlägt es mir doch den Atem. Mein Respekt vor den Nabatäern wächst gewaltig. Was für eine Leistung!!

Als sich die Gruppe gesammelt hat, erklärt uns Ali das Grabmal, welches (fälschlich) „Schatzhaus des Pharao“ heisst.

Wir gehen nun einen Weg zwischen zurücktretenden Hängen, die voll sind von Grablöchern, Fassaden und Menschen. Man weiss garnicht, was man alles ablichten soll …
Staunend erreichen wir einen flachen Holzbau, wo es Lunchpakete gibt und der Geist sich freut etwas zu tun zu bekommen, was er leicht kann: Kaumuskeln koordinieren.

Nach der Rast, führt Ali die Ultraharten den Berg hoch zu einem weiteren Grabmal. Ein riesiger Raum ist in den Felsen gehauen. Und wie unglaublich exakt. Ich staune weiter vor mich hin. Die Ultraharten sammeln sich in dem Grab, stellen sich im Kreis auf und singen drei Loblieder auf den Herrn. So wundervoll Wand und Decke bearbeitet sind, so unglaublich ist die Akustik.
Mir gefällt der Gedanke, dass es vielleicht viele hundert Jahre her ist, das hier zuletzt (ein) Gott mit Gesang gelobt wurde.

Es geht zurück. Die Harten in der Kutsche, die Ultraharten zu Fuß. Unser Hotel, das Crown Plaza Petra liegt gleich am Eingang zur alten Nabatäerstadt.

Über Florian Seiffert

http://www.seiffert.net
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Eine Antwort zu Petra

  1. Angelika T. schreibt:

    Die atemberaubende Schönheit der Felsenwüste mit ihrem sich im Sonnenlicht ständig verändernden Farbenspiel zieht mich in ihren Bann.
    Ich versuche mir die vielen Menschen wegzudenken und einzutauchen in die Mystik der Felsmassive und -höhlen.

    Was für ein Naturschauspiel und Wunderwerk aus Menschenhand!

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