Rede des Eleazar

Rede des El'azar

Rede des El'azar

Hier kommt noch der Text der Ansprache von Eleazar an seine Leute. Nachzulesen ist sie im 7. Buch, Flavius Josephus, Der jüdische Krieg:


Meine getreuen Gefolgsleute, vor langer Zeit entschlossen wir uns, weder den Römern noch sonst jemandem ausser Gott zu dienen, der alleine der wahre und gerechte Herr der Menschen ist: jetzt ist die Zeit gekommen, unsere Entschlossenheit durch unsere Taten zu beweisen. In solcher Zeit dürfen wir uns nicht selbst entehren: Bis zu diesem Augenblick haben wir uns niemals der Sklaverei unterworfen, auch wenn sie mit keiner Gefahr verbunden war: wir dürfen die Sklaverei auch jetzt nicht wählen, und mit ihr Strafen, die, wenn wir lebend in die Hände der Römer fallen, das Ende von allem bedeuten werden. Denn wir hatten uns als erste von allen erhoben und werden die letzten sein, die den Kampf beenden. Und ich meine, es ist Gott, der uns dieses Vorrecht gibt, edel und als freie Menschen sterben zu können, und nicht wie die anderen, die unerwartet geschlagen wurden. In unserem Fall ist es klar, dass mit dem Morgengrauen unser Widerstand enden wird, aber wir sind frei, mit unseren geliebten Angegörigen einen ehrenvollen Tod zu wählen. Das können unsere Feinde nicht verhindern, wie inbrünstig sie auch beten mögen, uns leben zu bekommen; denn im Kampf können wir sie nicht schlagen.“

„Lasst unsere Frauen ungeschändet, unsere Kinder ohne die Erfahrung der Sklaverei sterben: Danach lasst uns gegenseitig ohne Murren einen Liebesdienst erweisen, der unsere Freiheit als ruhmvolles Leichentuch bewahrt. Aber zunächst lasst unseren Besitz und die ganze Festung in Flammen aufgehen: es wird, wie ich weiss, ein harter Schlag für die Römer sein, unser Leben ausserhalb ihrer Reichweite und nichts mehr für sie zum Plündern finden. Nur eins lasst uns aussparen – unser Lager an Nahrungsmitteln: es wird, wenn wir tot sind, Zeugnis davon ablegen, dass wir nicht umkamen, weil wir Mangel litten, sondern weil wir von Anfang an entschlossen waren, lieben den Tod als die Sklaverei zu wählen.“

„Dass wir nur alle gestorben wären, ehe wir die Heilige Stadt durch Feindeshand so vollkommen zerstört, das Heiligtum so frevelhaft geschändet sahen! Aber da uns ein ehrenwertes Streben zu der Ansicht verleitet, es könnte uns vielleicht gelingen, sie an ihren Feinden zu rächen, und nun alle Hoffnung dahin ist, wir unserem Schicksal überlassen sind, so lasst uns sogleich den Tod in Ehren wählen und uns, unsere Frauen und Kindern den besten Dienst erweisen, so lange es noch möglich ist, irgendetwas für uns zu tun. Schliesslich wurden wir alle geboren, um zu sterben, wir und alle jene, die wir in diese Welt gesetzt haben: Dies muss sogar der Glücklichste gewärtigen. Aber Misshandlung, Sklaverei sowie der Anblick unserer Grauen, die mit unseren Kindern in die Schande fortgeführt werden – das sind keine Übel, denen der Mensch aufgrund von Naturgesetzen unterworfen ist: die Menschen erleiden sie aufgrund ihrer eigenen Feigheit, wenn sie eine Gelegenheit haben, ihnen durch den Tod zuvorzukommen und diese Gelegenheit nicht nutzen wollen. Wir sind sehr stolz auf unseren Mut, deshalb erhoben wir uns gegen Rom: zum Schluss haben sie uns noch angeboten, unser Leben zu schonen, aber wir haben dieses Angebot abgelehnt. Ist irgendjemand zu blind, um zu erkennen, wie schrecklich sie sein werden, wenn sie uns lebend bekommen? Habt Mitleid mit den Jungen, deren Körper start genung sind, um längere Foltern zu überleben; habt Mitleid mit den Nicht-so-jungen, deren ältere Konstitution unter einem solchen Missbrauch zusammenbrechen würde. Ein Mann muss zusehen, wie seine Frau mit Gewalt fortgeschleppt wird; er würde die Stimme seines Kindes „Vater“ rufen hören, während ihm die eigenen Hände gefesselt werden. Kommt, so lange unsere Hände frei sind und ein Schwert halten können, lasst sie ein edles Werk verrichten! Lasst uns sterben, ohne von unseren Feinden versklavt worden zu sein, und diese Welt als freie Menschen zusammen mit unseren Frauen und Kindern verlassen.“

Über Florian Seiffert

http://www.seiffert.net
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Eine Antwort zu Rede des Eleazar

  1. Angelika T. schreibt:

    Dieser Text ist der Hammer!
    Wir bekommen eine Ahnung davon, welche Gedanken den hier lebenden Menschen sicher vertraut sind.
    Bekommen wir während unserer Pilgerreise vordergründig nicht nur die Schönheit und das Erhabene dieses Landes mit? Ich will nicht blind auch für das Bedrohliche sein…
    Und dennoch erfahre ich so viel Lebensfreude, Freundlichkeit und Zufriedenheit, wir können hier eine Menge für uns selbst lernen…
    Ich begegne hier jedem Menschen mit großem Respekt!

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