Jerusalem: Nehmt eure Herzen mit

Laudes in der Lobby, Frühstück. Um 8 Uhr sitzen wir im Bus. Es geht durch die Wüste von Judäa. Wir halten kurz für einen Blick über die Berge. Die Patriarchen Abraham, Isaak, Jacob lebten hier mit ihren Frauen, Kindern und Stämmen. Heiliger Boden des Judentums.

Kamelherden, Ziegen und Schafe ignoriere uns.
Die ganze Wüste blüht. Es ist umgewohnt grün hier. Auch Yossi staunt. Weinreben auf Blumenteppichen, frisches Gras, rosa und weiße Obstbäume verbreiten gute Laune.

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Wir fahren nach Jerusalem hinauf. Eine heilige Stadt für jede der drei „Buchreligionen“ und Ziel unserer Pilgerreise, ein Höhepunkt im Leben. Einige sind unter uns, die die heiligen Stätten das erste Mal sehen. Halleluja sagt Yossi.
Wir sind nicht nur als Pilgerinnen auf dem Weg nach Jerusalem, sondern auch als Christinnen auf dem Weg zum himmlischen Jerusalem.

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Wir halten an einem Berghang mit Blick auf die Altstadt mit der leuchtenden Kuppel des Felsendomes, der grauen Kuppel der Grabeskirche, der Stadtmauer und dem Ölberg. „Nehmt Euer Herz mit“, sagt Yossi. Wir steigen aus und begrüßen die Heilige Stadt singend, denn mehr als Worte sagt ein Lied. Da ich Yossi Bitte gefolgt bin und mein Herz mitgenommen habe, drückt mir mein Herz die Tränen in die Augen.

Weiter gehts zum „museon jisrael“, wo uns Yossi an einem 1:50-Modell das antike Jerusalem zur Zeit des zweiten Tempels und damit auch zur Zeit Jesu erklärt. Im „Schrein des Buches“ kann ich noch einen Blick auf die berühmte Jesajarolle (7,35 m lang) werfen. Dieses unscheinbare Stück Pergament bestätigte bei seinem Fund 1947 die Richtigkeit von über 1000 Jahren Bibelüberlieferung. Ich sage: Halleluja.

Wir fahren Essen und ein Israeli an unserem Tisch berichtet mir aus der israelischen Tagespresse. Wir Pilger bekommen von Raketen und Vergeltung nichts mit. Die wenige Internetzeit nutze ich nicht für Zeitungen…
Der Israeli ist voll von unterdrückter Wut und sagt auf meine Frage, was wir ausser Beten tun können: Die Aufgabe Frieden im Heiligen Land zu schaffen ist selbst für Gott zu groß. Das einzige, was wir Israelis tun können ist – Lachen.
Okay, ich bin still. Ich kann nicht helfen. Ich nehme seine Last mit und werde Sie beim Gottesdienst gleich in En Kerem ablegen. Der Herr muss es richten. Leichter ist mir jetzt nicht.

Wir fahren nach En Kerem („Quelle des Weinbergs“). Wir feiern dort Heilige Messe in der Kirche, die an dem Ort steht, wo Maria ihre Cousine Elisabeth besuchte. Maria schwanger mit Jesus, Elisabeth schwanger mit Johannes dem Täufer.
Ich stelle mich n Hauch abseits, denn es ist nicht leicht, nach dem Bericht von heute Mittag, so einen großes Paket „Friedenswunsch für das Heilige Land“ hier abzulegen.
Während der Messe umwimmeln mich zahlreiche spanische Pilgerinnen. Sie lassen sich durch unsere Messfeier nicht stören und machen Bilder der eher süßlichen Ausmalung. Grummel. Ich strahle sie zum Friedensgruß herzlich an und gebe ihnen allen die Hand. Ehrlich – ganz lieb. Sie machen alle eine Kniebeuge und verschwinden. Wow.

Nach dem Gottesdienst gehen wir rüber zur Geburtskirche Johannes des Täufers. An der überlieferten Geburtsstelle in der Krypta, singen wir noch.

Wir fahren nun nach Bethlehem. Yossi setzten wir vorher ab, er darf als Israeli nicht mit in die autonomen Gebiete. An der Grenzmauer schält sich der israelische Soldat eine Orange. Der palästinensische Posten winkt auch. Wir sind in Bethlehem.

Das Hotel Paradise erinnert mich etwas an die DDR. Aber das ist okay. Liebe Menschen sorgen sich um uns.

Über Florian Seiffert

http://www.seiffert.net
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Eine Antwort zu Jerusalem: Nehmt eure Herzen mit

  1. Angelika T. schreibt:

    Jerusalem – was muss das für ein Anblick gewesen sein, als die Pilger noch Monate für die Reise nach Jerusalem brauchten?
    Wie beschwerlich muss der Weg zur Zeit Jesu gewesen sein?
    Der erste Blick auf die Heilige Stadt ist mit Worten nicht zu beschreiben und kaum zu vermitteln…
    Und wieder stellt sich mir die Frage: „Werde ich dich – Jerusalem – noch einmal wieder sehen?
    Während die Gruppe das Jerusalem-Lied singt, bleibt mir nur das klang- und wortlose Staunen und das Loslassen meiner selbst…

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