Yad Vashem

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Yad Vashem war gut. Yad Vashem war furchtbar. Ich hatte nicht genug Tränen.

Vor der Gedenkstätte des Holocaust hatte ich immer Angst und mich bisher bei zwei Besuchen gedrückt. Schließlich hatten wir Herrn Dr.Simon in Geschichte und der hat nichts an Details, Bildern und Filmen ausgelassen.
Diesmal habe ich tief Luft geholt, ein Stossgebet abgeschickt und mich auf den Weg gemacht.

Die Luft blieb mir weg bei einer Puppe, die ein kleines Mädchen – eine Überlebende des Warschauer Gettos, jetzt eine alte Frau – geschickt hatte. Nur diese Puppe war dem kleinen Mädchen Mutter, Vater, Schwester und Bruder. In einem Kohlesack geschmuggelt, hatte es das Mädchen nach draußen geschafft und überlebt. Sie hat ihre Puppe unter der Auflage gestiftet, dass bei ihr immer ein Licht brennen muss, denn die Puppe hat Angst im Dunkeln.

In der „Halle der Erinnerung“, das ist da, wo die Flamme brennt und die Politikerinnen die Kränze ablegen, zerquetscht es mir erneut das Herz. Auch andere Mitglieder der Gruppe nutzen draussen schnell ihr Sonnenbrillen, niemand soll zu viel vom Gesicht sehen.

Das Schönste, aber auch Leidvollste war dann das „Denkmal für die Kinder“. Es gilt den 1,5 Millionen von den Nationalsozialisten ermordeten jüdischen Kindern.
Ein dunkler Raum in dem 5 Kerzen brennen. Scheiben und Spiegel reflektieren die Flammen unendlich oft. Es entsteht so in jede Richtung, in die man schaut ein Universum an Sternen, an symbolisierten Kinderseelen, denen die Entfaltung versagt blieb. Dazu lesen zwei Stimmen die Namen der Kinder. Vielleicht 50 halte ich aus.
Wenn ich ein Kind wäre würde ich mich freuen, wenn meiner so gedacht würde.

Ich bin froh, dass draußen die Sonne scheint und ich lange nichts sagen muss.
Elisabeth geht mit der Flasche Arak durch den Bus. Ich nehme zwei und denke Yad Vashem war gut.

Über Florian Seiffert

http://www.seiffert.net
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3 Antworten zu Yad Vashem

  1. Angelika T. schreibt:

    Ja es stimmt, ich habe Yad Vashem im Jahr 2009 das erste Mal besucht, um nichts in der Welt wollte ich es versäumen!
    Yossi hatte uns – selbst tief berührt – bereits vor 2 Jahren die Geschichte von der inzwischen alten Frau und deren Puppe erzählt – die Dame lebt in den USA und schreibt jeden Tag einen Brief an ihre kleine Puppe, die ihr als kleinem Mädchen in der Zeit des Holocaust in ihrem dunklen Versteck innerhalb eines Pappkartons ein überlebenswichtiger Halt war.
    Als die Gedenkstätte Yad Vashem eingerichtet wurde, hatte sie die Puppe zur Verfügung gestellt, allerdings unter einer Bedingung, das die Puppe immer im Licht ist, weil sie sonst Angst hat… Ich denke, wir können uns alle vorstellen, was die Dame damit hergegeben hat – warum?
    Damit die Menschen nie vergessen, was damals geschehen ist…

    Nach dem Besuch von Yad Vashem ist nichts mehr, wie es vorher einmal war… Ich war und bin tief betroffen, während und nach jedem Besuch bleibt mir die Frage: „Was haben wir daraus gelernt?“

  2. Reimund Oehlke schreibt:

    Jaha, Yad Vashem…. Ich selbst war noch nie dort. Habe aber schon oft davon gehört. Heute Morgen habe ich noch in einer SmS zu meiner Frau gesagt: „Heute geht’s nach Yad Vashem. Heute mußt du ganz Stark sein“. Noch Heute sind mir die sehr Emotionalen Erinnerungen meiner Frau im Ohr, als sie mir nach ihrer letzten Israel Reise von Yad Vashem erzählte. Es müßen wohl sehr Emotionale Momente sein….. z.b. in der „Halle der Erinnerung“.
    Ich denke, es ist für viele aus der Gruppe, wohl der schwerste Teil der ganzen Reise. Aber trotz allem, auch ein absolutes „Muß“ auf dieser Reise. Das gehört einfach dazu, diese Stätte zu Besuchen. So schwer es auch fällt!

    Viele Grüße an den Rest der Gruppe und gute Nacht, bis Morgen. Ich freue mich schon auf den nächsten Bericht.

  3. Optimisc schreibt:

    Ich kann das gut nachvollziehen. Ich hatte einen ähnlichen Eindruck beim Besuch des Museums in Berlin unter dem Holocaust-Denkmal http://www.holocaust-denkmal-berlin.de/
    Und zwar schon zweimal.

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