Brügge und Bitterballen

Nach einem Vorfrühstückseinkauf folgt das Frühstück unterm Sonnenschirm im Garten. Wir lassen uns gallische Köstlichkeiten schmecken. Bei strahlendem Sonnenschein geht es dann nach Brügge, einem wunderschönen alten Städtchen, der Hauptstadt der Provinz Westflandern. Wir parken das Auto am Stadtrand und machen den Rest zu Fuß.
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Wir lenken unsere Füße zur St.Salvator-Kirche, die bei uns eigentlich ein Dom wäre, den hier „sitzt“ der Bischof von Brügge. Das Teil hat noch zu und so gehen wir schnell rüber zur Liebfrauenkirche. Hier will man 4€ Eintritt, was mir bei einem Haus Gottes nicht so recht gefallen will. Aber Okay. Die Brügger Madonna ist zu sehen, sie ist von Michelangelo und sieht traurig aus. Auch das Jesuskind hat die Augen niedergeschlagen – Leonardo da Vinci hat das bei seinen Mariendarstellungen eingeführt. Ich hab‘ lieber eine lächelnde Madonna. Dann liegen da im Chor die etwas protzigen Grabtumben von Karl dem Kühnen und seiner Tochter Maria von Burgund. Verwandtschaft.  Wir sagen kurz Tach Onkel, Tach Tantchen, dann genießen wir die Lichtflut des Kapellenkranzes im Chor. Ist Gotik nicht ein toller Baustil?
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Sankt Salvator hat offen als wir kommen und es spielt jemand Orgel. Super. Ich zünde eine Kerze für die Schwiegermutter an – was sich auszahlt, sie kommt heute nach Hause, nichts gerissen, nichts gebrochen, „nur“ Prellungen.

Der Belfried, ein hoher, schlanker, gotischer Glockenturm, der besonders für flämische Städte typisch ist, bietet einen tollen Blick über Brügge und Umgebung, es ist aber eine lange Schlange von Touris auf die selbe Idee gekommen und so wird hier erstmal nichts erklommen.
Wir nehmen statt dessen ein Boot und schippern 30min über die Kanäle, die hier Grachten heissen. Hier ist es etwas kühler, der Fahrtwind ist angenehm. Schon etwas müde besuchen wir die Heiligblut-Basilika, die sehr prächtig ist. Die Heiligblut-Reliquie ist nicht zu sehen, dafür leuchtet das Westfenster bunt und verziert die Häupter der Betenden sehr prächtig.
An der nächsten Gracht bietet ein Teehaus noch ein Plätzchen im Schatten und M* bestellt sich Bitterballen. Das sind eine in Flandern sehr beliebte Spezialität: Panierte, mit einem Ragout aus Rind- oder Kalbfleischmasse gefüllte und frittierte Fleischkroketten. Wirklich lecker. Die Bitterballen toppen meine Kaaskroketten, die die besten von ganz Flandern sind. Ein Jupiler löscht den Durst und nette Einheimische am Nachbartisch geben uns das Gefühl, in  keiner Tourikneipe zu sein.

Die Rückfahrt geht über De Haan, wo ich das prächtige Holzhaus suche, wo wir 1986 eine Wohnung hatten. Aber der Palast ist abgerissen, die Dünen zugebaut. O tempora, o mores.

Ein herrlicher Tag neigt sich, alles gut. Nur ein bisschen Sonnenbrand auf den Armen.

Über Florian Seiffert

http://www.seiffert.net
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