Tag 2 – Ålesund und Hjørundfjord

Der Wecker klingelt um 6:50 Uhr. Das orange Rettungsboot vor meinem Fenster zeichnet sich schon gegen den dunkelblauen Himmel ab. Nichts wie raus! Meine zwei Wikinger sind schon da, sogar schon seit 6 Uhr. Kompliment.
Ich genieße das zarte Licht des klaren, kalten Morgens. Himbeerfarbe am Horizont über Torvik. Unbeschreiblich schön.
Die Jungs wollen zum Frokost (Frühstück). Okay, machen wir das.
Hurtigruten lässt Spiegelei mit Speck springen. Kann ein Tag schöner anfangen? Das herrliche Wetter und die Fahrt auf Ålesund zu, treibt uns wieder nach „5 vorne“. Fröhliches Bildermachen, Sonne und Wind genießen ist angesagt, bis wir in Ålesund anlegen. Jetzt gilt es die Jugendstilstadt in 45 Minuten zu erkunden. J:o)rg, der Informationsspezialist und Detlef der Ersttäter machen das und eine lange Schlange von Turis folgt ihnen. Ich bin schon 2003 und 2009 zur Jugendstilapotheke gerannt und brauche das heute nicht. Ich mache in Ruhe ein paar Bilder am Hafen. Dann starten wir zu einem Novum. Die MS Polarlys fährt erstmals in den Hjørundfjord. Hurtigruten will den Fjord als Saisonverlängerung ausprobieren und testet diese Tour auch als Alternative zum überlaufenen und teuren Geirangerfjord. Auf „5 vorne“, wird es nun voll. Viele Kameras, viel zu sehen, billig wird allterorten in die Gegend geknipst. Es lohnt aber auch. Langsam, fast genüsslich, schiebt sich die Polarlys in die immer schmaler werdenden Fjorde, bis wir bei ganz schmal ankommen. Da ist dann das Nano-Örtchen Urke und wir ankern. Die selten gebrauchte und entsprechend rostige Ankerkette poltert ca. 60 Meter in die Tiefe, dann sind wir da. Ruhig liegen wir in der Sonne und unter blauem Himmel. Weiß spiegeln sich Bergspitzen im herbstlichen Fjord. Wir werden ausgetendert, d.h. mit einem kleinen Boot gehts an Land. Wir nutzen das Kaiserwetter für einen Spaziergang und für Bilder unseres Schiffes von außen. Das hat man sonst nicht auf einer Seereise.
Das Leihen von Fahrrädern hat nicht geklappt, auf das Tenderboot darf man die nicht mitnehmen. So bleibt dem Hotel Union in Øye (ca. 6km entfernt) unser Besuch erspart und die Badewanne von Kaiser Wilhelm findet ihren Weg nicht hier in den Blog.
Wir genießen die warme Sonne, machen Bilder, blödeln ein bisschen rum und tendern nach 90 Minuten wieder an Bord. Während die zwei Jungs schwächeln und in ihre Kajüten verschwinden, kümmere ich mich etwas um „das Internet“, was hier und da Tücken hat, aber nichts, was mich bisher dauerhaft zanken kann.
In Ålesund sind wir zusammen wieder auf „fünf vorne“ und beobachten das Anlegemanöver. Wir wollen dann mit dem Taxi hoch zum Hausberg Aksla, um Fotos zu machen, die Fernsicht zu genießen und um die 418 Stufen wieder zu Fuss zurück zu gehen. Aber wir müssen den Mantel des Schweigens über die norwegischen Taxis an Sonntagen in Ålesund decken. Nix Taxi, zu lang rumgestanden und gewartet, Pech gehabt. Ein Gutes hat das Drama aber doch – wir müssen halt nochmal wieder kommen. Wir streifen noch etwas lustlos am Wasser lang und verachten alle Taxis, die wir sehen (nur eins).
Um 18:15 Uhr gibt’s dann Midda, das Abendessen, Lunsji, das Mittagessen hatte ich mir geschenkt, die Spiegeleier vom Frokost, hatten so bis 15:53 gereicht – die Jungs hatten zu Lunsji ein Lachsbrötchen. Der Chef hat für uns heute abend:

„Clipfish bolinhos with ruccola salad.
Free range chicken with barley risotto
Chocolate fondant with pear sorbet“
Alles sehr lecker.

Draußen wechselt das Licht von gold zu gelb-orange und das Blau der See und des Himmels wird tiefer. Ich widerstehe der Versuchung zwischendurch rauszurennen und ein paar Momente einzufangen. Die innere Kamera muss jetzt mal reichen. Nach dem Essen versammeln wir uns am Heck, hier ist es windstill und die Farben leuchten noch hinter uns, während die Zeit alles langsam zu schwarz runterregelt.
In Molde ist es schon finster. Nach einem Kurztripp an Land schwächeln meine zwei Wikinger erneut und Kurven gen Kajüte. Die Hustavika – eine offene und berüchtigte Seestrecke beginnt das Schiff zu schaukeln. Zwei Schiffe der Hurtigrute sind hier im Lauf der Zeit gesunken. Ich tippe tapfer in der Bar den Bericht von heute, während eine Schöne ihr 100-Watt-Lächeln auf mich richtet. Ich ignoriere die Schöne, tippe einfach weiter. Als ich 1000 Jahre später wieder aufschaue, sitzt die
Schöne mit einem Anzugtyp an der Bar. Als ich weitere Ewigkeiten die Bar verlasse, sitzt die Schöne da und wattet den Barman an.

Kurz vor Sonnenaufgang in Torvik

Kurz vor Sonnenaufgang in Torvik

MS Polarlys im Hjørundfjord

MS Polarlys im Hjørundfjord

Hjørundfjord

Hjørundfjord

Dämmerung vor Molde

Dämmerung vor Molde


Das Programm für morgen:
Rock ’n‘ Roll in der Hustadvika
01:30 an Kristiansund
01:45 ab Kristiansund
08:15 an Trondheim
12:00 ab Trondheim
16:15 Stokksund
20:30 an Rørvik
21:15 ab Rørvik

Webcam:

  • So ab 8:00 Uhr lohnt ein Blick auf die Webcam von Trondheim: http://romeo.skybert.no/trondheim/k3/cam4_image.jpg. Die Finnmarken liegt schon seit 06:30 Uhr im Hafen und läuft um 10:00 Uhr aus. Die MS Polarlys „parkt“ gegen 08:15 Uhr hinter der Finnmarken ein. Vielleicht winken wir mit unseren Flaggen mal ein Bild lang über die Reling auf eurer Seite (steuerbord).

Mehr Details zum Programm und zu Sehenswürdigkeiten findet ihr in unserem Hurtigruten-eBook oder in meinem Blog

Über Florian Seiffert

http://www.seiffert.net
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