Tag 4 – Svartisen, Bodø, Stamsund, Svolvær, Trollfjord

So viel schöne Erlebnisse, wie heute müssen wohl meist für einen ganzen Urlaub oder für noch länger reichen. Und dabei ist der Tag noch nicht zu Ende. Es kommt noch die Nachtfahrt in den Trollfjord und die Fahrt durch den engen Raftsund. Sicher noch zwei zusätzliche Glanzlichter, kaum zum aushalten, so schön und so viel. Ja UND dann noch der FC. Wir hatten schon überlegt, ob wir nicht rot-weiße Leuchttürme doof finden sollen.

Um 7 Uhr ist die von mir vorhergesagte Polarkreisüberquerung. Ich stehe dazu pünktlich an Deck, aber ich bin alleine da, die Jungs fehlen, der Polarkreis auch. Ich bin aber tapfer und bleibe trotz des schneidenden Windes und der kalten Luft (5 Grad) draußen. Nach zehn Minuten kommt die Durchsage des Reiseleiters und dann sieht man den Artic Circle auch schon kommen. Pünktlich zum Gebrüll des Typhons und dem fröhlichen Dauerfeuer der vielen Kameras, die mit ihren müden Besitzerinnen eingetroffen sind, erscheinen auch meine zwei Wikinger, satt, gestärkt und guter Laune. Die Herren waren vorsichtshalber schonmal beim Frühstück. Hmpf.
Ich lichte die Metallkugel ab, die den Polarkreis anzeigen soll (ist aber geschummelt, sie steht ca. 1km zu weit südlich – aber egal. Jørg sagt: Polarkreis ist, wo der Kapitän pfeift). Dann gehe ich frühstücken, denn heute wird’s ein langer und anstrengender Tag.
Um 08:15 Uhr wird ausgetendert, denn wir haben die Tour zu Norwegens zweitgrößtem Gletscher gebucht. Mit einem Speedboot sausts mit rasender Fahrt durch enge Fjorde zum Svartisen. Es ist Kaiserwetter, die Sonne strahlt vom dunkelblauen Himmel, keine Wolke ist zu sehen, die herbstlichen Farben der Bäume spiegeln sich im Wasser, der Wind pfeift und Freude erfüllt unsere Herzen. Ich verfolge auf dem Smartphone, ob der Kapitän beim Navigieren alles richtig macht, aber das tut er. Wir landen am Ende eines schmalen Fjords, wo ein eisiger Ausläufer des Svartisen endet. Früher endete er am See, heute viel weiter zurück. Ein Bus fährt zum See. Die Harten fahren Bus, die Wikinger und die Ultraharten gehen zu Fuß. Es ist ein kurzer aber wunderschöner Weg, der herbstliche Birkenwald ist nass und dampft in der Sonne, Nebel steigt überall auf und goldenes Morgenlicht durchflutet Birken, Sträucher, Gräser und unsere Herzen. Über allem liegt das Eis des Svartisen und leuchtet blau. Alle erreichen den Gletschersee, wo ein kleines Gasthaus mit Kaffee, Tee und Gebäck wartet – ich bin aber noch (so) satt und will lieber Bilder machen. Die Mampfer stürmen das Gasthaus, die Bilddesigner machen Bilder und versuchen das Problem mit dem extremen Gegenlicht zu lösen. Die Sonne steht sowas von knapp über der Eiszunge, dass ein Bild ohne Reflexe wirklich schwer ist. Aber wir geben unser Bestes. Dann nehme ich mir 20 Minuten, bewege mich nicht und schaue auf den Gletscher, das Leuchten des Herbstes, das Blau, das Gold, den Schimmer und den Frieden über allem. Die Wikingern und ich nehmen noch einen Tee und etwas Gebäck, dann geht es langsam zurück. Das Speedboot fährt geschickt und schnell durch die Fjorde, umrundet Schären und sucht uns ein paar Seeadler. Wir finden auch welche, die geduldig oder gelangweilt das Dauerfeuer der Fotofraktion über sich ergehen lassen (die meisten dürften schwarz-braune Punkte auf dem Bild haben – schau mal, das ist ein Seeadler – danke, sehr schön – nächstes Bild). Mit schneller Fahrt geht es nun der MS Polarlys hinterher, die in Bodø auf uns wartet. Der Wind pfeift uns kräftig um die Nase, aber bei so viel Schönem, ist es nur an Deck auszuhalten. Norwegen spendiert eine Orgie aus Wasser, Blau und Sonnenlicht. Noch ein Glanzlicht heute.
In Bodø klettern wir gleich an Bord der Polarlys, waschen uns kurz und eilen zum späten Lunsji. Eigentlich sollte man sich dem postprandialem Knick ergeben und ein Nickerchen machen, aber wichtige Leuchttürme warten und die Bilder der Kamera sind zu sichern. Zu den beiden Leuchttürmen Bjørnøy fyr und Landegode fyr bin ich parat auf „5 vorne“. Es sind dünne Wolken aufgekommen und liefern einen tollen Hintergrund, denn die Sonne leuchtet tief und ein magisches Leuchten liegt über Meer und Fels.
Wir überqueren den Vestfjord, eine Strecke über die offene See. Wellen, die hier ankommen, sind in Grönland oder Amerika aufgebrochen. Aber nix ist. Ruhige See, so gut wie keine Dünung. Dafür eine Sicht, die ich 2003 und 2009 nicht hatte. Fernsicht pur. (UND lieber André, die ganze Strecke hats nun Handyverbindung …!)
Die Lofotenwand, der älteste Granit der Erde erhebt sich mal mit feinem Gletscherschliff, mal schroff aus dem Meer. Langsam schleichen wir uns an und es ist Zeit genug, alles zu genießen, sich zu freuen und hie und da was abzulichten.
Wir treffen uns zum Middag. Cheffe gibt heute:

Selbu Blå on baby-leaf salad with cloudberry syrup
Braised ox fillet with vegetables stew and red wine jus
Brown Betty with caramel sauce

Ja, das gibt’s nicht in der Mensa, nein, nur die Hurtigruten lassen sowas springen. Beim Essen legen wir in Stamsund an, einem Häfchen, das an die Lofotenwand geklebt ist. Zum Ablegen sind wir auf unserem Platz auf Deck 5 und beobachten die Vezögerung, die ein riesiger Reifen macht, der lieber an Bord bleiben will, statt in Stamsund arbeiten zu gehen.
Die Magie der Lofotenhauptstadt Svolvær ist heute kaum wahrnehmbar, denn es ist schon finstere Nacht. Aber die drei Wikinger haben sich eine kleine Webcam-Demo ausgedacht. Wir postieren uns mit Köln- und Norwegenfahne so, dass die Webcam von Svolvær uns sehen muß. Aber die iFōns von Detlef dem Ersttäter und Jörg, dem Informationsspezialisten lassen uns einen Hauch im Unklaren, ob wir denn nun zu sehen sind oder nicht. Nach einer Fotosafari durch das nächtliche Svolvær machen die Zwei noch einen Selbst-Show-Test auf Deck 5, mich zieht es in die Bar und zum Bloggen – viel ist heute zu schreiben.
Die Jungs sind quasierfolgreich, ihre Frauen und die Welt haben sie verwaschen auf Deck 5 gesehen. Superarbeit. Kompliment. Ich denke, wir sollten das auf der Rückreise verbessern. Mal sehen.

Und dann, fast zum Überfluss kommt heute noch ein weiteres Glanzlicht: Wir fahren in den schmalen und engen Trollfjord. Auf „5 vorne“ ist es voll und ich werde von allen Seiten angekuschelt oder geellenbogend. Ein paar Prozent meiner Erholung werden von den Damen abgefressen, die mir ihren kleinen neuen Kameras Blitzlichtgewitter ins Weltall schicken und versuchen den engen Trollfjord einzufangen. Mensch Leute! Aber dann sehe ich, dass auch von der Brücke Blitzlichter kommen – oh jeh – wen läßt der Kapitän denn da ran? Oder ist er es gar selbst. ABER dann, bin ich selbst zu doof und mein Handy schließt sich der Orgie an und trotz der Dauereinstellung Blitzverbot, knallt mein Handy auch einen Blitz raus und ich bin still und beschämt und denke nur MIST, wie PEINLICH.
Zum bloggen treffe ich mich mit Susi in der Bar. Susi kennen wir über das Hurtigrutenforum und sie hat heute früh ein Bild für uns gemacht.
Ein langer Tag geht zu Ende. Etwas sonnenverbrant, etwas müde und sehr voll von Eindrücken, geht es nun ins Bett (02:09). Ich hoffe, ich bekomme diesen Beitrag und ein paar Bilder noch hochgebeamt.

Ach ja: Hella und Franz soll ich von J:o)rg grüßen und natürlich unsere drei Wikingerfrauen! Und von Detlef, dem Ersttäter ist auszurichten, dass er die Mütze behält und nicht zurück gibt (recht hat er: Männer dürfen sich Mützen kaufen!). UND: Super FC. Und kkkkk F*

Polarkreiskugel

Polarkreiskugel

Mit Dank an Susi: 3 Wikinger brechen auf

Mit Dank an Susi: 3 Wikinger brechen auf

Zauberwald am Svartisen

Zauberwald am Svartisen

Svartisen mit Gletschersee

Svartisen mit Gletschersee

Speedboot im Blauen

Speedboot im Blauen

Die Bilder des Nachmittags und des Trollfjords liefere ich nach, die stecken noch in der Kamera.


Das Programm von morgen:

00:45 an Stokmarknes
01:00 ab Stokmarknes
02:30 an Sortland
03:00 ab Sortland
04:15 an Risøyhamn
04:30 ab Risøyhamn
06:45 an Harstad
08:00 ab Harstad
11:15 an Finnsnes
11:45 ab Finnsnes
14:30 an Tromsø
18:30 ab Tromsø
22:30 an Skjervøy
22:45 ab Skjervøy

Webcams:

Mehr Details gibt es in unserem Hurtigruten-eBook.

Über Florian Seiffert

http://www.seiffert.net
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2 Antworten zu Tag 4 – Svartisen, Bodø, Stamsund, Svolvær, Trollfjord

  1. Oma Ellen schreibt:

    Hallo, lieber Florian, sooo schöne Fotos kannst Du da oben machen, toll!!! Aber lausig kalt ist da am Polarkreis schon, 5 Grad, und je weiter ihr nach Norden fahrt, desto kälter wird es wohl. Ich sitze gemütlich im Warmen und mache die schönste Hurtigroute mit.Bin neugierig auf die nächsten Fotos und drücke die Daumen daß irgendwann Nordlicht zu sehen ist. Regenreiche Grüße aus D.

  2. Maren schreibt:

    Was habt Ihr ein Glück mit dem Wetter – trotz Vollpension immer alles aufgegessen? Besonders tolle Bilder, ich freue mich schon auf die Diashow. Grüße an die Wikinger und ihre Frauen Maren

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