Tag 8 – Von Mehamn bis Tromsø

Im Jahr 1997 erwæhnt DIE ZEIT Hasvik, ein Dorf voller kühler Nordmænner (und sicher auch Frauen), die es satt hatten, sich von Schneestürmen terrorisieren zu lassen. Anders als Katholiken, machten Sie keine Bittprozession um schønes Wetter zu bekommen, sondern eine zünftige Demo. Hundert Dorfbewohner marschierten und verlangten – und jetzt kommts: eine grøßere Sonne! Und wohl wissend, dass das schwierig sein kønnte – und jetzt kommts nochmal: alternativ tæten es auch zwei kleine.
Super!, oder?
Heute ist der Tag gekommen, um mal persønlich zu sehen, ob Hasvik erfolgreich war oder nicht.
Wir kommen von Hammerfest und gondeln den Sørøysund entlang. Dort, wo wir backbord nach Øksfjord abbiegen, liegt an der Steuerbordseite das Dørfchen Hasvik, vielleicht 20km entfernt. Und wir drei Wikinger finden, dass sich die Nordfrauen und -Mænner heute wohl nicht beschweren dürfen. Eine strahlende Sonne leuchtet über Hasvik, der MS Polarlys und uns. Ich glaube, dass sie vielleicht ein kleines bisschen grøßer ist, als sonst. Wir alle drei finden das. Echt jetzt.

Der Tag begann mit einem Orca. Detlef, der zum Glück wieder fit ist, und ich gehen Deck 4 entlang. Wir haben das Frokost gerade beendet, Jørg ist schon in Treppenhaus Eins abgebogen – als Informationsspezialist muss er das, das spart ihm ein paar Meter zu seiner Kajüte auf Deck 3, als eine schwarze Finne das Wasser neben uns durchbricht. Dann ist sie wieder weg. Gerade zeige ich und wir schauen, da kommt sie wieder. Eine schwarze Rückenflosse, dann das Gesicht und das Læcheln des kleinen Wals. Wow. Ich eile zum Heck. Da schwimmt der Orca langsam im Kielwasser davon.
Ich habe keine Bilder, die Kamera schlief noch im Pelicase – war ja auch noch früh. Detlef, der Ersttæter hat Bilder gemacht, die sind aber geheim, jedenfalls hat er sie mir nicht rübergebeamt.

Um 10 Uhr sind Jørg und ich bei Kapitæn Kjell-Inge Jensen zur Brückenbesichtigung geladen. Mit uns sind alle da, die mehr als einmal hurtig gerutet sind. Kapitæn Jensen ringt sich ein „Welcome“ ab und hat seine Hænde tief in den Taschen vergraben und græbt sie auch nicht mehr aus. Aber kompetent sieht er aus, kein Francesco Schettino, der einen Felsen übersieht, also EINEN, wo hier so viele im Wasser sind, wie es Einwohner(innen) in Norwegen gibt.
Die Funktionen der Brücke erklært der Reiseleiter, der zweite Offizier læchelt, der Kapitæn schaut schweigend. Nachdem alles erklært ist, wenige Fragen beantwortet wurden, Fotos gemacht sind und die Horde wieder geht, schnappe ich mir den zweiten Offizier und frage nach der Ansammlung von sechs Wracks vor Hammerfest. Er scrollt seine eSeekarte dahin, ich zeige sie ihm, er überlegt, zuckt die Schulter. Er weiß es nicht. Er fragt den Kapitæn. Der sagt sowas wie: Grummel Knurps Grummel. Der zweite Offizier schüttelt den Kopf. Okay, beide wissen es nicht. Ob man die Info zu Wracks irgendwo bekommen kønne? Grummel Knurps Grummel. Okay, ich verstehe. Schade, ich dachte, so zwei Experten wüßten einen Weg. Na ja, die Besichtigung war schøn, insbesondere haben Jørg und ich etwas über Hydraulikøl in einem Kalender erfahren. Etwa so, wie man im Pirelli Kalender etwas über Reifen lernt.
Wir kommen nun nach Hammerfest. Wir umrunden die „Milchinsel“ Melkøya, wo Gas aus dem Erdgasfeld Snøhvitfeltet (Schneewittchen-Feld) verflüssigt und gelagert wird. Etwas respektvoll halten wir Abstand. Nachdem wir anlegen, stürmen drei Wikinger ein Taxi, was hier leicht zu bekommen ist. Die Fahrt geht zur Meridiansæule, die Weltkulturerbe der UNESCO ist und an das erste Projekt zur Erdvermessung 1816 bis 1852 erinnert. Das Taxi wartet, wir geben Kameradauerfeuer. Dann jagen wir mit unserem Taxi zum Anfang des ZickZack-Weg auf den Aussichtsberg Salen (83m über dem Meeresspiegel) das „Dach der Stadt“. Hier keuchen uns die ersten Touris vom Schiff entgegen, sie sind zu Fuß hier rauf. Wir machen ein paar Bilder der Stadt und rennen den Berg runter zum dritten Høhepunkt, dem Isbjørnklubben (The Royal and Ancient Polar Bear Society). Detlef der Ersttæter wird sogar Mitglied (Lob! Lob!) und wir machen die Fotos, die man halt hier so macht. Dann zurück aufs Schiff. Alles geschafft, wir sind 10 Minuten vor dem Ablegen an Bord. Jetzt eine Kleinigkeit zum Lunsji, dann gibts ein Lunsjischlæfchen, der Abend heute wird lang werden.

Es ist – wen wundert es noch – schon wieder das allerbeste Sonnenwetter. Blauer Himmel, ein paar Wolken, blaues Meer, 7 Grad. Wir sind viel auf „5 vorne“, wo allerdings der Wind z.T. sehr kræftig pustet, man hat Mühe um die Ecken am Bug zu kommen. Wir halten in Øksfjord und Skjervøy. Vor Skjervøy gibt es Middag. Diesmal hat die Küche für uns:

Aquavit-cured reindeer topside with herb salad Arctic char with asparagus, Roswald potatoes and hollandaise sauce North Norwegian blueberry parfait.

Irgendwie ist es lauter und frøhlicher als gestern, wo es doch so herrlich ruhig war. Es genießen wohl viele die Rückkehr ins Leben ganz besonders. Jørg und ich hætte es doch lieber wieder ruhig (aber mit dem Ersttæter).
Weiter geht es nun in der Bar, wir warten auf das Einlaufen in Tromsø. In der Bar findet zu spæter Stunde eine Modeschau statt. Besatzungsmitglieder præsentieren Pullover und Jacken aus dem Shop unten auf Deck 4. Drei Wikinger haben nicht so viel für Mode übrig und wir beeilen uns in der Zeit Videos unserer Nasszellen-Føns hochzuladen. Im Hurtigform war die Frage aufgekommen „ob man in den N-Kabinen auf der MS Polarlys auf den vorhandenen Føn so einen Universal-Diffusor aufsetzen kann“. Das ist irgendwie keine Mænnerfrage und es læsst vermuten, dass sie zur Heiterkeit spæter Barbesucher beitragen kønne, wenn es nicht so schrecklich ernst und wichtig wære. Nachdem wir ein kleines Thing abgehalten haben, entscheiden wir uns zu helfen. Wir stürmen in unsere Kabinen und drehen Videos unserer Føns. Zwei Videos gelingt es an dem langsamen Internetzensor vorbei bis zu Youtu.be zu kommen. Wir hoffen mit Hand auf dem Herzen, dass der armen Seemaus im Forum nun geholfen ist.

Schade nur, dass nur ein Føn aus einer N-Kabine kommt. Viel zu spæt entdecken wir, dass der zweite Føn aus einer J-Kabine stammt. Oh wei.

Kalte Luft fønt uns den Ernst aus den Køpfen und wir sind endlich wieder humorvoll draußen auf Deck 5, als wir kurz vor Mitternacht das næchtliche Tromø, die Eismeerkathedrale und die Tromsøbrua auf die Speicherkarten bannen. Wir nehmen noch ein Absacker in der Bar mit Susi, ihrer ælteren Schwester, einem Paar, was sich müht das Hurtigruten-eBook aufs iPad zu bekommen (gut so!). Ich melde mich dann zum Bloggen ab, der Rest geht Matratze horchen.

Drückt uns morgen die Daumen, dass wir bei der Seeadlersafari im Trollfjord ein paar gute Bilder hinbekommen und drückt ganz feste die Daumen, dass die Polarlichtvorhersage für morgen stimmt und wir einen halbwegs klaren Himmel haben.
Und schaut euch die Videos von Jørg an, der die Reise automatisch aus seinem Fenster filmt.


Kapitänin Susi

Kapitänin Susi

Meridiansäule Hammerfest

Meridiansäule Hammerfest

Hammerfest vom Salen

Hammerfest vom Salen

Wikinger ringen Eisbär nieder

Wikinger ringen Eisbär nieder

Tromsø bei Nacht

Tromsø bei Nacht


Das Programm von morgen:

01:30 ab Tromsø
04:15 an Finnsnes
08:00 an Harstad
08:30 ab Harstad
10:45 an Risøyhamn
11:00 ab Risøyhamn
12:30 an Sortland
13:00 ab Sortland
14:15 an Stokmarknes
15:15 ab Stokmarknes
18:00 Seeadlersafari
18:30 an Svolvær
20:00 ab Svolvær
21:45 an Stamsund
22:00 ab Stamsund

Webcams:

Mehr Details gibt es in unserem Hurtigruten-eBook.

Über Florian Seiffert

http://www.seiffert.net
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Eine Antwort zu Tag 8 – Von Mehamn bis Tromsø

  1. optimisc schreibt:

    *grins* Wieder sehr schøn geschrieben!

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