Montag 11.03.2013 – Tag #2: Bethlehem

Der Tag beginnt vor Sonnenaufgang. Mein Zimmer liegt günstig und ich kann den Sonnenaufgang über Bethlehem ablichten. Dann gehts zur Laudes, dem Morgengebet der Kirche. Wir finden einen stillen Raum im Keller und beten dort. Das Frühstück folgt und nach meinem Rührei schaue ich lieber nach den slawischen PilgInnen an den Nachbartischen, als mir nachzunehmen. Der Kaffee ist liebevoll mit Nescafétüten und heißem Wasser zu bereiten, das reicht aber, wenn man ein Pilger ist. Wer fünf Sterne will, muß in den Himmel schauen🙂
Mit dem Bus geht es über die Grenze, hinein nach Jerusalem. Der palistinensische Posten tippt auf seinem Smartophe, die israelischen Posten flirten miteinander, unser Bus ist uninteressant. Besser so, als anders. Mir fällt immer auf, wie unglaublich jung die Mädels und Jungs mit den automatischen Waffen sind. Oh tempora oh mores.
Wir holen Yossi in Ramat Rachel ab und fahren zum Jerusalem-Begrüßungsplatz. Es ist eine Stelle mit wunderbarem Blick auf die Altstadt. Yossi kommt immer mit uns her. Es ist die Heilige Stadt, hier fing es an, von hier ging das Christentum aus, hier stand der jüdische Tempel. Ich weiß auch nicht, aber ich hab Tränen in den Augen, Angelika auch. Yossi muss gar nicht viel sagen. Wunderbar leuchtet der Felsendom, die Kuppeln der Magalenenkirche, hell glänzt der Marmor der jüdischen Gräber des Ölbergs. Es ist schon eine besondere Konzentration.
Weiter geht es zur Altstadt. Es ist im Schatten noch angenehm kühl, in der Sonne schön warm, die Sonne glänzt von einem wolkenlosen, blauen Himmel, es bleibt nichts zu wünschen. Wir fahren bis zum Stephans- oder Löwentor. Dort stürzen wir uns in den Orient, in das Getümmel aus Pilgergruppen, Andenkenverkäufern, Arabern und Israelis. Es geht zum Bethestateich. Hier steht die St.Annakirche, die Kirche der Mutter von Maria. Yossi sucht uns ein stilles und schattiges Plätzchen. Pfarrer Cziba liest uns die passende Bibelstelle aus dem Johannesevangelium vor. Richtig gut wird aber erst die Auslegung der Stelle von Yossi. Wie tiefgründig und humorvoll der Jung ist, ist erneut sehr beeindruckend. Er deutet die Stelle aus der jüdischen Religion und erklärt, warum nicht die Heilung eines Kranken am Shabbat die Juden ärgert, sonderm, dass der den Kranken wegschickt. Dann gehen wir in die Annakirche, hier ist gerade frei und wir singen drei Strophen von Großer Gott wir loben Dich. Das nutzt die Akkustik wunderbar aus und es klingt gut. Die Krypta ist wieder so eine Stelle „genau hier war es“, nämlich die Stelle wo die Mutter Mariens geboren wurde – jedoch steckt dieser Glaube von Generationen in den Wänden und im Boden. Hier wurde das geglaubt und es ist dann irrelevant, dass Anna wohl eher in Nazareth geboren wurde. Beim vierten Israelbesuch geht das schon gut ins Herz und in den Kopf. Es ist nicht wichtig, ob es hier war. Hier wurde und wird es geglaubt und das stellt die Verbindung zwischen Mensch und Himmel her, denke ich.
Wir gehen weiter zum Ecce-Homo bzw. Lithostrotos:
„Auf diese Worte hin ließ Pilatus Jesus herausführen und er setzte sich auf den Richterstuhl an dem Platz, der Lithostrotos, auf Hebräisch Gabbata, heißt.“
Hier gibt es Ausgrabungen und man sieht das römische Pflaster mit Querrillen, um dem Stein mehr Rutschfestigkeit (für Pferdehufe) zu geben. Yossi zeigt uns auch die römischen Ritzungen in den Steinen, wo gelangweilte Soldaten Mühle und Dame spielten, daneben ist gleich der Skorpion, das Zeichen der 10.ten Legion, einer Elitetruppe aus Germanien (ausgerechnet). Wenn Jesus eine Straße langging, dann wohl diese, sagt Yossi UND, eine gute Stelle für ein „Vater unser“, fügt er hinzu. Besonders berührt mich, dass Yossi als Kenner der drei Buchreligionen, die alle drei ihre Heiligtümer hier haben, das „Vater unser“ mitbetet.
Wir eilen uns nun, damit wir pünktlich an der Geisselungskapelle sind, hier ist wieder ein Stück der alten römischen Straße im Fußboden und wir feiern hier unseren heutigen Gottesdienst. Wir können uns hier nah um den Altar stellen und wir sind enger zusammen. Es ist intensiver so, eindringlicher und berührend wird es, als wir eine alte Flittarderin mit in die Gebete einschließen, die in diesen Minuten zu Hause beerdigt wird.
In unseren Gottesdienst klingen die Rufe des Muezins zum Mittagsgebet und kurz darauf läuten die Glocken einer christlichen Kirche das Mittagsgeläut. Ich glaube ja, dass das Absicht ist, dass hier DIE drei Religionen aufeianderstoßen. Es heißt doch sicher: Kinder, spielt zusammen, zankt euch nicht, einigt euch friedlich. Und im Kleinen klappt das hier doch eigentlich schon ganz gut.

Nach dem Gottesdienst gehts zurück zum Bus. Wir fahren nach Bethlehem. Hier kommt jetzt das besondere einer Pilgerreise, die Kombination von „Heiligkeit“ und Genuss. Es geht zu einem arabischen Restaurant, an das ich die denkbar schlechtesten Erinnerungen habe. 2011 hatte mich der Riesen-Magen-Darm-Driss erwischt, der damals fast die ganze Gruppe niederstreckte. So entging mir damals ein leckeres Glanzlicht, welches ich nun gedenke nachzuholen. Ich jubel innerlich, als ein schwer beladener Kellener kommt und das ganze Tablett nur für unseren Tisch ist. Von den folgenden Minuten schweige ich und erzähle auch nicht, wer … Böschungswinkel, Fleisch, Arak, Kaffee … Ich wars nicht🙂
Der Bus bringt uns ins Parkhaus, wir springen raus und es geht zu Fuß in die Geburtskirche. Die Architektur ist ähnlich zusammengestückelt, wie die Grabeskirche und schon ohne Geburtsgrotte ein toller Raum, den Mensch mal gerne mit Stativ und in Ruhe ablichten möchte. Wir stellen uns aber artig in die lange Schlange, die vor der Geburtsgrotte ansteht. Es drängelt sich doch recht dicht, aber es gelingt uns sehr klug, die Christen aus Malaysia zu überzeugen, dass wir es jetzt christlich anders machen wollen und es klappt prima. Sie ziehen ihre Speerspitzen zurück und wir kommen geschlossen in die Grotte. Sind doch alles ChristInnen hier, geht doch!
Die Grotte ist klein und eng und es bleibt nicht viel Zeit an dem vierzehnstrahligem Stern, der „genau da liegt, wo Jesus geboren wurde“ – es reicht für eine Kniebeuge und schon will man angesichts der langen Schlange lieber weichen. Es reicht für einen Blick auf die Krippengrotte und wir steigen aus der Tiefe wieder hoch in die Basilika. Nach weiteren Grotten, Kapellen und Kirchen kehren wir in die Sonne zurück und gehen nun durch die Altsatdt von Bethlehem. Nächste Station ist das Kinderheim mit dem die Flittarder Israel-Pilger eine lange Tradition verbindet. Hier wohnen kleine Knirpse zwischen Null und Sechs mit Schwestern, die sich kümmern. Während die Frauen zur Säuglingsstation geführt werden, bleibe ich bei den kleinen Arabern, die quietschen vor Vergnügen, als sie sehen, das Bilder, die ich von ihnen mache auf dem Kameramonitor zu sehen sind. Einem kleinen dunklem Araber mit prächtigen Locken, versuche ich Hochrufe auf den FC beizubringen, aber einfacher ist ein Jubel auf den Schützenkönig 2030/2031. Das Hochreißen der Arme finden die Knirpse echt klasse und ich denke, wenn es den Aufnahmeantrag auf arabisch gäbe, hätten wir hier ein paar echte Schützenbrüder in spé.
Meine Gruppe ist lang weg, da sie wohl den Hinterausgang genommen haben und ich nehme die Beine in die Hand, da der, der zu spät kommt auf einem Bein stehend vor dem Bus singen muss. Es klappt. Ich muss nicht singen.
Der Tag endet mit dem Kaufrausch, der in der Kooperative der christlichen Araber gegenüber des Hotels stattfindet. Hier wechseln Kreuze, Ikonen, Krippen und eine Menge original Olivenholz aus Bethlehem (jaja) die Besitzerin. Ich erstehe eine kleine Auswahl an Kreuzen, die wir bei der Konfirmation an Palmsonntag weiterschenken möchten.
Michael und ich sparen uns das Abendessen, wir sind noch nicht hungrig, ein Taybeh Beer reicht uns. Eine nette Runde in der Lobby nutze ich zum Bloggen. Die Müdigkeit treibt uns früh ins Bett. Morgen geht es auch schon um 6 Uhr weiter. Das ist 5 Uhr bei euch.

Und sonst?

  • Angelika hat nichts mehr von ihrem Schatz gehört! Wehe Du schreibst das, hat sie gesagt.
  • Danke an M. Mit herzlichen Grüßen seines Zwillingsbruders.
  • Grüße zurück an Elke, Tante hat sich sehr sehr gefreut. Wir hätten Dich gern dabei gehabt!
  • Grüße an Ingrid L. Du bist ein treuer Fan!
  • Grüße zurück an Gika. Okay, dann kaufe ich keine Krippe
  • DbmbsslSp

Schluss jetzt, der Geburtstagsarak steht vor mir. Danke Gisela.
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Das Programm für morgen:

3. Dienstag, 12.03.2013
Hl. Messe 7.30 Uhr Geburtsgrotte
Frühstück und verladen des Gepäcks
Fahrt zum Wadi Kelt – Besichtigung des Georgsklosters
fahrt durch das Jordantal nach Beth Schean zur Besichtigung. Fortsetzung der Fahrt zum See Genezareth. Abendessen und Übernachtung im Pilgerhaus Tabgha.

Über Florian Seiffert

http://www.seiffert.net
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Eine Antwort zu Montag 11.03.2013 – Tag #2: Bethlehem

  1. Reimund Oehlke schreibt:

    Hallo an alle Pilger aus Flittard und Lev.

    Nach einigem suchen im Netz habe ich nun doch endlich die richtige Seite gefunden. Die Reiseberichte sind wieder mal ausgezeichnet. Beim Lesen der Berichte bin ich teilweise so in Gedanken bei euch, das ich manchmal das Gefühl habe selbst dabei zu sein. Vielen Dank an Florian für die tägl. Mühe uns an mit den Berichten und Foto’s gewissermaßen an der Reise teilnehmen zu lassen.

    Ganz Liebe Grüße an meinen „lieben Schatz“ Angelika und an alle anderen Teilnehmer der Pilgerfahrt.

    Ganz besondere Grüße auch an Yossi und Jamil, von denen ich schon sooo viel gehört habe, die zwei jedoch leider noch nicht kennenlernen durfte. Schick doch mal ein Foto von den beiden.

    Reimund

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