Dienstag 12.03.2013 – Tag #3: Runter nach Galiläa

Ich wache um 4:20 Uhr auf. Das ist entschieden zu früh, finde ich. Aber der Muezin ist sowas von laut, dass ich einfach nicht mehr schlafen kann. Um 6 Uhr ist die Laudes, ich bin noch reichlich müde. Das Frühstück übergehen wir. Heute müssen die Koffer in den Bus, was bis 7:30 Uhr erledigt ist. Wir sind heute so früh, weil wir heilige Messe in der Geburtskirche in Bethlehem haben und anders als sonst, muss man hier pünktlich sein. Wir sind pünktlich und bekommen den Archivraum des Heiligen Hyronimus, der jetzt natürlich kein Archiv mehr ist, sondern eine kleine Kapelle zugewiesen. Der Heilige Hyronimus hat die heute noch gültige lateinische Fassung der heiligen Schrift, die Vulgata, aus der grieschischen und aramäischen Urfassung erzeugt. Dabei saß er, der Überlieferung nach, in der Nachbargrotte und in unserer Grotte lagerten die Unterlagen. Klar, dass mit das als Hobbybibliothekar gut gefällt. Michael feiert eine einfühlsame heilige Messe, auf den Ort und unsere Situation genau abgestimmt, so wie immer. Ich darf mit Kommunion austeilen, was mir gut gefällt, weil mein Vater das auch einst tat und davon immer gern gesprochen hatte. So Daddy, es steht 1:1😉
Ich denke, dass ich in der Geburtsgrotte ob der frühen Stunde vielleicht noch einen Moment der Ruhe bekommen kann, aber die grieschisch-orthodoxen Kollegen feiern dort Gottesdienst. Okay, war auch eine etwas optimistische Annahme.
Es geht zurück zum Bus und raus aus Bethlehem. Wir holen Yossi ab und fahren nach Jerusalem, winden uns an der Altstadt vorbei und fahren runtern Richtung Totes Meer. Jerusalem liegt auf 800 über dem Mittelmeter, das Tote Meer 400 Meter darunter und jede 100 Höhenmeter wird es ein Grad wärmer. Wir biegen von der Hauptstraße ins Wadi Kelt ab, schlängeln uns ein schmales Sträßlein lang, halten an einem Bogen, gehen ein paar Meter durch die Felsenwüste und schauen dann auf eine enge Schlucht, wo ein Kloster eng am Felsen klebt. Das ist das Georgskloster. Ich staune. Das Wadi führt Wasser und eine antike Wasserleitung führt hier entlang nach Jericho. Die Gruppe teilt sich in die Bewegten und die Busfraktion. Angelika, Anne, Sophie, Andreas und ich machen uns auf und gehen einen sehr steilen Weg durch die Felsen runter zum Kloster. Die Bewegung tut gut nach dem tagelangen Sitzen. Wir besichtigen das Kloster, was wunderbar im Grünen, am Fels und in der Sonne liegt. Hier gibt es Blumen, kostenlose Getränke und grieschisch-orthodoxe Mönche, die einen sehr zufriedenen Eindruck machen. So gefällt mir das. Nach einer angemessenen Pause machen wir uns auf den Rückweg. Nach insgesamt einer Stunde sind wir zurück am Bus. Nun geht es nach Jericho, wo es den Berg der Versuchung abzulichten gilt (der aber doof ist) und zu einer Ausgrabungsstelle, die zeigt, das Jericho die älteste Stadt der Welt ist. Spannender finden wir aber das Mittagsrestaurant und es gibt wieder ein prächtiges arabisches Essen, welches keine Wünsche offen lässt.
Nun geht es durch die Jordansenke nach Norden. Yossi erklärt die Landschaft, die Beduinen, die Denkmale, die Wüste, Arafat und die Palistinenser, die drei Buchreligionen, die alle aus der Wüste kommen. Der nächste Halt ist in Bet She’an. Hier gibt es eine römische Ausgrabung, die sehr stark an Gerasa erinnert. Je später es wird, desto goldener wird das Licht, ziemlich klasse.
Jetzt verlassen wir die Wüste und es geht weiter aufwärts zum See Genezareth. Yossi wünscht sich, dass wir den Jordan bejubeln und das tun wir gerne. Wir umrunden den See im wunderbaren Abendlicht, golden leuchtet die Sonne über Tiberias. Yossi, stimmt „Großer Gott wir loben Dich“ an, ich staune. Er weiß, wie man die Stimmung in einem Lied ausdrückt!
Am Nordende des Sees queren wir den Jordan erneut und jubeln nochmal. Dann erreichen wir das Pilgerhaus Tabgah, sicher der schönste Fleck am See. Ich werfe mein Zeug ins Zimmer und renne runter zum Wasser. Ein süßer, üppiger Duft nach Frühling liegt in der Luft. Der See ist randvoll mit Wasser (ein Segen für Israel), Vögelschwärme kreisen in der Luft. Prächtige Bougainvillea beblühen eine riesige Wand fast vollständig. Was für ein herrlicher Moment. Das Leben ist schön. Wie gut, dass sich Jesus diese Gegend für sein öffentliches Wirken ausgesucht hat und nicht die Antarktis oder so was.
Mit Andreas nehme ich ein Bier und wir schweigen genussvoll, lustiges Geplapper am Nachbartisch. Es folgt das Abendessen, während mein armes Smartphone über 70 Bilder zur Dropbox durch die dünne Leitung quetscht. Ich schreibe meinen Blog und hoffe, dass ich fertig werde, bevor mich die Müdigkeit übermannt.

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Das Programm für morgen:

4. Mittwoch, 13.03.2013
Besichtigung von Kapharnaum, Hl. Messe in der Peterskirche, danach fahrt zum Berg der Seligpreisungen. Fahrt auf die Golanhöhen nach Banias (Jordanquellen)
Rückfahrt zum See Genezareth. Halbpension im Pilgerhaus Tabgha.

Über Florian Seiffert

http://www.seiffert.net
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2 Antworten zu Dienstag 12.03.2013 – Tag #3: Runter nach Galiläa

  1. Reimund Oehlke schreibt:

    Hallo Ihr Israel Reisende.

    Jaaaa… davon habe ich schon viel gehört. Das Pilgerhaus in Tabgha soll einer der schönsten Plätze auf Erden sein. Meine Frau Angelika schwärmt oft von der unglaublichen Atmosphäre und der Stille am Ufer des See Genezareth. Die Übernachtungen in Tabgha – Für meine Frau sicher einer der Höhepunkte der Reise.
    Genießt die Zeit und die Stille an diesem aussergewöhnlichen Ort der Welt. Das wünsche ich euch allen von ganzem Herzen,

    Schöne Grüße aus Leverkusen an alle.

    Reimund

  2. Elke Junior schreibt:

    Hallo Ihr Israel-Pilger,

    schöne Grüße aus dem inzwischen sonnigen, aber verschneiten und kalten Köln (heute morgen waren es laut Frühstücksfernsehen -11 Grad!!!). Ich nutze gerade meine Mittagspause, um den Blog zu lesen. Ich wäre gern mit Euch zum Georgskloster hinunter gegangen. Im November sind wir nicht ganz hinuntergegangen, weil Martin und ich schon von weitem die verschlossene Tür und andere, die unverrichteter Dinge umdrehen mussten, gesehen haben. Ich weiß nicht, welche Ausgrabungsstelle Ihr in Jericho besichtigt habe, bei meiner ersten Pilgerreise 1993 haben wir den Hisham-Palast besichtigt, den ich gern noch einmal sehen würde. Ich wünsche Euch weiterhin eine tolle Reise, ganz liebe Grüße an alle und auch an die Klippdachse🙂 Sagt ihnen, sie sollen schon mal tüchtig ein Geburtstagsständchen für mich üben, denn wenn alles gut geht, kann ich mit einer Gruppe aus Leverkusen im November ins Hl. Land pilgern. Alaaf bringen wir ihnen dann am 11.11. (meinem Geburtstag) dann auch noch bei🙂

    Liebe Grüße, Elke

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