Dienstag 19.03.2013 – Tag #10: Meine Seele preist die Größe des Herrn.

Der Jerusalemer Berufsverkehr ist mörderisch, aber Jamil fährt uns ruhig und sicher da durch. Am meisten wundert, dass nicht gehupt wird und wie gelassen alle bleiben. Statt der Hupe wird gewunken, so, als ob man einen Nachbarn vom anderen Ende der Straße grüßt.
Wir kommen gut nach En Karem. Von hier stammt das wunderbare Magnificat: „Meine Seele preist die Größe des Herrn, und mein Geist jubelt über Gott, meinen Retter… “ Hier traf (der Überlieferung nach, wisst ihr schon, wie man das sehen muss) die schwangere Maria ihre schwangere Cousine Elisabeth und bei der Begrüßung fallen diese berühmten Sätze, die im Abendgebet der Kirche jeden Tag gebetet werden.
Nach Laudes und Frühstück (mit frischem Omelett, wisst ihr auch schon – diesmal hat es also geklappt) sind wir also nun zum Gottesdienst in En Karem. Zur Kirche geht’s ein Stück zu Fuß den Berg hinauf und unsere heutige Lektorin Angelika betet mit uns den Rosenkranz. Gut macht sie das. Oben in der Kirche feiern wir Gottesdienst, wie immer macht Michael das sehr gut und einfühlsam. Natürlich geht es um Maria, die die schwierige Aufgabe, die Gott ihr stellte annahm.
Wir steigen wieder runter vom Berg und jenseits ein Stück wieder hoch, denn hier ist die Geburtskirche von Johannes dem Täufer (Ü…iws). Hier beten wir das Benedictus, welches in mehreren Sprachen an die Wand grkachelt ist. Die Kirche ist in spanischem Stil und hat unten die Geburtsgrotte.
Es geht zurück zum Bus und weiter zum Israel-Museum. Yossi erklärt an dem Modell von Jerusalem die letzten Tage Jesu. Vom Ölberg aus hatte er das schon gemacht, hier wird es vertieft. Wir bekommen nun frei und ich schaue mir ausführlich die Ausstellung über die Qumran-Rollen an. Ein Stück der Jesajarolle ist im Original zu sehen. Ich staune, wie akurat der Schreiber mit Tinte auf Pergament schreiben konnte. Schade, dass ich das Hebräisch nicht lesen kann.
Yossi hat uns die neue Ausstellung über Herodes den Großen empfohlen und ich stelle mich an. Nach wenigen Minuten darf ich rein und staune über die schönen Stücke. Besonders gut sind Videoanimationen, die virtuell Paläste, Theater und Gebäude wieder hergestellt. Top1 ist die Darstellung des Palastes von Masada.
In der „leichten Cafeteria“ nehme ich ein Avocado-Sandwich und schaue mir dann noch moderne Kunst auf dem Gelände an.
Nun geht es nach Yad Vashem. Ich ziehe mein Kettenhemd an und setze den Helm auf. Yad Vashem ist schwer und kaum zum aushalten.
Yossi führt gut in das Thema ein, es geht um Erinnern, um das Nichtvergessen. Es geht nicht um Hass oder Rache. Es geht um die Zukunft und dass solch ein Massenmord nie mehr vorkommt. Ein kleiner Schwenk zu Syrien (niemand darf sagen, er hätte es nicht gewusst), dem Wunsch einiger Nachbarn nach der Vernichtung Israels fehlt nicht. Gut gefällt mir, dass Yossi einräumt, dass er auch nicht weiß, wie das Problem zu lösen ist.
Die Ausstellung zerquetscht mir das Herz, raubt mir die Worte, treibt mir mehrfach die Tränen in die Augen. Es ist so furchtbar und für mich als Deutschen ganz besonders schwer. Als ich den Tunnel verlasse und ans Licht komme, suche ich kurz die ewige Flamme auf und gehe dann die Allee der „Gerechten unter den Völkern“. Das geht gut, bis ich zu dem Eisenbahnwagon komme, der auf einem Brückenstück über die Bäume ragt. Ganz erschreckend schlicht steht da „Deutsche Reichsbahn München“ drauf. Ich wende mich nun zurück und stelle mich bei der Gedächtnisstätte für die ermordeten Kinder an. Diese ist zwar richtig heftig, aber auch tröstlich. In völliger Dunkelheit werden durch Mehrfach-Spiegel Kerzenflammen bis in die Unendlichkeit reflektiert, dazu werden die Namen der Kinder mit Alter und Nation vorgelesen. Nach fünf gefühlt polnischen Namen hat mich der Strom nach draußen geschoben. Eine große Menge Menschen steht am Ausgang und niemand sagt ein Wort. Still gehe ich zum Bus. Durch den dichten Berufsverkehr geht’s nun zum Damaskustor, das Paulushaus liegt gleich gegenüber. Schnell habe ich meinen Schlüssel und flitze in mein Zimmer (207), werfe den Kram rein und renne weiter aufs Dach. Der Ausblick auf die Altstadt ist so sensationell, wie versprochen. So gefällt mir das.

Und sonst?

  • Danke an Jørg für das 2:0 vom FC
  • Danke an Elke fürs Mitlesen und Kommentare. Grüße von der wilden 14!
  • Dank an den Löwen von V. und S. Ja, es geht uns gut und wir genießen das gute Wetter und die heiligen Orte. CC ist joot drupp.
  • Dank an Obama. Sein Besuch hier beschert Sperren, Staus, schöne Plakate und Flaggen. Und man spürt, wie wichtig er Israel ist. Wir sind froh, dass wir den Rest zu Fuß machen können!
  • Grüße an Jørg’s Schwiegereltern, falls sie seit den Hurtigruten immer noch mitlesen!

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Das Programm für morgen:
11. Mittwoch, 20.03.2013
Fahrt zum Zionsberg zur Besichtigung der Heiligtümer. Hl. Messe in der Dormitio-Abtei.
Besuch der Davids-Zitadelle.
Halbpension und Übernachtung im Paulushaus.

Über Florian Seiffert

http://www.seiffert.net
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2 Antworten zu Dienstag 19.03.2013 – Tag #10: Meine Seele preist die Größe des Herrn.

  1. Helene Zahnen schreibt:

    Hallo,lieber Florian,hier meldet sich Jörg`s Schwiegermutter,herzlichen Dank für die Grüße aus Israel! Wieder haben Sie in Ihrer beeindruckenden Art und Weise die Pilgerfahrt in Israel dokumentiert,hat mir sehr gut gefallen!!!Wünsche Ihnen noch weiterhin so gute Eindrücke und bleibende Erinnerungen,die im Einklang für Ihr Seelenheil sind!
    Herzliche Grüße auch von meinem Mann
    Hella Z.

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