Goathland 12.07.2013

Queenwetter, falls Kaiserwetter hier so heißt. Wir brechen nach dem Frühstück auf und fahren nach Goathland, einem kleinen Kaff in den Yorkshire Moors. Wir parken zwischen weidenden Schafen und wandern runter in eine Schlucht. Hier fließt ein morig-dunkler Bach in einem Dickicht aus Eichenwald und Farnkraut. Nach kurzer Kletterpartie stürzt sich von links ein Wasserfall in den Bach. Der Mallyan Spout. Unser Weg führt weiter den Bach entlang, eine wilde Kletterei durchs Unterholz, über glitschige Steine, über Baumstämme und Urwald. Kein Wunder, wenn hier Elfen und Kobolde hausen. Einige Felsbrocken sind keltische Altäre, ich bin ganz sicher. Ein magisches Abenteuer.
Am Ende erklimmen wir die Straße. Ein Gentleman der Royal Mail macht in seinem kleinen roten Auto eine Vollbremsung, nur um zu fragen, ob wir Hilfe brauchen. Super nett. Wir brauchen keine Hilfe, der Wanderführer ist genau genug. Thanks a lot.
Über eine Weide mit neugierigen Kühen geht es aufwärts. Zwei Bullen in spé haben mehr Angst als Vaterlandsliebe und weichen, als wir auf sie zu gehen.
Durch Gatter geht es auf Feldwegen an alten Gehöften vorbei zurück zum Bach. Wir überqueren ihn auf einer Furt. Nun hoch auf die Fells, ein Hochmoor mit Heidekraut und Gras, ein paar Schafe weichen uns aus. Nach gut 3 Stunden ist eine abenteuerliche, wunderbare Wanderung zu Ende. Wir verstehen gut, warum James Herriot sich hier so wohl gefühlt hat.
Etwas angemüdet schleppen wir uns in den Garten des Hotels, welches passenderweise gleich am Parkplatz residiert. Das Teil ist ja sowas von very british, dass wir staunen, aber nur kurz. M* ordert Verpflegung, ich okkupiere einen Tisch im Schatten. Eine Kellnerin bringt Tee, ein Kellner einen Kalorien-Everest, der sich schämen muss aber nun überhaupt nichts gesundes an Bord zu haben. Ein Turm aus Baiser, Sahne, Eis und Erdbeeren. Einfach wunderbar!
Zufrieden brechen wir auf und fahren zur Goathland-Station.
Als ich klein war, hatte ich mit meinen Brüdern eine Märklin-Eisenbahn. Am Goathland-Bahnhof kann ich die Frage beantworten, warum ich heute nicht mehr damit spiele. Kleine Jungs, kleine Eisenbahn, große Jungs große Eisenbahn. Mit mir stehen 6 mittelalte Säcke auf der Fußgängerbrücke, die teure Kamera vorm Bauch und warten auf den Zug. Eine uralte Diesellok schleppt uralte Wagons in den Bahnhof, die Kameras tun ihre Pflicht, die wieder kleinen Jungs strahlen.
Kaum 10 Bilder später, fährt der Gegenzug ein, eine Dampflok. Die Freude steigert sich noch. Wunderbar. Einfach mal ein Zeitsprung von 100 Jahren in die Vergangenheit. Super.
Nun geht’s Richtung Heimat, ein Stopp beim Lidl, dann noch einer am West Cliff Beach. Wir gehen zur Erfrischung mit den Füßen ins Wasser, aber es ist sau-sau-kalt. Ich wage die Prognose, sogar für die Schwiegermutter zu kalt, aber M* schüttelt den Kopf, nä auf Sylt sei es auch nicht wärmer und das hätte die Gute auch nie aufgehalten. Na sowas.
Ich stopfe meine blauen und gefühllosen Füsse in Socken und Schuhe und bin froh, dass wir unfallfrei zum Cowbar Cottage 18 kommen.

Zum Abend  verkündet die BBC im Radio, dass es morgen ‚very hot‘ würde, bis zu 25 Grad. Das sind die Yorkshire Dales!
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Über Florian Seiffert

http://www.seiffert.net
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