Dentist 15.07.2013

Ich gehe nicht gerne zum Arzt und ich habe sehr gute Zähne. Heute nützt mir das alles nichts. 
Seit Tagen klopft immer mal wieder der kleine Zahnschmerz unten im Kiefer an und all das dran vorbei konzentrieren nützt nichts mehr. Gestern waren es vier Aspirin, aber nicht die echten, sondern die von ‚gute Besserung‘ – meinem Vater wären die nicht untergekommen.
Gestern hatte ich beschlossen, dass heute mal der Dentist den Urlaub retten und den Schmerztablettenkonsum beenden soll. M* als General Managerin, will sich früh für mich ans Telefon hängen.

Als ich aufwache ist es nicht so, wie sonst. M* ist nicht da. Ein Zettel sagt, bin im Dorf telefonieren. Als sie wiederkommt,  berichtet sie. Sie hat bei drei Zahnärzten angerufen. Keiner wollte neue Patienten annehmen. Ich bin aber doch ein Notfall, kein Patient. Egal, die nehmen mich nicht.
Die letzte Dame riet zum National Health Care. Der Anruf schlägt fehl, weil die internationale Gespräche nicht annehmen und ein Anruf mit deutschem Handy ist sowas. M*, sehr clever, ruft nun Mike unseren Vermieter an. Der Jung (60 Jahre) ist ganz eifrig und ruft für M* nun beim Health Care an. Aber auch das klappt nicht, weil man da als Patient nur selbst anrufen darf. Und dass die M* zurückrufen geht auch nicht, weil die internationale Nummern nicht anrufen können (hat sich sicher ein großer Sparmops ausgedacht). M* läuft also, wie gesagt, heldenhaft ins Dorf runter und telefoniert von der Telefonzelle aus, die dem Royal George gleich gegenüber liegt. Immerhin kann die Schlaue mit dem Royal-George-WiFi nebenbei zwei Stadtanzünder runterladen. Der Health Care gibt nun die Nummer eines Zahnarztes heraus, da soll was gehen.

Als M* zurück ist, gibt es einmal Frühstück und für den Angeschmerzten nur Wasser, alles andere geht nicht.
Dann wird der Zahnarzt angerufen, der dann doch einen Termin schon am Mittwoch hat. M* unterstreicht die Dringlichkeit, nö, nix zu machen. Er rät noch das Krankenhaus in Whitby anzurufen.
Okay also das Krankenhaus. Nach wenigen Minuten habe ich einen Termin für 14 Uhr. Aber wir müssten bar bezahlen und es kostete 18£. A bin ich auslandskrankenversichert und B hatten wir bei $150 in New York für eine Krone mit deutlich mehr als mit 18£ gerechnet. Okay, also 14 Uhr.

Schmerzmittel verkneife ich mir, da sie auch blutverdünnend wirken. So geht der kleine Zahnschmerz etwas in meinem Kiefer spazieren. Wikinger müssen das abkönnen.
Um 14 Uhr sind wir in Whitby an der Zahnklinik. Eine Schwester lässt uns ein Formular ausfüllen. Ich kann überall No ankreuzen – sieht doch recht gesund aus. Gott sei Dank.
Dann gehts rein zu Dr. Ashley. Er wundert sich kurz über meine Dolmetscherin, die erst Fachtermini, dann Urlaubserinnerungen mit ihm austauscht.
Ein Stück der Füllung in Nr. 2 ist futsch und da ist der kleine Zahnschmerz rein. Das haben wir gleich. Eine Spritze, die ich kaum merke, vertreibt den kleinen Schmerz und es ist endlich Stille im Kiefer. Der Rest zieht sich etwas. Nett, dass mir die Schwester zwischendurch etwas Wasser zu trinken anbietet. So schaffe ich zwei Becher, bis ich fertig bin. Wir bedanken uns bei Ashley und Kollegin, war sanfte und gute Arbeit.
Als wir draußen sind, erklärt mir meine Managerin wirklich sehr gut gelaunt, dass das Wasser zum Ausspülen war und  nicht zum Trinken. Pech, ich war wirklich lange nicht beim Zahnarzt, da kann das passieren.

Wir steigen nochmal zur Abbey hoch, da meine Verwandte 25.ten Grades in London erneut ihr bestes Wetter zu uns geschickt hat. Ich mache ein paar Bilder, dann traben wir zum North Yorkshire County Council, das ist die Bibliothek und hier hats ein freies WiFi. Die Anmeldung ist schwierig, weil das Passwort per SMS geschickt wird, die bis jetzt noch nicht da ist und per EMail, die man noch nicht empfangen kann. Aber mit dem Schuppen, wo wir am Donnerstag schon waren, flanken wir auch leicht über diese Hürde.
Das Internet ist superschnell, die Bytes fliegen nur so. Schnell sind zwei Blogbeiträge hochgeladen und ALLE 103 Bilder vom Smartphone sind in der Dropbox gelandet. Klasse.
Der Hunger treibt uns nach Hause, nur ein kleiner Stopp beim Lidl, dann steht auch schon was Warmes vor mir und dazu ein Traditionally Crafted Legendary Ruby Beer.

Wie gut, dass ich bis heute gute Zähne habe und so schlecht, wie das deutsche Gesundheitswesen oft gemacht wird ist es nicht, denn Mike ruft an und fragt, ob es gut ausgegangen ist UND er entschuldigt sich für das etwas komplizierte National Health Care System hier.
Ich will aber nicht meckern, mit einer heldenhaften M* und für nur wenige Pfund ist der kleine Zahnschmerz aus Cowbar 18 wieder ausgezogen. Weitere Abenteuer können kommen.
image

Und sonst?
Ein Gruß an den Neptun von Zakyntos. Heute gelang es endlich Deinen Blog zu lesen. Gut geschrieben, weiter schönen Urlaub! Nimm mich mit ins Meer, hier ist nur ‚bin kein Tapfer‘ möglich.

Über Florian Seiffert

http://www.seiffert.net
Dieser Beitrag wurde unter Yorkshire abgelegt und mit , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s