Los Organos, Tag #4

Majestätisch lächelt der Teide auf uns herab, als wir zum Frühstück die Terrasse bevölkern. Strahlend blauer Himmel, nicht eine Wolke ist zu sehen. Nur ein leichter Dunst, so was wir Morgennebel liegt auf den kanarischen Kiefernwäldern. Wir bummeln ganz gemütlich durch unser Frühstück und warten auf die Wolken, die nicht kommen. Gut so.
Tja, wenn das Wetter so prachtvoll ist und offenbar bleiben will, dann soll es heute mal eine Wanderung werden. Nr. 5 im Wanderführer geht zu Los Organos, den „Orgelpeifen“, einer Felsformation im Orotavatal. Die Wanderung sind wir schon 2010 gegangen, aber da war es so voller Wolken, dass wir keinerlei Fernsicht hatten – da lohnte sich das Ganze nur zur Hälfte.
Heute ist Frauenfahrtag und M* fährt, ich übernehme die Navigation, was mit Smartphone und GPS keine Herausforderung ist. Wir fahren die Caldera in Aguamansa an, wo die Wanderung startet.
Vom Parkplatz hat man einen weiten Blick aufs Meer und LaPalma grüßt in der Ferne. Caldera, Cumbre Nueva und Cumbre Vieja sind gut zu sehen. Hallo LaPalma! Dich besuchen wir auch mal wieder (und nehmen dann die Mädels mit)!!
Auf einer breiten Forstpiste geht es in den prachtvollen Kiefernwald. Riesige uralte Bäume stehen hier. Grün-silbrig glänzen sie im Sonnenlicht und es riecht nach Nadeln und Wald. Bartflechten bevölkern zu Hauf die Kiefern und es verzaubert den Wald ein bisschen. Der Wald auf den Kanaren ist schon was besonderes.
Uns fällt auf, dass hier ne Menge älterer Herrschaften unterwegs sind. Wir senken das Durchschnittsalter der überwiegend deutschen Wanderer doch mächtig. Das liegt sicher am Februar – die, die hier überwintern sind sicher die älteren Semester. Wir grüßen sie alle mit einem zünftigen ¡Hola!
Meine beiden Botanikerinnen sind heute durch mangelnde Artenvielfalt in ihrem Staunen, Begutachten, Analysieren und Diskutieren eingeschränkt, was dem Tempo ja irgendwie förderlich ist. Die Fauna ist dürftig – ein Vogel mit gelbem Bauch, groß wie eine Meise ist zu schnell verschwunden. Die Flora ist einzigartig, aber Flechten, Kiefern und Farne sind schnell begrüßt und auch schon bekannt. Immerhin findet sich noch ein lila Blümelein, was den Kopf in die Sonne reckt und auch gebührend bestaunt wird.
An der Abzweigung, wo der Weg jetzt den Berg hoch führen soll, ist Schicht, ein Verbotsschild auf spanisch – so was wie „der Weg ist geschnitten“ steht da. M* hätte das nicht aufgehalten, aber mit E* riskieren wir da lieber nichts. Wir gehen die Forstpiste weiter und genießen die Blicke auf den Teide, der immer noch wolkenlos in der Sonne glänzt. Aber auch der nächste Abzweig ist gesperrt, d.h. wir kommen den Berg nicht hoch oder nur mit 10km Umweg – das ist klar zu viel für die erste Wanderung. Also drehen wir schweren Herzens um und gehen zurück. M* nimmt dann zum Ausgleich noch einen Ziegenpfad nach unten, wir wollen uns in Aguamansa treffen. E* und ich gehen gemütlich zum Parkplatz, fahren das Sträßlein runter und gabeln M* an der Straße in Aguamansa wieder auf. Alles in allem doch eine wunderbare Wanderung. Viel besser als beim ersten Mal.
Kurz bevor wir uns in Buen-Paso den Berg zur Finka runterstürzen, gilt es noch schnell an der Fruteria auf der Hauptstraße zu halten. Zur kanarischen Pilz-Nudel-Pfanne fehlt eine Zwiebel. Okay, ich halte an der Fruteria (merke auf der Rückfahrt ist heute wieder Männerfahrtag) und wundere mich, dass M* ihre Mutter fragt, ob sie mitkäme, ich aber keine Einladung bekomme auch auszusteigen. Da schwant mir schon ein bisschen was. Die Sekunden ziehen sich und das „noch schnell“ dehnt und dehnt sich. Die eine schnelle Zwiebel ist dann seltsamerweise doch ein ganzer Beutel voll Zeugs. Die mangelnde Artenvielfalt der Wanderung wurde offenbar in eine „zu wenig Flora? jetzt helfe ich mir selbst“-Früchtesammlung investiert. Na, mir soll es recht sein.
Eine Dusche, ein Stück Kuchen von gestern und das Spülen der Geschirrhalde lassen die Zeit, wie im Sturzflug vergehen und schon ist es Abendessenszeit.

Die Kanarische-Austernpilz-Sahne-Nudelpfanne ist von einer Meisterin bereitet und die Zwiebel hat in ihr einen würdigen Platz gefunden. E* und F* verneigen sich. Danke schön, sehr lecker.

Majestätisch lächelt der Teide auf uns herab, diesmal im Mondschein. Silbrig und geheimnisvoll glänzt der Schnee auf seiner Kuppe. Ich mache ein paar Bilder mit der 5D. Tag #4 ist vorbei.

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Über Florian Seiffert

http://www.seiffert.net
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2 Antworten zu Los Organos, Tag #4

  1. Hille schreibt:

    Mensch Florian, du machst mich ja sowas von Neidisch! Ich gucke aus dem Fenster und sehe lediglich die Höhen von Sohrschied, aber in der vollen Sonne – auch schön!
    Es grüßt euch drei ganz herzlich,
    die daheimgebliebene H* aus S* im Hunsrück

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