Lorbeerwald und San Andrés, Tag #5

Noch ein prachtvoller Tag liegt vor uns. Die Sonne glänzt vom polierten Himmel, die Abenteuerlust kribbelt in uns. Aber erst mal FRÜÜHHSTÜÜÜÜCK (so wie gestern).
Dann sortiert sich die Bagage zum Aufbruch, wir bevölkern den schwarzen Seat Leon und brechen auf. Da Meisterfahrtag ist, habe ich das Steuer, M* die Navigation. Wir fahren die Hauptstraße, dann die Autobahn bis San Cristóbal de La Laguna und biegen zum Anagagebirge ab. Die Straße beginnt breit und ist schließlich nur noch eine ’single track road‘. An einem Mirador (Aussichtspunkt) wurde durch die Vorsitzende der Regelkommission der Meisterfahrtag in den Meisterinnenfahrtag geändert und M* steuert, ich behalte die Nerven was auf einem schmalen Sträßlein mit Gegenverkehr schon was bedeutet – Navigation ist nicht. Es gibt die Straße und links runter das Verderben oder nach der nächsten Kehre ist rechts runter das Verderben.
Aber M* fährt gut und und sicher und der Gegenverkehr ist mal nicht auf Krawall aus. Wir erreichen unseren Parkplatz Cinobre (Tour 60) ohne Probleme. Die Aussicht bis hierher war gigantisch. Weite Blicke über Teneriffa mit dem Meer im Norden und im Süden, auf La Laguna und den Teide der über allem thront. So gute Sicht hatten wir von hier aus noch nie. Es gibt zwar Wolken, aber die runden die Sache eher ab, sie stören nicht.
Wir rödeln auf mit Rucksack, Stöcken, Wasser, Proviant und Kamera.
Wir sind dann doch schon 5m (in Worten fünf Meter) weit gekommen, da sind sich die Vorsitzende der Regelkommission und die Botanikern E* einig, dass ein Halt erforderlich ist. Es gilt einen Löwenzahnstrauch zu bewundern. Da ist doch tatsächlich ein Strauch, so ein Ast, und da quillt eine Löwenzahnpflanze raus. Okay, das ist schon ein Halt wert.
Nun geht es in den Lorbeerwald, eines der Glanzlichter auf den Kanaren. Ich erspare euch und mir die Superlative, die es dazu gibt – das könnt ihr bei Wiki und Pedia nachlesen.
Der Wald ist aber beeindruckend. Lorbeerbäume und Baumheide stehen eng zusammen und sind mit Moos und Flechten bewachsen. Der ganze Wald ist ein Sieb, um die Feuchtigkeit der Wolken aufzufangen. Der Weg ist eigentlich ein Tunnel, über uns wächst alles zusammen. Der Boden ist feucht und glitschig und wir passen auf beim Gehen. Die Sonne wirft Licht und Schatten auf den Weg, es tropf und es ist unglaublich still. Mit den nötigen botanischen Pausen (Glockenblumen, Löwenzahnsträucher, Laurus azorica, Persea indica, Apollonias barbujana, Ocotea foetens [den Rest hab‘ ich vergessen]) kommen wir im üblichen Tempo (doch langsam) voran. Nach 30 Minuten erreichen wir einen Aussichtspunkt, der den Blick vom nordöstlichsten Punkt Teneriffas auf die Insel, den Teide, sowie auf die Nord- und die Südküste und das smaragdgrüne Meer ermöglicht. Ein paar Nebelwolken ziehen vorüber, verdecken hier und da Teile der Aussicht, sind aber nach wenigen Minuten immer wieder verschwunden. E* will hier auf uns warten, denn E* hat ein bisschen (Titan)Knie und Rücken … Vorsicht ist besser als Aua!
Ja, echt in Ordnung? Ja, nun lauft mal!
Okay, wir düsen noch 30 Minuten auf dem Weg weiter, bis wir an einem weiteren Mirador wenden und zurück zu E* eilen. Das wäre schon eine coole Wanderung gewesen, die ganze Runde zu machen, aber ein Team ist ein Team, da nimmt man Rücksicht. Auch ist es erst der zweite Wandertag – nicht zu viel wollen.
Jetzt geht es langsam zurück. Da die Flora schon begrüßt und abgelichtet ist, finden ME* noch ein paar unbekannte Vögel, die zum Tee eingeladen werden – sich aber doch schwierig stellen, man singt aber wenigstens gemeinsam, tauscht Adressen aus … (datt janze zieht sich – ich bin längst beim Auto) kennt ihr aber schon.
M* und ich beraten die Rückfahrt und entscheiden uns für die extrem kurvenreiche Abfahrt nach San Andrés, die zu unseren Top10-Straßen überhaupt zählt. Das ist eine Straße, wo man einen Mustang fotografisch wirklich perfekt zur Geltung bringen könnte, ein prachtvolles Geringel von Serpentinen, Kurven, Windungen und kurzen Stücken geradeaus. Die Straße windet sich das Anaga-Gebirge runter zur Südküste in San Andrés. M* fährt gut und sicher, ich drehe ein paar Videos – Navigation ist nicht nötig. Die Sonne schickt honig-goldene Strahlen, die Konturen der Berge sind besonders hervorgehoben. Schon ein zauberhafter Anblick, der ständig wechselt.
In San Andrés geht es zum langen Sandstrand. Der Sand hier ist weiß und kommt aus der Sahara. Echt! Man hat ihn hergekarrt und aufgeschüttet. Alle Strände der Insel haben schwarzen Lavasand, der hier ist weiß.
Wir drehen eine Runde mit den Füßen im Wasser und genießen diese krasse Abwechslung. Gerade noch der immergrüne Wald des Tertiär, jetzt weißer Sand und Meer. Wir planschen eine Runde durch das doch recht warme Wasser, freuen uns an der Herrlichkeit der Schöpfung und den Strahlen der Sonne.
Über Santa Cruz de Tenerife und die Autobahn geht es zurück zur Finca, nicht ohne dem Lidl einen Ergänzungsbesuch wegen Wasser und Bier abzustatten.
An der Finca soll es schnell gehen und M* zaubert zwei Tortilla de patatas auf den Tisch. Mit Oliven und Käse danach eine perfekte Mahlzeit.
Ein wunderschöner Tag geht zu Ende – morgen müssen wir mal kürzer treten, denken wir noch kurz. Aber, wer weiß, wie es kommen wird?

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Über Florian Seiffert

http://www.seiffert.net
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4 Antworten zu Lorbeerwald und San Andrés, Tag #5

  1. optimisc schreibt:

    Wie immer sehr lesenswert geschrieben, danke. Danke auch für die verborgenen Grüße😉

  2. hodoblog schreibt:

    Hallo Ihr Lieben, Lieber Autor. Gleich vor Olympia ist dieser Blog mein Highlight des Tages. Schön geschrieben, klasse formuliert und zum Schluss immer geile Bilder (ich lieeeebe gute Bilder!). Ich denke, die Botanik der Kanaren wäre auch für mich was. Müsstest Du noch länger am Auto warten🙂
    Was macht eine – winterharte – Baumheide auf den Kanaren?
    Gruß an die Wolläuse,
    Thea*

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