Garachico, Tag #6

Ja, was soll ich sagen? Schon wieder Kaiserwetter. Das ist selten auf den Kanaren. Meist gibt es eine buntere Mischung von Wolken und Sonne. Aber Königin Teide glänzt und der silberne Schneeschild leuchtet kräftig, als ich mich auf der Terrasse einfinde, wo meine 5-Sterne-Damen schon das Frühstück bereitet haben. Der Kaffee lächelt mich an und ich bekomme noch Zeit nach der internationalen Lage bei WhatsApp und meinem Blog zu sehen. Alles super, nette Kommentare, Grüße zurück, Danke ihr Lieben – das Leben ist schön!
Die Angetraute lächelt und schenkt Kaffee nach – was kann es schöneres geben?
Das Frühstück verläuft in der üblichen hingebungsvollen Länge und wird auch noch durch eine kräftige ruhige Verlängerung fortgesetzt, die ich zum Spülen nutze. Heute ist Ruhetag – der Chef der Regelkommission, also ich, hat das angeordnet und man folgt widerspruchslos. So ist es fein.
Dann soll es aber doch noch etwas Bewegung für Knie und Rücken geben und die Kultur will ja auch auf ihre Kosten kommen. Zwei kleine Städtchen in der Nähe stehen zur Auswahl und der Chef dRK, also ich, entscheidet für Villa y Puerto de Garachico. Das ist ein kleines Stück Richtung Westen und nicht weit zu fahren.
Wir fahren ein Stück diese wunderschöne Küstenstraße lang und parken gleich am Meer. Von da ab geht es zu Fuß zum ‚centro histórico‘. Bei uns wäre das ein Dorf, eher ein Dörfchen, aber hier ist die an den Berg geklebte Ansammlung von bunten Häusern im kanarischen Stil ein Städchen mit so ca. 5000 EinwohnerInnen.
Wir durchstreifen die Gassen und Gässchen, weichen den vielen Engländerinnen aus, die hier gerade ein Bus ab gekippt hat und freuen uns an den schönen Plätzen rund um die Kirche Eremita de Santa Ana. Leider ist die Kirche zu, wir sind zu spät dran – schade, ich finde ja, dass Gotteshäuser IMMER auf haben sollen – sonst ist es doch kein Gotteshaus oder? Nun ja. Wir schauen uns den Garten und das alte Tor des Hafens an. Am 5. Mai 1706 brach hier der Montaña del Estrecho, ein Vulkan aus und mit dem wichtigen Handel von Garachico war es vorbei, das Örtchen war nicht mehr DAS Handelszentrum der Insel, der Hafen wurde von Lava geflutet und wie hoch der neue Ort heute über diesem Hafentor liegt, ist schon beeindruckend. Wie Phönix aus der Asche und wohl mit unglaublicher Zähigkeit, verteidigten die Frauen und Männer ihren Grund und Boden und bauten ihren Ort wieder auf. Finde ich super. Ein einfacher Bogen erzählt diese Geschichte.
M* und E* rennen durch den Ort – jede in ihrem Tempo, nein keine Pflanzen, neue Blicke und Eindrücke locken sie weiter und weiter. Wir treffen uns schließlich auf dem Platz vor der Kirche, wo ein Café unter schönen Bäumen auf uns wartet. Es gibt Café con leche, Café cortado, Queso blanco und Aceituna (Oliven). Sehr schön, sehr lecker. Die Musik ‚The Magic Of Boney M‘, die wenig zurückhaltend in Endlosschleife alles umhüllt, nervt M* ein bisschen. Ich find’s gut, sie erinnert mich an wirklich tolle Fêten im elterlichen Keller des Paten – ja, das waren Zeiten!!
Wir brechen auf. Aber ein freches Vöglein bevölkert den Bordstein. Ich halte es für einen Kanarienvogel, aber die Professorinnen für die Fauna der Kanaren überstimmen mich mit 2:1. Bachstelze, kanarische Art. Sieht man doch am Gang, Mensch! Hm. Kann ich nicht sehen.
Da die Fluchtdistanz des kleinen Kanarienvogels unglaublich gering ist, bekomme ich mit dem Smartphone ein Bild hin. Das 400 Tele liegt im Pelicase und bis das draußen und aufgesetzt ist, ist es dunkel und klein Kanarienvogel schläft schon.
Wir wollen nun eigentlich zum Auto und dann zum Hafen, allein die Andenkenlädchen, die Postkartenlädchen und die Lädchen überhaupt, die auf der Promenade am Meer liegen, wollen alle von M* und E* besucht werden. Shoppen nennt man das wohl. So habe ich Zeit, den Leuchtturm Faro de la Punta de Buenavista am Horizont abzulichten und mal in Ruhe auf die vielen Touris zu schauen, die hier vorbeiziehen – eine sehr bunte Mischung. Ich bin noch nicht so ganz fertig mit dem Schauen und dem genau Hinschauen, sind die Damen schon wieder da, haben fast nichts gekauft außer ein paar Avocado für morgen. Aber schön war’s. Super. So soll es sein.
Nun geht es dann doch zum Auto und weiter zum Hafen, der so neu aussieht, als sei er gestern erst fertig geworden. Wenige Fischerboote und viele Yachten liegen hier. Wir setzen uns auf ein paar dicke Steine und schauen auf das Wasser. Die Damen analysieren die Fische und erstellen eine Klassifikation von Aberfisch („der ist Aber groß“) bis Z, wie Zebrafisch (ein Fisch mit Querstreifen). Ich schaue lieber nach den riesigen Krabben, die hier überall herum klettern. Ich mache ein Video von so einem Vieh, dass von einem Felsen zum nächsten springt – schon klasse. Und das auf so wirklich glitschigen Felsen. Echt super! Wie machen die das? Acht Beine und zwei Scheren und gehen rückwärts und wissen irgendwie, wie das zu machen ist, nicht ins Meer zu plumpsen und sicher zu landen. Und der Felsen ist voll schräg, schon fast senkrecht und sehr sehr glitschig durch die Algen. Respekt!
Als Abendessen wäre die Krabbe ja was gewesen, aber wer so springen kann, ist auch schwer zu fangen.
Ich hole das Auto und lade die Damen am Hafen ein, dann geht es zurück.
M* zaubert Reis mit gebratenen kanarischen Gemüse mit Mojo cilantro und Mojo canaria auf die Teller. Sanft lächelt Mutter Teide auf unser Mahl, so soll ein Essen hier sein! Sogar Kerzenschein gibt es heute. Das Leben ist schön!

Und sonst?

  • Olympia? Wir bekommen nichts mit. Es fehlt uns auch nicht.
  • Wellen und Wogen des Pfarrgemeinderates erreichen mich – das ficht mich heute nicht an. Das gefällt mir.
  • Der Sternenhimmel hier ist grandios, wenn der Vollmond nicht wäre. Aber wir sehen den Orion hoch über dem Teide, den Jupiter im Sternbild Zwillinge und den Mond im Sternbild Krebs. Wir hoffen auf das Ende des Urlaubs, wo Neumond herrscht und wir sicher viel mehr sehen und entdecken können. Ich habe den Damen eine Nacht auf dem Teide vorgeschlagen, aber sie haben geschaut als ob ich gesagt hätte ein Kölsch auf ex trinken – weiß garnicht, was die haben😉

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Über Florian Seiffert

http://www.seiffert.net
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2 Antworten zu Garachico, Tag #6

  1. hodoblog schreibt:

    Hat sich E* nicht benommen und musste in der Küche speisen? Ich zähle nur zwei Teller….

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