San Juan de la Rambla und Barranco de Ruiz, Tag #10

Königin Teide ist wieder da. Sie hat sich einen weißen Mantel über gezogen, aber sie ist es, sie leuchtet in strahlender Pracht auf unser Frühstück. Die Sonne lacht, der Himmel ist blau, es ist schon eine Freude. Viel neuer Schnee ist auf dem dem Gipfel zu sehen, die letzten zwei Tage, muss es da oben gut zur Sache gegangen sein. Natürlich stört das die Gemütlichkeit nicht und die gebotene Länge einer so wichtigen Mahlzeit wird eingehalten. Wir können wieder auf der Terrasse frühstücken, das ist doch super.
Dann rüsten wir sanft zum Aufbruch. M* schlägt eine Wanderung von San Juan de la Rambla, die Küste entlang vor und dann evtl. den Barranco de Ruiz hoch, aber nur ein Stück, also nur soweit wir wollen. Der Plan findet Zustimmung. Bis San Juan ist es nicht weit, nach 10 Minuten auf der Los Realejos (TF-5), unserer schönen Küstenstraße, braucht es nur und schon sind wir da. Ich zwänge mich in eine enge Parklücke und schon geht es los. Wir freuen uns erst mal an dem hübschen Örtchen und wandern die Straße nach Las Aguas. Blau, wie ertrunkene Veilchen, donnert hier das Meer auf die Steilküste und die sehr kurzen Kies- und Felsstrände, ein ohrenbetäubender Lärm – der aber nicht unangenehm ist. E* holt all die Bilder nach, die sie gestern wegen des leeren Akkus nicht machen konnte. Wir wandern nun die Küste entlang so 20-50 Meter über dem Meeresspiegel. Die Sonne scheint, Himmel und Meer sind strahlend blau, der Weg ist gut zu gehen und kein Problem. Die Vegetation hält die Botanikcrew nicht so besonders auf, auch die Fotoabteilung gibt keinen Grund zur Klage.
Wir erreichen die nächsten Häuser und wenden uns nun vom Meer weg und den Weg hinauf zur Küstenstraße. Hier gibt es eine bessere Frittenbude, die wir ignorieren, denn es gilt den Barranco de Ruiz zu bestaunen, der in fantastischem Grün und urgewaltig vor uns liegt. Eine Treppe und ein schmaler Weg bringt uns auf halber Höhe der Felswand in den Barranco. Man sieht so 8 bis 10 Schichten von Vulkanausbrüchen übereinander, das Wasser hat sie alle wieder freigelegt. Zwischendurch immer wieder Auswaschungen alter Prallhänge, hier haben die Elemente ihre Spuren in Lava und Fels hinterlassen. Auch die Vegetation ist neu, wieder anders, als an der Küste. Wir bleiben hier und da stehen und staunen gemeinsam. Nach 2km ist Schluss, E* will nicht die steile Felswand erklimmen, ich muss auch nicht, nur M* möchte noch mal hinter die nächste Kurve schauen. Okay. FE** gehen zurück und warten unten, M* kommt dann nach.
Als wir unten sind, denken wir so: Hm, wenn wir schonmal hier sind, können wir auch ne Kleinigkeit essen und einen Kaffee trinken. Super Idee. Och, da ist ja auch diese große Frittenbude, wie praktisch. Mit einer diebischen Freude, die wir uns so nicht recht erklären können, bevölkern Schwiegermutter und ich einen Tisch und bestellen Café con leche, Café cortado, Queso a la plancha und Champinones al Ajillo. Die Café sind schon da, das Essen noch nicht, als M* aus dem Barranco auftaucht, die diebische Freude wird zu gemeinsamen Freude und wir sitzen zusammen und M* bestellt sich noch Albondigas. Albondigas sind Fleischklößchen, die mit Soße und Fritten kommen – und die eigentlich immer mein Essen in der Orinoco-Bar in Puerto Naos auf LaPalma waren. Mein Queso a la plancha ist gut, die Albondigas sind besser. Die Champignons von E* sind mit gefühlt einer halben Knolle Knoblauch verziert. Sie kommen noch kochend und flambiert. Wir essen – eigentlich schmausen – zusammen und sind erstaunt, dass diese ‚Frittenbude‘ doch eigentlich ein echt leckerer Schuppen ist. Wer hätte das gedacht? Ohne unsere alte Freundinnen Babs, Hille und Gina, die unsere Nasen für das Gute am Weg schärften, wäre uns dieses Gedicht hier wohl entgangen. Der Schuppen bekommt am Abend jedenfalls drei von drei der ‚Was war das Beste heute‘-Punkte.
Die Sonne ist schon etwas goldener, die Strahlen schräger, das Licht erinnert an Hurtigruten und wir machen uns, noch glücklicher, als wir sowieso schon waren auf den Weg zurück. Ich eile etwas voraus und holte das Auto von San Juan de la Rambla nach Las Aguas. Hier sitzen die Damen schon und schauen auf das Meer, die Brecher, die Gischt, das hübsche Örtchen und die Küste entlang bis Puerto Cruz. Noch ein paar Bilder und nach einer kleinen Pause geht es noch zum SuperDino – die Damen ergänzen Vorräte. Dann aber ab nach Hause.
Majestätisch leuchtet Königin Teide im Abendlicht. Noch schöner und charakteristischer, als heute früh. Ich baue mein Zeitrafferequipment auf und nehme eine Dusche, dann ein Bier und sitze staunend vor diesem alpinen Schauspiel. Alpenglühen ohne Alpen an Spaniens höchstem Berg. Wunderbar. Das Leben ist schon schön!
M* zaubert den Rest der Suppe von gestern und neues Gemüse an Reis mit Mojo auf die Teller. Und was soll ich sagen: Schon wieder sehr lecker. F* spült dafür.
Pläne für morgen werden kurz erwogen. Mal sehen, wie es kommt. Evtl. wird es San Cristóbal de La Laguna. Da hat es einen Markt und E* braucht neue Schuhe, die Wanderschuhe lösen sich vorne auf – na, das geht doch nicht.
Ich lasse mich noch von der schlauen Schwester über Stickstoff- und Eisenmangel unterrichten, damit ich als Lehrling der Botanik mal ein bisschen Mitreden und für Eindruck sorgen kann.

Teide am Morgen

Teide am Morgen

Küsten und Las Aguas

Küsten und Las Aguas

Wanderweg

Wanderweg

Barranco de Ruiz

Barranco de Ruiz

Queso a la Plancha

Queso a la Plancha

Blatt mit Stickstoffmangel

Blatt mit Stickstoffmangel

Teide am Abend

Teide am Abend

Über Florian Seiffert

http://www.seiffert.net
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4 Antworten zu San Juan de la Rambla und Barranco de Ruiz, Tag #10

  1. Saran schreibt:

    Das sieht echt schön aus! Mal schauen mit was für Gegenbildern ich bald kommen kann wenn’s auf die große Reise geht😉

  2. hodoblog schreibt:

    Schön! Da kann man schon neidisch werden. Schönen Resturlaub! T* aus K* mit Grüßen von H* und den Haien, die haben gewonnen :- )

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