El Pris und Mesa del Mar, Tag #14

Ans Meer? Nee lieber in den Botanischen Garten von Puerto Cruz. Es wogt ein wenig hin und her beim Frühstück, welches wegen des Dunstes und der Temperatur drinnen stattfinden muss. M* hat sich den Vorsitz der Regelkommission ergattert – er hätte da brach rumgelegen. (Hat er nicht!) Gegen die Regelkommission ist schwer anzukommen. (Aber es geht!) Tja, wenn nun alles nichts mehr hilft, muss ich den Ehevertrag §14 ziehen. Es gibt zwar noch ein paar Einwände, aber gegen §14 kommen die zwei Sterne nicht an. Heute geht es ans Meer und der Botanische Garten kommt auf die Liste nach ganz oben. Hand drauf? Okeee.
(Jetzt mal unter uns, ich finde Botanische Gärten gar nicht so furchtbar, wie alle hier zu glauben scheinen – E* und M* in jedem Fall – ich bin nur in der Aufnahme einfach viel schneller. Während die Damen noch jedes Blatt begrüßen, habe ich schon das Gesamtwerk in mich aufgenommen. Leben im Augenblick halt. So einfach ist das. Kein Wunder, dass ich mit Botanik und Botanischen Gärten einfach viel schneller fertig bin.)

Das Fischerdorf, welches Diego ausgewählt hat, ist El Pris und es ist so was von abgeschmockt, ihr glaubt es nicht. Kein einziger Touri weit und breit, nicht mal ein kleiner Russe. Kein deutscher Rentner mit Frau. Nix, gar nix. Wir sind die Einzigen. E* sagt, es sei ja ein bisschen überlaufen hier. Ich erstarre. Nein, sie lächelt. Sie hat einen Witz gemacht. Wow, der Urlaub scheint ihr gut zu tun. Prima weiter so.
Wir sehen uns um. Etwas bröckelig hier, etwas abblätternde Farbe da. Einfach wunderprächtig. Der Hammer ist natürlich das Meer. Es ist nicht mehr der Kaventsmannseegang, aber immer noch sehr gut. Wenn es hier eine Flagge gäbe (der Wind hat sie schon lang abgerissen), wäre sie rot. Baden verboten. Trotzdem ist eine alte Damen im Meerwasserschwimmbecken, welches von den Brechern mit reichlich Frischwasser und Gischt versorgt wird. Chapeau!
Wir gehen durch den Ort (das ist wirklich schnell erledigt), ich wundere mich auch nicht über die zwei offenen Bars und die fehlenden Geschäfte – das ist in vielen Orten hier so. M* sagt, die Arbeitslosigkeit auf Tenerife liege bei 33%. Oh je, das ist heftig. Gibt es einen Zusammenhang zu den Bars? Keine Ahnung. Der Reiseführer nennt sowas „pittoresk“.
Wir gehen einen schmalen Pfad am Fels lang. Unter uns tost das blaugrüne Meer. Super. Die Stangen, die die Sicherungsseile halten sind schief, verbogen, abgerissen. Was müssen hier für Kräfte wirken, die diese Stahlteile so zurichten? Respekt dem Meer gegenüber schadet nichts und zu übermütig bauen, kann sich rächen. Aber nicht heute.
Wir erreichen den Strand, nicht ohne über einen vom Meer zerschlagenen Betonstreifen zu klettern, der mit einem Zaun gesichert ist. In Deutschland hätte es eine Absperrung gegeben – hier nicht (vielleicht ist sie aber auch schon weggespült). Wo uns keiner aufhält, klettern wir drüber. Über den Kiesstrand geht es nun weiter die Küste lang, dann auf einem Eierkartonweg nach oben und zur nächsten Bucht.
Ich preise ein paar total seltene endemische Pflanzen an – die Damen sollen es doch auch schön haben. Aber mit Verachtung kommt ein: Die gibt es auch auf Sylt. Hm. Ich versuche es noch hier und da, aber Lehrling Diego kommt gegen die Kernkompetenzen der Professorinnen nicht an, jedenfalls nicht mit Botanik. (War ja auch dumm von mir – wenn auch gut gemeint).
Ein kleiner Kläffer – mein Vater hätte ihn „Kloschettbürste“ genannt – wuselt plötzlich um unsere Beine. Oh, so Viecher mag ich nicht. Der Jung ist aber ganz friedlich, hat wohl Langeweile und Touris sind halt mal ne Attraktion – sicher selten genug hier. Er begleitet uns eine Weile und ist dann plötzlich weg. Ins Meer gesprungen? Geplatzt? Keine Ahnung.
Wir erreichen Mesa del Mar. Das ist ein Ort, um sich gepflegt in sein Schwert zu stürzen. Hochhäuser auf der Klippe, Trostlosigkeit ohne Ende, Leere, wie zwischen Pluto und der Oortschen Wolke. Ein paar wenige einsame Gestalten begegnen uns dann doch, sie sehen aus, als hätten sie hier in den blühenden 70er ein Appartement gekauft (oder geerbt?) und müssten nun hier immer die Wintermonate verbringen. Hu.
Immerhin scheint das Hochhaus auf der Klippe seit dem letzten Besuch 2010 renoviert zu sein. Aber trotzdem „SCHÜTTEL“.
Wir sind aber auch nicht, wegen der architektonischen Glanzleistungen hier, sondern, weil es hier ein paar Aussichten hat, die schon wirklich sensationell sind. Erstmal muss ich die Luft anhalten, weil es in und vor dem Meerwasserschwimmbecken doch ordentlich zu Sache geht. Brecher, Gischt, blau, weiß, LAUT, Juchheissassa erklinge! Das gefällt Diego.
Die Damen ziehen vorbei – sie waren auf dem Eierkartonweg etwas zurückgeblieben. Sie haben es nicht so mit Energie- und Impulserhaltungssatz.
Jenseits dieses architektonischen Kunstwerks, gibt es ein Promenädchen mit einem Ausblick für die Götter. Das Meer mit Glitzerfischen, Spiegelungen im Sonnenlicht, Wolken über Puerto Cruz, ein Blick bis zum Faro Buenavista und zurück. Und dazwischen noch ein paar Klippen, die den Wellen sagen: Hier ist Schluss für Dich! Dann das Getöse, was einer solchen Drohung unweigerlich folgen muss. Es kracht und schäumt und nochmal: Juchheissassa erklinge!
Ein sehr abgeschmocktes, kleines Café sitzt hier und hat wahrscheinlich seit der Hochzeit von Felipe Juan Pablo y Alfonso de Todos los Santos de Borbón y Grecia und Doña Letizia Ortiz Rocasolano keinen Gast mehr versorgt, höchstens ein paar traurige Alkoholkranke angezogen. Das ist genau UNSER Café. M* bezirzt den gut aussehenden Kellner (wovon der wohl leben wird?) und wir bekommen con leche und Cortado. Ich bedaure einen Hauch mein RIESEN-SUPER-Tele nicht mitgeschleppt zu haben, aber auch so ist es sehr prachtvoll. Die Cafés schmecken traumhaft, die Aussicht lässt einen das Atmen vergessen (aber nur kurz).
Da die Sonne lacht und da das Leben schön ist, schraube ich die Unterschenkelbedeckung von meiner Wanderhose ab. M* sagt, ich hätte Beine wie ein Russe (da sie 2013 in Moskau war, muss ich ihr das leider glauben). Sie nennt mich jetzt Vitali. Und wenn ich das Hemd auch noch auszöge, wäre ich sogar ihr Wladimir Wladimirowitsch. M* strahlt! Jetzt mal Schluss damit. Diego hat das nicht nötig und was soll denn E* von uns denken. Also ehrlich. F* lächelt auch.
Ich unterquere dieses mords Hochhaus nochmal und schaue mir die Wellen an den Klippen und im Meerwasserschwimmbad an. Was die Natur doch alles zu bieten hat. Jede Welle ist einzigartig, keine gleicht der anderen, ein endlose Folge von Einzigartigkeit. Und nur ich sehe das jetzt hier. Niemand sieht es so wie ich. Alle die auch aufs Meer schauen, sehen es etwas anders – wenn auch nur ein wenig. Ich finde das toll. Wasser, Wind und ein wenig Energie und schon geht es so ab hier. Mit so wenig – gibt es eine solche unfassbare Mannigfaltigkeit (toll, oder?).
Die Damen kommen, haben bezahlt und es geht zurück nach El Pris.
E* sagt, wie gut ihr das hier gefallen hat. Und was es für eine schöne Wanderung ist. Wie nett! Das freut mich. Wir hatten auch Glück mit dem Wetter. Bei Regen wäre das nichts gewesen.
In El Pris schauen wir noch ein wenig umher, diese Gasse, jener Felsen, aber recht schnell sind wir beim Auto.
Beim MERCADONA SUPERMERCADO machen wir noch einen Halt. So ein Unterschied zum Lidl und zum SuperDino. Hier wird ständig der Boden geschrubbt. Er sieht aus, wie eine Eisfläche. So ein Typ mit Putzmaschine fährt hier penetrant durch den Laden (offenbar immer der gut aussehenden 98-60-90-Kollegin hinterher – Diego sieht so was!). Man erwartet eigentlich, dass gleich so ein Schrank daherkommt, einem einen Lappen in die Hand drückt und sehr knapp auffordert, meine Tapsen wegzuwischen. Schon seltsam.
Ich besichtige meine Lieblings-Info-Waren. Fisch-Theke, Fleisch-Theke und Bier-Wein-Schnaps-Gang, ohne was zu kaufen. Das Wodka-Angebot hat deutlich zugenommen seit 2010. Auch Tintenfische gibt es jetzt ohne Ende. Sowohl Krake, als auch Kalmar. Zufall oder auch was für die russischen Touri-Kollegen?
Auf der Fahrt zur Finca wollen wir nochmal einen Blick in den romantischen Barranco Ruiz werfen, wir waren ja schon vor ein paar Tagen mal hier. Und kaum hat die halsbrecherische Überquerung der Küstenstraße geklappt (Danke Diego), kaum steht der Wagen, nur kurz gilt der Blick dem Barranco, fällt uns allen auf: Och, hier ist ja dieser (wenig ansehnliche – aber wir wollen das Teil ja nicht kaufen) Unterstand, dieses Blockhaus, wo man doch – äh – noch schnell eine Kleinigkeit essen könnte.
Ja? JA KLAR!
Schwups!
Alle sitzen. Dieser strahlende junge Mann – er erinnert sich offenbar an mich (oder doch an M*?) – donnert sein 1000-Watt-Lächeln an Diego vorbei (Bastardo!) gegen M*, die aber resistent ist. (Sie hat Diego – 1000-Watt ha! Da muss sie drüber lachen). M* strahlt den jungen Mann an (500-Watt), der zerschmilzt. Nicht aber ohne uns vorher noch schnell mit Besteck, Wasser, Vino Tinto, el pan, Queso, Albondigas und gebackenem Fisch versorgt zu haben (Danke!).
Köstlich. Einfach köstlich.
Wir sind kurz die einzigen Gäste. Aber ich denke, dieses 1500-Watt-Feuerwerk blieb doch nicht unbeobachtet im Lande der Westgoten, denn in wenigen Minuten ist der Laden voll. Fünf von fünf Tischen sind belegt. Alles Einheimische – kein Touris (außer uns). Ja, das ist eine echt abgeschmockte Kneipe hier. Fantastisch.
Wir genießen unser knappes Mahl, nicken allen Freunden hier zu – bis bald mal wieder – und machen uns auf die Heimreise zur Finca.
Und noch ein Prachttag endet. Es gibt noch ein paar WhatsApp, mehr Threemas.

Blick auf El Pris und Meso del Mar

Blick auf El Pris und Meso del Mar

Meer und El Pris

Meer und El Pris

Wolkenkratzer in Meso del Mar auf der Klippe

Wolkenkratzer in Meso del Mar auf der Klippe

Wolkenkratzer in Meso del Mar

Wolkenkratzer in Meso del Mar

Café Cortado

Café Cortado

Lichtspiele - fantastische Aussicht

Lichtspiele – fantastische Aussicht

Naturgewalt gegen Weg

Naturgewalt gegen Weg

Abgeschmockte "Kneipe" im Barranco Ruiz

Abgeschmockte „Kneipe“ im Barranco Ruiz

Über Florian Seiffert

http://www.seiffert.net
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