Eine Rolle im Hintergrund – Tag #5

Josef kommt eigentlich immer zu kurz, ist ein Träumer und spielt irgendwie immer nur eine Rolle im Hintergrund. Aber ich finde, er ist ein Held.

Heute steht Nazareth auf dem Programm und da geht es eigentlich um Maria, der heilige Josef steht etwas im Schatten.

Nach der Laudes am Seeufer und dem Frühstück (Yossi besorgt mir Spiegeleier!!) starten wir die Fahrt nach Nazareth. Da wir den See südlich umrunden und vor Tiberias links abbiegen, kommen wir praktisch direkt an den Hörnern von Hattin vorbei. Hier verloren Kreuzfahrer 1187 die Schlacht gegen Yusuf Salah ad-Din vernichtend. Dieser Boden hier hat eine Menge Blut und Leid gesehen, dabei sieht alles so friedlich aus.

In Nazareth sind wir zu Gast bei den ‚Kleinen Schwestern Jesu‘. In der schönen kleinen Kapelle feiern wir Gottesdienst u.a. auch für meine Mutter. Pfarrer C* predigt über Maria, die hier in Nazareth vom Engel Besuch bekam. Maria konnte den Engel fragen: Hey, was soll das alles? Josef jedoch sah sich damit konfrontiert, dass seine Verlobte schwanger war (nicht von ihm) und eigentlich als ‚leichtes Mädchen‘ Gefahr lief von ihrer Familie und Josef verstoßen zu werden. Und die einzige Erklärung, die seine Braut bietet ist, dass sie von alleine schwanger wurde und ihr ein Engel erschienen sei. Hu Hu, was würden wir heute in so einem Fall machen?
Held Josef muss Maria schon sehr geliebt haben, dass er sie zu sich holt und das Kind als seines annimmt, versorgt, großzieht und ausbildet. Ich finde das schon sehr bemerkenswert!

Dann zeigt Yossi und erklärt uns die Verkündigungsbasilika, die der Tradition nach auf dem Haus von Maria steht, da, wo der Engel erschienen ist.
Dieses ‚genau da‘ darf man als Pilger nicht so ernst nehmen. Es führt die Gedanken in die falsche Richtung. ‚Hier irgendwo‘ reicht doch eigentlich. Und die Steine hier sind so getränkt mit Gebeten, Flehen und Wünschen der pilgernden Menschen der vergangenen 2000 Jahre, dass hier in jedem Fall ein guter Platz für Gedanken und Gebete zu Josef und Maria oder gleich zu Jesus ist. Egal ob nun hier Maria wohnte oder nicht. Oder?

Yossi zeigt uns die Marienbilder, die hier in einer schönen Galerie hängen. Viele Länder haben Bilder geschickt.

Für jeden Geschmack ist etwas dabei. Die deutsche Madonna – hm – macht nicht ganz so viel her, finden wir. Yossi erzählt dann: Der Künstler hat zwei Kinder als das deutsche Volk dargestellt. Sie werden von der angedeuteten Berliner Mauer getrennt, halten sich aber unter der Mauer an den Händen, als Zeichen der Verbundenheit. Maria hält beide Kinder an der Schulter und beschirmt und beschützt sie mit ihrem Mantel. 30 Tage nachdem das Bild hier aufgehängt wurde, fiel die Mauer in Berlin.
Ich schlucke – sieht man dem Bild nicht an. Kardinal Meisner soll zu der Geschichte hier Tränen vergossen haben.

Wir singen das Salve Regina in Latein, weil es hier auf die Außenmauer gemeißelt ist, dann erklärt Yossi die Ideen und Konzepte der Baumeister und Künstler innen in der Basilika.

Ich versuche etwas von dem Licht und den Reflexionen einzufangen, die die bunten Fenster hier auf Marmor und Wände legen.

Dann ist schon wieder Mittag und ich nehme die leichte Falafeltasche mit Granatapfelsaft. Auch sehr lecker, aber leicht.
Yossi führt uns durch den Basar der Altstadt und zur Quelle. Die Quelle war die einzige Quelle in Nazareth und ganz sicher hat Maria hier auch Wasser geschöpft. Wer Authentizität sucht, ist hier besser dran, als in der Basilika. Die Verkündigungsgeschichte im apokryphen Jakobus-Evangelium siedelt ganz passend die Engelgeschichte mit Maria dann auch hier am Brunnen an. Heute steht hier die Kirche der Orthodoxen. Und damit es keinen Streit gibt, erklärt Yossi, dass der Engel erst am Brunnen war, sich dann aber unsicher wurde, ob Maria diese schwierige Botschaft auch richtig verstanden habe und erschien ihr sicherheitshalber noch mal zu Hause.

Wir besichtigen die orthodoxe Kirche mit der Quelle. Ein paar wirklich schöne Ikonen hängen hier.

Im Bus ist kurze Pause zum Ausruhen. Wir fahren eine kurze Strecke nach Kana. In Kana wirkte Jesus auf Bitte von Maria sein erstes Wunder. Aber es gibt drei Orte Namens Kana und in dem Kana, wo wir jetzt hinfahren, gibt es drei Kirchen. Die unierte, die orthodoxe und die katholische Kirche. Da kommt ein ‚genau hier war es‘ nicht auf.

Im Keller der Kirche zeigt man einen hundert-Liter-Weinkrug, aber der ist nicht aus der richtigen Zeit. Auch das noch.
Tapfer liest Pfarrer C* die Geschichte der Hochzeit zu Kana und Yossi erklärt, dass es ohne Wein bei einer jüdischen Hochzeit nicht geht und Jesus durch sein erstes Wunder die ganze Geschichte damals gerettet hat. Kleiner Ratschlag: Kana könnt ihr links lassen.

Nun geht es heim zum See, dem Sonnenuntergang und dem Frühling. Es tut gut, dass wir insgesamt ein lockeres Programm haben und uns Zeit für die Seele bleibt.

Über Florian Seiffert

http://www.seiffert.net
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