Berg Tabor – Tag #6

Wieder ein schöner Morgen am Seeufer.

Nach Laudes und Frühstück gibt es am Bus ein Ständchen für Yossi. Heute ist Josefstag und somit hat Yossi Namenstag (wenn es das im Judentum gäbe). Nach Bemerkungen gestern von Yossi über Geschenke und wie nett am Namenstag doch bayerische Gruppen seien, hat sich Pfarrer C* hingesetzt und gedichtet (Lob Lob!!):

Yossi, Dich hat Gott bestelltzu unserem Schutz in dieser Welt.
Sieh‘ Deine Pilger in Güte an,
Du treuer und gerechter Mann.

Du bist im Humor sehr groß,
trugst tapfer Deines Lebens Los.
Schenk‘ unserem Tun die rechte Kraft,
dass es zu Deinem Lobe schafft.

Wir singen das vor dem Bus und Yossi scheint gerührt, auf jeden Fall überrascht.

Nun brechen wir auf zum Berg Tabor. Dieser Berg ist der Berg der Verklärung – aber ob er das „wirklich“ ist, ist sehr spekulativ. In der Heiligen Schrift ist der Name des Verklärungsberges nicht genannt. Macht aber nichts, wir fahren trotzdem hin.
Paul VI. verdanken wir eine schmale Straße, die zum Georgskloster auf der Spitze führt. Bis zu Papst Pauls Besuch in den 1960er gab es nur einen steilen Pfad.
Busse können nicht bis oben hin und so steigen wir in Sammeltaxis um, die uns hoch fahren.

Vom Gipfel und neben der Verklärungs-Basilika hat man einen tollen Blick über das weite Land. Yossi erklärt, was man sieht.

Unter anderem sieht man Naim und Yossi interpretiert für uns die Geschichte des Jünglings von Naim, die Auferweckung des einzigen Sohnes einer Witwe.

In der Moseskapelle haben wir heute unseren Gottesdienst. Wir machen die Tür zu und lassen die Welt draußen.
Nach der Heiligen Messe bleibe ich am Taxistand hängen, um über das freie WLan hier zu recherchieren, warum Moses auf dem Bild in der Kapelle (sowas wie) Hörner hatte.

Ich verpasse so leider die Ankunft des zweiten Sammeltaxis unserer Gruppe und fast fährt mein Haufen ohne mich weiter. Ich habe es gerade in der Wikipedia bis zu Moses geschafft, als mich Yossi einsammelt.
Er erklärt dann auch den gehörnten Moses. Das hebräische Wort „Dingens“ kann man mit strahlend und mit gehörnt übersetzen. Wenn die Vokale fehlen (wie im hebräischen), ist das Wort nicht eindeutig. Und dann kommt es auf den Zusammenhang an. Ja und da ist dann damals etwas schief gegangen…

Wir fahren nach Zippori. Zippori ist das antike Sepphoris. Marias Eltern Anna und Joachim sollen aus Sepphoris stammen. Heute ist die Stadt verschwunden und es gibt einen National Park mit Ausgrabungen.
Bevor wir uns aber darauf stürzen, gibt es ein Picknick, was Yamil netterweise für uns besorgt hat.
Ich nehme die lustige Falafeltasche mit Sesamsoße.

Es ist ein schöner Platz mit Sonne, Aussicht und blühenden Wiesen ringsum. Sogar sehr alte Olivenbäume stehen hier.

Wir mümmeln unsere Verpflegung und genießen Ruhe und Entspannung.

Später geht es weiter zu den Ausgrabungen und Yossi erklärt die schönen Mosaike, die sich hier zahlreich versammelt haben. Der Kopf einer Schönheit ist noch rätselhaft.

Niemand weiß, wer dargestellt ist und von wem das Haus war, der (*die* lehnt Yossi ab – Frauen hatten damals keine Häuser) so ein schönes Mosaik hatte.
Yossi zeigt uns noch Badezimmer mit Toilettenspülung und Badewanne als Zeichen der Kultur der Israelis vor 2000 Jahren – und ein kleiner Stolz ist ihm anzumerken.
Nun ja, wenn das hier ein Wettbewerb ist über VorfahrInnen für die man genau überhaupt nichts kann, dann möchte ich kurz anmerken, dass der damalige Stadthalter von Syrien Publius Quintilius Varus (den Yossi nicht erwähnt), der hier in Zippori residierte, mit all seinen WCs nichts anfangen konnte, als er von unseren vermuteten VorfahrInnen im Jahre 9 n.Chr. bei Kalkriese mächtig verdroschen wurde. Aber es geht hier nicht um „immer zweimal mehr wie Du“, so dass wir uns alles anhören, bedächtig nicken und nach der doch interessanten Führung zum Bus und dann zum Kibbuz zurückkehren.

Morgen brechen wir auf in die Wüste und verlassen das grüne Galliläa.

Über Florian Seiffert

http://www.seiffert.net
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5 Antworten zu Berg Tabor – Tag #6

  1. Ulrike Theisen schreibt:

    Lieber Florian, ganz herzlichen Dank,dass du uns auf so wunderbare Weise an dieser Pilgerreise teilnehmen lässt. Freue mich jeden Tag auf deine Erlebnisse und Eindrücke .Es ist eine Freude wie begeistert du die Reise ins Heilige Land schilderst,am liebsten wäre man dabei.Liebe Grüsse an alle und euch noch eine besinnliche Zeit mit vielen neuen Erfahrungen und Begegnungen.
    Ulrike

  2. hodoblog schreibt:

    Wie sind denn die Temperaturen in Eurem Frühling? Die unseren lassen sehr zu wünschen übrig. Zudem bedrohen blöde Wolken die morgige Sonnenfinsternis. Wir zählen alle auf Dich:
    1. Frühling genießen
    2. Sonnenfinsternis ansehen ( mit Brille)
    3. Fotographische Dokumentation derselben für die Wettergeplagten Homies

    Auch wenn sich Deine Fans sehr spärlich äußern, ich bin sicher, es verfolgen viele Deinen Blog!
    Los Leute, nicht so schüchtern! Applaus ist der Lohn des Künstlers.

    • Florian Seiffert schreibt:

      Liebe hodoblog, am See sind jetzt wohl 18 Grad. Heute in der Wüste und am toten Meer sollen es so 25 Grad werden. Die Bedeckung der Finsternis wird hier so 20% erreichen. Das ist zu wenig, um merklich was zu sehen. Mit dem Tele kann ich die Sonne nicht einfangen, da fehlt Schweißerglas. Ob das Handy mit Brille bei dem Weitwinkel eine Chance hat, wird man sehen.

  3. Maren schreibt:

    Auf dem Berg Tabor gibt es tatsächlich ein freies WLAN?? Noch ein Wunder! M*

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