2000 Jahre alt – Tag #10

Nach Laudes und Frühstück geht es ab in den Bus. Engel Elke bringt mir Medizinnachschub. 1000 Dank!
Erstmal aus Bethlehem raus, durch Mauer und Stacheldraht und rein in den Berufsverkehr von Jerusalem. Wir laden Uriel, unseren neuen Reiseführer ein und fahren zum Garten Getsemani auf dem Ölberg.

Zwischen sehr alten Olivenbäumen steht die Nationenkirche (nach der Tradition) mit dem Fels, auf dem Jesus Todesangst vor der Kreuzigung hatte. Die alten byzantinischen Mosaiken sind toll, aber unbeachtet, ebenso, wie die Gewölbekonstruktion. Angefasst, „begriffen“, abgelichtet (mit und ohne Kind, Frau, Mann) wird der glattgegriffene Felsen. Wer sich an den Verehrungspraktiken hier stört, sollte nicht als PilgerIn nach Jerusalem kommen.

Ein paar der Olivenbäume geben sich Mühe so 2000 Jahre alt oder älter zu sein. Ich finde sie auch dann schön, wenn sie Jesus und die Apostel nicht beschattet haben sollten.
Wir fahren nun vom Fuß des Mount of Olives zu seiner Spitze. Hier ist ein Gebäude mit Fels, was an die Himmelfahrt erinnert. Das Teil war wohl mal Kirchlein, ist jetzt Moschee.

Der Fels, von dem die Himmelfahrt startete, ist eingefasst und mit Kerzen verziert. Eine polnische Gruppe bringt dem Stein viel Verehrung entgegen. Respekt. Ich bekomme das hier nicht so fertig. Michael liest uns die passende Stelle aus der Bibel vor.
Eine Tür weiter ist die Pater Noster Kirche. Hier wird (mal ganz ohne Felsen) und ohne Legende, Tradition oder Authentizität des „Vater unseres“ gedacht. Es gibt 99 Versionen in verschiedenen Sprachen und Dialekten. Alle hängen als Kacheln an den Wänden des Geländes und der Kirche.

Viele schöne Sprachen und Schriften, die ich noch nie gehört oder gesehen habe. Uriel liest uns die Urfassung auf aramäisch vor. So hat sich das „Vater unser“ angehört, als Jesus es seinen Freundinnen und Freunden beibrachte. Klingt wunderschön.

Nachdem wir wohl die meisten Varianten abgelichtet haben, geht es nun den Ölberg runter. Wir schauen auf das Panorama der Altstadt mit Grabeskirche, Tempelberg und dem Felsendom.

Wir gehen kurz zu Dominus Flevit, einem hübschen kleinen Kirchlein, was wie eine Träne geformt ist und – ganz ungewöhnlich – nach Westen (auf die Grabeskirche), nicht nach Ostern ausgerichtet ist.
Auf Wunsch unseres Spirituals und geistlichen Leiters, fahren wir zum Elias-Kloster der Orthodoxen. Offenbar haben die in unserer Fastenzeit anderes vor als Gäste fasten zu lassen und so gibt es am Leitertisch auch ordentlich Fleisch zu essen. So so. Zurück in der Altstadt steht unser Kreuzweg an.
Wir starten an der Via Dolorosa mit der heiligen Messe in der Geißelungskapelle und folgen dann dem traditionellen Weg bis zur Grabeskirche. Ein paar Stationen beten wir geschützt in alten Gemäuern und Kapellen, andere im Strom der Passanten, der bunten Mischung Mensch, die hier Ihren Beschäftigungen nachgehen. Niemand regt sich auf, drängelt oder verzieht auch nur das Gesicht, wenn wir da betend und singend im Weg rum stehen (und ich sage euch, das können wir gut!). Sehr tolerant die Leute hier!

Wir erreichen das Dach der Grabeskirche, wo wir die letzten Stationen beten. Dann geht es runter zum Vorplatz und schnell rein in die Kirche.

Der Salbungsstein ist kurz frei von Menschen und ich komme zu einem Bild. Auch unter dem Felsen Golgotha ist niemand und ich habe etwas Zeit für mich und meinen Herrn. Seltsam wie viel die Umgebung und das Begreifen zur Intensität beiträgt.
Wir folgen dann dem Strom zum Jaffa-Tor, klettern in den Bus und fahren nach Bethlehem ins Hotel.
Viele von uns haben Geschenke für das Waisenhaus hier mitgebracht und wir ziehen zusammen los um die Geschenke zu Überreichen.
Nicht ganz einfach, aber dann findet alles Abnehmer. Eine kleine Schwester freut sich sehr über die Bilder von meinem letzten Besuch hier. Das freut mich dann auch.
Wie auf ein Zauberwort toben auf einmal viele kleine Kinder um uns rum und bitten mich nachdrücklich um ein paar Selfies.

Für die Prinzessin von Saaba und ihr Gefolge mache ich das doch gerne.

Ich suche mir auf dem Weg nach Hause noch eine Pharmacy und kaufe arabische Wundermittel gegen Erkältung und Halsweh. Abendessen. Ab ins Bett. Noch ein schöner Pilgertag ist zu Ende.

Über Florian Seiffert

http://www.seiffert.net
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