Ostern – Tag #13

Heute ist Ostern. In der Grabeskirche feiert man immer die Auferstehung!
Um 4:00h lärmt der Wecker. Um 4:15h bin ich in der Lobby, es gibt Tee. Das ist sehr nett von Notre Dame. Um 4:30h brechen wir auf.

Nach kurzem Weg durch die Altstadt sind wir an der völlig leeren Grabeskirche. Die heilige Messe der Armenier ist noch nicht zu Ende und wir warten geduldig. Dann wird umgeräumt. Kerzen, ein Brett und ein Tuch von Armeniern raus, Kerze, Brett und Tuch „von uns“, also den Franziskanern wieder rein. So geht es zu am Heiligen Grab in der Nacht. Wer schon mal hier war, wundert sich nicht.

Pfarrer C* kommt im Ornat, die Schwester nickt und wir quetschen uns in das Heilige Grab. Es gibt zwei Räume. Im hinteren ist der kleine Altar, er ist nur durch einen niedrigen Durchgang erreichbar. Pfarrer C* quetscht sich durch, wir bevölkern den Vorraum. Unser Zeitfenster ist nur 25 Minuten groß. Wir feiern also die Auferstehung und lassen schmuckes Beiwerk weg.

Die Frauen kommen morgens zum Steinbruch und fragen sich, wie sie den riesigen Rollstein bewegt bekommen. Der Rest des Rollsteins steht hier vor mir – unglaublich. Dann ist das Grab leer – das ist da die Nische unter dem Altar im Raum bei Pfarrer C* – Wahnsinn. Wir sind pünktlich fertig, nur singen ging nicht.
Wir „begreifen“ noch die beiden Räume und schauen uns gründlich um. Symbole und Schriften, die ich noch nie gesehen habe. Ruß und Staub sicher noch von den Kreuzfahrern. Die nächste Gruppe steht vor der Tür, um Ostern zu feiern.

Uriel führt uns zum Felsen Golgotha. Hier stand das Kreuz von Jesus und seinen zwei Leidensgenossen. Es ist authentisch, hier auf ein paar Meter genau starb Jesus.
Es ist ungewöhnlich leer, sonst sind auch um die Zeit schon viele Menschen hier. Wir beten still ein paar Minuten und schauen uns den Rest der riesigen Kirche an. Uriel zeigt uns den jetzt zugänglichen Teil des jüdischen Friedhofs, der neben dem heiligen Grab liegt. Ohne diesen Friedhof wäre hier was falsch und die Authentizität des Heiligen Grabes dahin. So aber stimmen jüdischer Bestattungsbrauch, Heilige Schrift und Archäologie überein. Vor der Kirche machen wir das übliche Gruppenbild.

Dann geht es zu Notre Dame und einem leckeren Frühstück.
Und wie schön, weiter im Programm, geht es erst um 10:30h. So finden wir alle noch Zeit für ein Nickerchen.

Um 10:30h führt uns Uriel zur Klagemauer. Sie ist die Westmauer des zweiten Tempels und der heiligste Ort des Judentums.

Es fällt mir schwer diese heiligen Steine anzufassen. So getränkt von vielen hunderten von Jahren Gebet und Bitten sind sie. Und so abgegriffen.
Ich spreche ein Gebet für alle Betroffenen des Flugzeugabsturzes, wir sind zu weit weg, als das wir hier viel mitbekommen.
Dicht neben mit beten Juden mit Arm- und Kopfriemen. Ich bin Ihnen dankbar, dass sie mich hier mitbeten lassen. Kopfbedeckung reicht.

Wir stellen uns am Aufgang zum Tempelberg an. Die lange Wartezeit wird durch die Scharen der Familien verkürzt, die hier zur Bar Mitzwa Feier anrücken. Da geht die Post ab. Jubel, Trommel, Tanz und Gesang.
Meist stehen die 13 jährigen Jungs etwas schüchtern im Mittelpunkt. Ab heute sind sie Erwachsene.

Dann tut sich schließlich was an unserem Tor und nach einer Kontrolle dürfen wir hoch zum Tempelberg. Aus lauter Schikane muss Gisela noch einen Schal kaufen, um ihre bedeckten Arme zu bedecken. Uriel regt sich auf, aber in Venedig habe ich das auch schon erlebt. Nicht schön, aber Gisela bleibt gelassen.

Wir schauen uns gründlich um und bei all den Spannungen, die sich hier kristalisieren, kann ich mich doch an diesem wunderschönen Bau des Felsendomes freuen. Ein Prachtbau. Das goldene Dach ist nicht echt, nur goldene Farbe, sagt Uriel. Er ist immer noch knurpsig.

Die Gruppe zerstreut sich. Ich gehe ins Hotel und nehme die Last des täglichen Postings auf mich 😜.

Heute abend ist noch Nachtfahrt durch Jerusalem. Ich hoffe, wir halten hier und da.

Morgen geht’s nach Yaffo und dann zum Flughafen. Über Berlin fliegen wir nach Düsseldorf.

PS Das Bild eines jüdischen Grabes mit Rollstein hatte uns Yossi in Galliläa machen lassen. So darf man sich das Grab des Josef von Arimathäa vorstellen, der seine Grabstätte ja an Jesus abgetreten hatte.

Über Florian Seiffert

http://www.seiffert.net
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