#2 – Bouley Bay

Queenwetter. Blauer Strahle-Himmel, wie angekündigt. Wir müssen raus in die Welt! Das ausführliche Frühstück hält uns nur so lange auf, als dass es noch gemütlich für sich in Anspruch nehmen kann. Eine kurze Routenbesprechung mit M*, die heute Reiseleiterin und Kommissionsvorsitzende ist, dann geht es los.
Enge Straßen, falsche Seite und die Jerseys hier heizen ganz gut. Aber wir kommen zurecht. Hin und wieder muss ich Gas geben, damit ich so schnell bin, wie es die Geschwindigkeitsbegrenzung haben will. Oh Zeiten, oh Sitten.
Wir fahren nach Norden, durchqueren Rozel und finden einen Parkplatz im Busch, der uns mit Papierkarte ganz sicher entgangen wäre.
Durch dichtes Strauchwerk windet sich ein Coastal Path. Er läuft hier im Norden kilometerweit. Er bietet einen wunderbarer Blick auf das Meer, die Buchten und am Horizont Frankreich. Die Natur erinnert eher an Tenerife oder La Palma, als an Europa. Alles grün oder blau. Ein paar gelbe Blumen, alte Eichen, schwarze Birken und Farne, dazu blauer Himmel, leuchtend blaues Meer. Wunderprächtig. Es ist wenig los hier, nur wenige Wanderer begegnen uns. Es geht ein bisschen rauf und runter, aber der Pfad bleibt hoch über dem Wasser. Erst zu Bouley Bay, erreicht er bei Water’s Edge Hotel den Strand. Hier tummeln sich Taucher und Touris, aber es ist leise und ruhig. Sehr angenehm. Überhaupt fällt die große Ruhe hier überall auf.
Wir lassen die Bay unter und hinter uns und folgen dem Pfad weiter Richtung
Bonne Nuit. Jersey hat auch eine französische Vergangenheit, viele Namen sind französisch. Nach einem längeren Stück auf der Höhe mit Eichenalle, Jersey-Rindern und neuen Ausblicken drehen wir um. Am ersten Tag nicht übertreiben.
In Bouleys Bay halten wir bei Mad Mary. Das ist ein Kiosk, den die völlig pinke Mary betreibt. Verrückt kommt sie mir nicht vor. M* kommt mit Brunch und apple pie, Wasser und Tee vom Kiosk zurück. Wir lassen es uns schmecken, während wir auf das Meer hinaus schauen, die Augen schweifen und die Seele baumeln lassen. Eine junge Dame im Bikini stürzt sich munter in die Fluten. Wow. Kälteresistent oder aus Tromsø stammend?
Die Ebbe lässt ein paar neue Streifen an den Felsen unter uns erscheinen, während wir den Weg zurück zum Parkplatz nehmen.
Eine kleine Tour durch Rozel und nach St.Martin folgt. In St.Martin hat ein kleiner Tante-Mary-Laden offen und M* versucht Jersey Honey zu bekommen. Aber die Ernte war schlecht, schon seit Jahren. Hier gibt es keinen. Derweil kümmere ich mich um das kleine Kirchlein, was offen ist, nichts kostet und sehr einladend wirkt. Man darf sogar Fotos machen. Sehr gut. Der Herrgott hat da sicher seine Freunde dran. Ich schaue mir auch den Friedhof mit sehr alten Gräbern und Steinen an. Verwandte sind hier nicht zu vermuten, aber ein Straßenname wies gestern auf den alten normannischen Namen Talbot hin und ich halte die Augen offen. Meine Ururgroßmutter Mathilde ist eine geborene Talbot. Man kann nie wissen. Aber hier auf dem Friedhof stöbere ich nichts auf.
Der Heimweg führt uns noch nach Gorey, wo hoch auf der Klippe das Mont Orgueil Castle thront. Der Ort ist voller Schnösel – so wirkt es zumindest auf uns. Teure Geschäfte, eine aufgedonnerte Dame sektet still vor sich hin, während der tätowierte Oberarm ihr gegenüber sein teures Smartphone quält, statt seine Energie darauf verwendet, ihr ein paar Watt Lächeln zu entlocken. Aber diese Quelle ist wohl leer, wie der trockengefallene Hafen von Gorey, wo alle Schiffchen auf dem Watt liegen.
Ein Eis, ein paar Bilder und einen Rundgang später, fahren wir Richtung Saint Helier, wo ein Supermarkt tatsächlich noch den richtigen Honig für M* aufgehoben hat. Er riecht sogar, wie frischer Honig riechen muss. Imkerstochter kennt sich aus.
Nach dem Abendessen erkunden wir noch den Botanic Garden at Samares Manor, der nach 17 Uhr allein für uns da ist. Das hätte Schwiegermama auch Spass gemacht, auf Sylt gibt es diese Blumenpracht nicht.
Bei einem ‚Liberation L.P.A‘, einem Bier ‚brewed in the Channel Islands‘ runde ich den wunderschönen Tag ab.
Für Morgen ist Regen, kommend von Irland angekündigt. Würden die uns doch ihren Whiskey, statt Regen schicken.
Mal sehen, was mir dazu einfällt. Morgen bin ich Reiseleiter.

Jersey Coastal Path

Jersey Coastal Path


Bouley Bay

Bouley Bay


St.Martin

St.Martin


Mont Orgueil Castle über Gorey

Mont Orgueil Castle über Gorey

Über Florian Seiffert

http://www.seiffert.net
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