Tag #4 – Puszta

Nebel. Mein erster Blick geht immer zum Fenster. Ein bisschen Donau, ein bisschen Frühlicht und Nebelfetzen.

Aber, als ich am Fenster bin, sieht man schon: Die Sonne wird gewinnen.
Flugs zum Frühstück, denn ab 8 Uhr ist die Durchfahrt durch Budapest.
Gemütlich nehmen wir das Frühstück und – wie bei den Hurtigruten gelernt – man ist pünktlich auf dem Deck, wenn es was zu sehen gibt. Aber, wir haben etwa 30 Minuten Verspätung. Die Donau führt zu wenig Wasser und schiebt nicht genug.
So genieße ich die Ruhe, das goldene Licht und die frische Luft, während wir langsam auf die Árpádbrücke zu fahren. Sie ist die erste von 9 Brücken zwischen Buda und Pest.
Als wir an der Margareteninsel vorbei sind, wird es voll. Auf Deck und in Budapest. Das Parlament. Ungarns größtes Gebäude. Prachtvoll im Morgenlicht.

Kirchen, Brücken, Licht, Reflexionen. Einzigartig.
Viel zu schnell ist alles vorbei. Ich freue mich schon auf die Rückfahrt, wenn wir hier anlegen.
Die Zeit bis zum Essen vergeht mit Rumfaulen. Mal in der Sonne an Deck, mal in der Kabine beim WLan.
Träge zieht ein Ufer vorbei, was den Streifen Steine und Strand zeigt, den man auch vom Rhein kennt, wenn es zu wenig Wasser hat. Dazu gibt es Pappeln und Birken. Wie Blei liegt der Fluß, gleichförmig verformen die Wellen die Spiegelbilder im Wasser. Wenn man nicht so staunen müsste, man könnte es eintönig finden.

Das Mittagessen ist ein neues Glanzlicht. Es ist kaum vorbei, wendet Kapitän Kirilov und legt an. Wir sind hinter Dunaföldvár in der Puszta. Wenn man sich das so anschaut, versteht man, dass Puszta Einöde heißt.

Die drei Prinzessinnen und ich entern einen Pferdewagen, der eine Schlaglochaufspürmaschine ist und dessen Fahrer, ein wilder Magyar, Spass daran hat Stadtmenschen zu schütteln.
Es geht über Feldwege und Wiesen, ein wildes Ründchen und Halt ist an einem Bauernhof.

Uns werden die Tiere vorgestellt und Details erklärt. Das Wollschwein mit Plüschohren gefällt mir besonders gut.

Nun kommen wir zu den wilden Csikos. Diese „Pferdehirten“ zeigen, was sie mit Peitsche und Reitkunst vollbringen können. Wir staunen.

Da sind wir doch ganz froh, dass die einstigen Gegner auf dem Lechfeld sich heute friedlich gegenüberstehen. Ein Hoch auf ein vereintes Europa!
Weiter geht es mit der Besichtigung von Handwerk und Kunstgewerbe. Ein paar Glas Landwein lockern Stimmung, verspannte Muskeln und die Börse. Prinzessinnen kaufen Honig und Lavendel. Ich befilme solange den Hufschmied.

Nun endlich kommt Paprika. Aber ich hatte mir zu viel versprochen. Die Ernte ist vorbei, die Zeiten der riesigen LPGs auch und Schwelgebilder in Pracht und Paprika gibt es heute nicht.
Immerhin zeigt uns die kompetente Reiseleiterin das Paprikahaus in Kalocsa.

Hier ist alles archiviert, was die Puszta zu Paprika hat und eine liebevolle Oma erklärt mit Mária, was es zu Paprika gestern, heute und morgen zu Wissen gibt.
E* kauft ein paar Beutelchen, ich suche Paprika in geistlichen Getränken und finde sie tatsächlich.

Ich stelle mir vor, wie das schmeckt und verzichte.

Der Bus kippt uns am Ufer ab und wie nett, die Bolero liegt dort und wartet.

Wir stechen nun gleich in die Donau und schippern stromab.
Das Abenessen und eine Zolldurchsuchung (Kabinenweises Antreten an der Rezeption – wir verlassen den Schengenraum) runden den Tag ab, der schon so ein Freudentag war und der zusätzlich in besonderer Weise verschönert wurde.

Über Florian Seiffert

http://www.seiffert.net
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