Tag #6 – Walachei

Ich dachte immer, die Walachei ist ein Ausdruck für janz, janz, janz weit fott.
Aber sie gibt es wirklich! Doch dazu später.
Weil eine Kreuzfahrt ja auch was für Leute mit Kreuz (also Rücken) ist, ist heute mal Rückentag. Dazu wird zur Entspannung geraten und wer nicht an Deck in der Sonne rumfault, der sitzt. Nicht im Knast, sondern im Restaurant. Und damit das nicht zu eintönig wird, dürfen die Hände kleine Geschicklichkeitsübungen mit Messer und Gabel durchführen. Dazu auch später.

Der Tag beginnt mit dem Blick aus dem Bullauge. Die Donau hat sich als Fjord verkleidet und spielt Norwegen. Beim gemütlichen Frühstück fällt das aber auf. In Norwegen gäbe es, hier fehlt er: Der Lachs. Pech. Das Frühstück gelingt aber auch so sehr gut.
Jetzt schnell raus, es kommt die berühmte Kataraktenstrecke. Hier ist die Donau eng, Felsen und Schluchten links und rechts. 80 Meter die schmalste Stelle.

Kurvig windet sich der Strom. Früher gab es hier Stromschnellen, aber seit dem Staudamm Eisernes Tor ist das hier Teil des Stausees und ungefährlich und sehr tief.

Eine alte Signalstation klebt am Ufer, dann folgt das in Stein gehauene Porträt von Dakerkönig Decebalus. Der Jung schaut grimmig, er hat sicher nie ne Kreuzfahrt gemacht.

Auf der Suche nach noch mehr Glanz, begegnet uns ein Römer.

Traian war hier und hat eine Tafel da gelassen, die Tabula Traiana.

Als auch das überstanden ist, dürfen alle unter Deck und es gibt den Donaufrühschoppen mit so Zeugs aus Bayern. Braucht der Rheinländer nicht. Das lässt er aus.

Jetzt kommt endlich was für Techies. Djerdap 1. Das Eiserne Tor 1. Kraftwerk und Zweikammernschleuse. 90 Minuten wird geschleust, zweimal geht es je 18 Meter abwärts.

Da mein Smartphone als Zeitrafferkamera im Einsatz war, gibt es hier (erstmal) keine Bilder. Nur ein Blick zurück auf Staudamm und Schleuse.
Aber ich kann die Schleuse empfehlen. Cooles Teil. Und wie gut Kapitän Kirilov die MS BOLERO an die Mauer fährt, ohne was kaputt zu machen, ist 1A.

Wir sind draußen aus der Schleuse und müssen uns erstmal stärken. Und weil unsere nette ungarische Kellnerin Iszabella meint, nach so einer Anstrengung ist „Veggy“ nix für mich, bringt sie statt Curry eine Steak …
Na gut.

Damit auch alle auf dem Sonnendeck in Ruhe des Feiertags gedenken, sich innerlich sammeln, still sind und nicht abgelenkt werden, hat Kapitän Kirilov eine eintönige Landschaft befohlen, also eine richtige Walachei. Es ist tatsächlich nix los. Ufer, Bäume und Büsche, fast keine Besiedlung. Gar nix los. Keine Straßen oder gar Brücken, nur manchmal Strom- oder Telegrafenmasten. Einschläfernd.

Als ich wach werde nähern wir uns Djerdap 2. Erstmal eine Stärkung. M* hat Kuchen organisiert. Super. Ich mache eine Zeitrafferaufnahme. Anfahrt, Anlegen, Runter-Schleusen, Tor auf, weiter geht’s.
https://youtu.be/kGGhTJxJ5B8

Da das so anstrengend war, geht es noch mal aufs Sonnendeck. Die Sonne scheint, die Walachei ist langweilig. So soll es sein.
Als sich mit der Brücke Widin–Calafat endlich eine Abwechslung nähert, müssen wir rein zum Händewaschen, Umziehen, Abendessen. Kein Bild.
Kein Bild?
Ich schleiche kurz raus.

Am Horizont erahnt man sie.

Während der Gabel- und Messerübung verkündet der Reiseleiter (der hier Cruising-Director heißt), dass es eine Planänderung gibt. Wegen des niedrigen Wasserstandes der Donau erreichen wir den Anleger Giurgiu erst später morgen und übermorgen geht’s nicht bis ins Delta – die paar Kilometerchen werden mit dem Bus bewältigt. Alle Anschlussboote für die Prinzessinnen werden aber planmäßig erreicht. Na dann, darauf noch nen Boxbeutel aus der Pfalz.

Über Florian Seiffert

http://www.seiffert.net
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2 Antworten zu Tag #6 – Walachei

  1. optimisc schreibt:

    Jetzt muss ich seit ein paar Tagen jeden Morgen schon zwei Blogbeiträge lesen. Habt ihr eigentlich ewig Urlaub?
    Im Ernst: Danke für großartig zu lesende Urlaubsberichte. Sowohl Gegenden, die man selbst kennt, als auch Gegenden, in denen man noch nie war, sind beide interessant zu lesen!

  2. hodoblog schreibt:

    Wie klasse. Die Aufnahme ist wirklich toll. Danke fürs mitschleusen lassen, obwohl ich auf den Azoren bin. Weiter schönen Urlaub!

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