Tag #8 – Donaudelta

Ich schäme mich. Erneut schönes Wetter. Aber ich sehe es nicht. Seit dem Anlegemanöver in Fetești um 5 Uhr ist mein Bullauge schwarz, der Anleger ist jetzt davor.

Frühes Frühstück. Um 8 Uhr brechen Prinzessin M* und Königinmutter E* mit Bus 3 von 4 nach Tulcea auf. Eigentlich wollten wir bis Tulcea die Donau fahren (115km Luftlinie), aber, weil es im Sommer nicht geregnet hat, ist der Wasserstand zu niedrig. Es fehlen so 100-150 cm. Und bei 150cm Tiefgang der MS BOLERO, kann man sich vorstellen, dass das hier problematisch werden kann.

https://www.youtube.com/watch?v=a102U-9S-W0&feature=share

https://youtu.be/a102U-9S-W0

Das Video zeigt die Überquerung der Brücke etwas unterhalb von Fetesti bei Giurgeni. Man sieht, wie breit die Donau hier ist.

Wir fahren durch ein weites Land. Die Große Walachei. Riesige eintönige Ackerflächen, kaum Dörfer, wenn dann sehr ärmlich. Ein Städtchen, wo ich nicht wohnen möchte. Aber die Weite, die Sonne, die über die Hügel leuchtet, ist schon klasse.

Die Hügel sind Reste des ältesten Gebirges Europas, sagt die Reiseleiterin. Den Namen verstehe ich nicht und habe ihn auch noch nie gehört. Mein Erdkundeleeerer (Herr Eggers) hat doch sowas nicht gewusst und schon ganz sicher niemals nicht erwähnt.
Die Reiseleiterin ist wenig inspirierend. Sie blättert gelangweilt die Seiten im Gehirn um und murmelt dazu. Nur wer zu viel Kaffee hatte heute früh, ist noch wach. Sachen gibt’s.

Nach zweieinhalb Stunden gibt es eine Tankstelle, wo wir Flüssigkeiten ab-, statt aufladen. Dann erreichen wir den Anleger in Tulcea. Bis vier Busladungen ausgeworfen, verteilt und an Bord von großen Schiffchen und kleinen Speedbooten sind, die je 10 Personen fassen, was da schwierig ist, wo ein paar Kleingruppen zusammen bleiben wollen, vergeht etwas Zeit. Auch das Anlegen der Schwimmwesten auf dem engen Bötchen ist nicht so leicht. M* macht Fäustchen in der Tasche. Wenn sie das organisiert hätte, wären wir schon auf der Pirsch.

Aus dem Hafen brettert Kapitän Romanov mit Fullspeed. Das GPS sagt 40km/h. Dann scharf links und es geht in einen Kanal, dann nochmal scharfe Kurve und wir tuckern leise ganz enge Kanälchen, keine Wellen machen, die Tiere nicht erschrecken.

Augen auf und 400mm-Zoom im Anschlag. Braun, grün, braunes Dickicht, Urwald, Weiden und Pappeln. Schlammiges Ufer, dem man den Wassermangel ansieht. Ich lichte Frösche ab. Dicke Viehcher. Die Schweizer neben mir verdrücken ihr Lunchpaket und sehen nur ihre Brötchen. Sachen gibt’s.

Unser Kapitän gibt sich Mühe, die anderen drei – einer vor, zwei hinter uns, eher nicht so. Käpt’n Romanov hat die Augen auf, sieht auch versteckte Viehcher, zeigt drauf und der Leichtgewichts-Reiseleiter im Boot übersetzt von Kormoranesku zu Kormoran. Ich glaub‘ ich werd‘ auch mal Reiseleiter. Sachen gibt’s.

Mir gefällt das Delta auch ohne Alligatoren, Nilpferde und Pelikane. Allein die Wurzeln, die Bäume, die Fischer und Angler bei Prinzessinnenwetter sind schon 1A. Die Reiher, Frösche, Kormorane und Enten sind schon ein besonderes Erlebnis zusätzlich.

Bei 45.25016°N 28.98481°E wendet Käpt’n Romanov. Es ist der östlichste Punkt unserer Reise. Dann wird er langsamer, schaut verschwörerisch und bietet uns Schnaps an. Die Flasche 10€. So die Marke „ist doch egal was für n Schnaps. Hauptsache Schnaps“. Alle schauen irritiert. Ich schaue M* irritiert an. Sie schüttelt leise den Kopf. Sachen gibt’s.

Während wir langsam hingeschlichen sind, ist die Schonzeit oder der Mittagsschlaf im Delta jetzt vorbei und zurück wird gebrettert. Wieder 40 km/h, Fullspeed, All In. Die Heckwellen krachen laut ans Ufer. Kein Wunder wenn Kanal und Kanälchen recht leer von größeren Tieren sind. Sachen gibt’s.

Wieder am Kai von Tulcea, suchen wir eine Abgabestation und unser Reiseleiter in Fortbildung schickt uns zum Hotel Delta. Sieht aus und riecht wie Interhotel Dresden 1988. Als wir alles abgegeben haben und zurück zum Parkplatz schlendern, steht da der Cruise-Director zeigt auf die Uhr, lächelt gequält und macht das „Elisabeth, wo kommst Du jetzt noch her“ Gesicht. Das für 23:55h, wenn 22:00h vereinbart war.
Er sagt: Euer Bus ist weg. Es sei doch 14h gesagt worden. Wir sind ganz unschuldig. Weder die Reisetante im Bus, noch der Schlafonkel in Fortbildung haben was gesagt. Der Schweizer neben mir fasst es richtig und knapp zusammen mit: „Ihr Problem!“. Also Sachen gibt’s.

Es wird dann doch noch alles gut. Die 9 aus Bus 3 bekommen Asyl in Bus 4. Es geht nur zur nächsten Abgabestation, einer Tankstelle, wo unser Bus 3 wartet. Wir steigen um. Perfekt. Wozu die ganze Aufregung?

Wir fahren zweieinhalb Stunden zurück, bis wir in Fetești wieder an Bord der MS BOLERO gehen. Die legt sofort ab und nimmt Kurs auf Passau. Die Hälfte ist um. Wir sind bis Stromkilometer 60 gekommen. Passau hat Stromkilometer 2230. (Auf der Donau wird andersrum gezählt. Null ist bei der Mündung, nicht bei der Quelle.)
Dann fehlen uns ja 120 km insgesamt. Also ehrlich.

Frisch machen, hübsch machen. Galadiner.
Ein besonders schöner Tag.

Über Florian Seiffert

http://www.seiffert.net
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