Tag #03 – Die Wurzeln unseres Glaubens

Um 6:00h gehen Telefonanlage und Smartphone gleichzeitig los. Gute Telefonanlage!

Draußen dämmert die blaue Stunde herauf. Um 6:30h beten wir die Laudes am Seeufer. Wir schließen unseren gestern verstorbenen Schützenbruder Willi mit in das Gebet ein.

Der Dunst über Tiberias wird langsam röter. Die Sonne klettert aber erst über die Berge, als wir beim Frühstück sind. Ich bescheide mich mit Früchten und Kaffee. Aber es hätte auch ein bunter Teller sein können.

Mit dem Bus geht es heute nur ein paar Meterchen zur Anlegestelle des Kibbuz. Wir besteigen ein Boot und sogleich werden ein paar Titanic-Bilder im Bug geschossen. Aber Leonardo di Caprio fehlt und im Hafen zählt auch nicht. Aber lustig ist es schon.

Traditionell hält das Boot mitten auf dem See. Statt des Normalwitzes: „Michael mit seiner Gruppe geht zu Fuß weiter…“ sagt Yossi: „Der Fahrpreis ist hier verbraucht, bitte zahle jede nochmal 10 Euro…“ während hier und da Schnappatmung einsetzt, lächelt Michael und dann Yossi und dann schließlich der Rest. Es hat gedauert, bis alle den Witz erkannten.

Statt weiter zu *gehen*, liest Michael einen Text aus der Heiligen Schrift über Mut machen.

Am anderen Ufer geht es dann wieder in den Bus und zum Berg der Seligpreisungen. Hier wird der Seligpreisungen der Bergpredigt gedacht. Dass der Ort wohl nicht authentisch ist, schadet nicht, hier heiligt das Gedenken so vieler Millionen Pilgerinnen den Berg, die hübsche Kapelle und die blumenreiche Anlage. Das reicht.

Und fühlten wir uns „heiliger“, wenn es ganz exakt die richtige Stelle wäre? Nützte uns die exakte Stelle etwas, wenn wir die Seligpreisungen nicht im Herzen trügen?

Yossi verdeutlicht jetzt, dass Jesus‘ Leben hier überall am See stattfand, hier ging die Karavanenstraße Via Maris entlang, die der Verbreitung der Botschaft diente, in jedem Dorf hier hat Jesus gepredigt und den „einfachen“ Menschen erklärt, dass sie auch in den Himmel kommen können, nicht nur die Reichen, die dreimal im Jahr im Tempel opfern …

Michael liest die Seligpreisungen in einer aktuellen Fassung. Sie fühlen sich hier anders an, als sonst.

Bevor es weitergeht, machen wir das traditionelle erste Gruppenbild. 18 Paxe plus Yossi.

Station Zwei ist die Brotvermehrungskirche in Tabgha. Hier wurde ab 300 n.Chr. der Stein verehrt, auf den Jesus das Brot bei der Brotvermehrung legte. Ein wunderbarer Ort und ein wunderbares Mosaik mit vier Broten und zwei Fischen. Das Mosaik zeigt nicht die fünf Brote, die das Evangelium nennt. Es weist damit auf Jesus hin, der das fünfte Brot ist.

Die Kirche ist prall gefüllt mit bunten Pilgerinnen und Pilgern. Sehr liebenswert. Kameras, Smartphones aller Größen (riesige überwiegen), iPads lichten ab und illuminieren, Selfies, Selfiestangen, Gimbals sind zu sehen. Ich bin still. Ich bin einer von ihnen.

Station Drei ist der Petrusfisch in diesem Laden, wo Yossi traditionell sagt: „Das Loka ist einfach, aber Du sollst ihn ja auch nicht kaufen, sondern nur hier essen!“

Wir sitzen unter Bäumen und schwelgen. LECKER.

Station Vier ist Kapernaum. Hier ist das Haus des Petrus, hier hat Jesus gelebt, hier hat er gewirkt. Über dem Haus des Petrus ist eine schwebende Kirche (wie ein Raumschiff) errichtet. Dass es das authentische Haus ist, gilt als sehr sicher. Es ist aber auch nicht wichtig, da viele, viele Gottesdienste pro Tag, gleich über diesem Haus den Ort heiligen. Auch wir tun dies und feiern hier Gottesdienst für Willi und zum Thema Eucharistie. Ich bete für meine Lieben, für Elke und ihre Mutter und für Angelika, die doch sonst immer mit dabei war. …

Jamil fährt uns nach Ein Gev. Elisabeth verteilt unterwegs medizinischen Arak, Yossi macht Witze. Er sagt, heute gibt es eine klare Nacht. Ich hoffe mal auf die Sichtbarkeit der Milchstraße. Und da es „Ambrott“ erst um 19h gibt, geht da sicher auch was mit dem Sonnenuntergang.

Ja, Sonnenuntergang war gut abzulichten, aber wolkenfrei, das gibt einen Punkt Abzug. Beim Abendessen saß ich bei Yossi. Er erklärte mir die internationale Politik, viel besser aber waren die Geschichten seiner Söhne und die Bilder auf seinem Smartphone in der israelischen Whatsapp Version. Hammer.

Die Milchstraße zeigte sich nicht. Der Hauptteil Richtung des galaktischen Zentrums ist im Frühling noch unter dem Horizont und der kleine Ausläufer, den man hätte sehen können war wohl zu schwach, um sich im hellen Süden zu zeigen.

Nicht authentisches Boot auf dem See Genezareth.

Heilige Gruppe im Heiligen Land. Authentisch.

Kapelle auf dem Berg der Seeligpreisungen. Kapelle authentisch. Seeligpreisungen authentisch. Ort? Nicht authentisch.

DAS Mosaik von Tabgha (ist aber gefuscht, da das Original im Altarraum fotografisch praktisch nicht erreichbar ist, musste hier das Foto einer Postkarte des Originals herhalten)

Die Ruinen von Kapernaum mit der Kirche über dem Haus des Simon bar Jona.

Sonnenuntergang über dem See Genezareth. Authentisch.

Blick bei Nacht nach Süden. Links sind Häuser und Strand von Ein Gev. Rechts am Rand noch etwas vom Sternbild Orion. Aber keine Milchstraße, die etwas mittig im Bild sein sollte.

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Über Florian Seiffert

http://www.seiffert.net
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Eine Antwort zu Tag #03 – Die Wurzeln unseres Glaubens

  1. Angelika Teresa O. schreibt:

    Ganz lieben Dank für Dein Gebet am See, lieber Florian! 🙂
    Bei mir brennt eine Kerze für Euch…

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