Tag #07 – Ein Karem

Der Tag beginnt bei Finsternis um 05:30h. Laudes um 06:00h, Frühstück um 06:30h. Die aufgehende Sonne taucht Bethlehem in goldrosé. Das sieht schon ganz hübsch aus. Abfahrt ist um 07:30h.

Es geht durch die häßliche Mauer. Wir sammeln Yossi ein und schleichen durch den Berufsverkehr nach Ein Karem.

In Ein Karem wird des Treffens von der schwangeren Maria mit der schwangeren Elisabeth gedacht. Das Magnifikat resultiert aus diesem Treffen. Maria antwortet Elisabeth bei der Begrüßung: „Meine Seele preist die Größe des Herrn, und mein Geist jubelt über Gott, meinen Retter. …“ Das ist der Anfang des Magnifikat und ihr könnt alles bei Lukas, Kapitel Eins nachlesen, wenn ihr mögt. Eine sehr schöne Geschichte.

Und Maria muss schon hart drauf gewesen sein, finde ich. Schwanger reist sie (sicher zu Fuß) von Nazareth hier in die Gegend von Ein Karem, bleibt 3 Monate bei Elisabeth, reist zurück nach Nazareth und kommt dann mit Josef und hochschwanger erneut in die Gegend von Jerusalem und bekommt in Bethlehem ihr Kind. Heute würde diese 3 Reisen zu Fuß wohl kaum jemand machen.

Wir steigen im Tal aus und gehen hoch zur Kirche und beten dabei den Rosenkranz.

Ein Rudel Pilgerinnen aus Korea hatte vor uns Gottesdienst und verlässt gerade die Kirche. Sie kommen alle an mir vorbei und ich verbeuge mich vor allen und bekommen viele freundliche Gesichter und Verbeugungen geschenkt. Sehr schön. Der Sonntag fängt gut an.

Nach der Heiligen Messe und der Besichtigung der Johannes-Kirche mit der Geburtsgrotte, fahren wir zur Universitätsklinik von Hadassah. In der Kliniksynagoge gibt es 12 große Fenster von Chagall. Die wollen wir sehen. Eine winzige russische Gruppe ist vor uns und wir sitzen schonmal still und respektvoll in der Synagoge, hören die russische Erklärung von DVD und schauen die Fenster an. Da Yossi gesagt hatte, dass Fotografieren verboten ist (da war er streng!), haben wir die Kameras im Bus gelassen. Als wir sehen, dass praktisch alle außer uns herzenslustig Bilder machen und auch die strenge Aufsichtsdame nichts sagt, kommen erst mir, dann auch Yossi Zweifel und dann ist Knipsen (wie Yossi sagt) doch erlaubt.

Ich habe mein iPhone mit (als Einziger!), denn ein WLan-Jäger geht nicht ohne aus dem Bus. Und so kann wenigstens ich Bilder machen.

Das orthodoxe Elyas-Kloster ist Ort der Mittagsrast und wir gönnen uns kleine Blätter von Salat an Falafel oder Gyros, je nach Geschmack. Aber eigentlich ist die Klosterkirche das Glanzlicht hier.

Das Israel-Museum ist am Nachmittag an der Reihe. Yossi erklärt am großen Modell von Jerusalem zur Zeit des zweiten Tempels, was wo zur Zeit Jesu war und was es davon heute noch (an Resten) gibt. Nur fünf Getreue harren bei Yossi aus, der Rest der Truppe trinkt Kaffe, besucht die Fliesenabteilung oder sucht andere Teile des Museums auf.

Yossi erklärt Geographie und Baugeschichte der Stadt und warum Golgatha einst vor der Stadtmauer lag und heute in der Altstadt ist. Oder auch, warum alle heiligen Stätten im Ostteil der Stadt sind.

Eine Truppe junger Militärs ist auch da und besichtigt das Modell. Yossi sagt, sie sind in der Ausbildung und müssen einmal in der Woche einen Kulturausflug machen. Mir erzählt er noch, sie seien vom Militärgeheimdienst und Computerexpertinnen. Ich zweifle doch ein bisschen. Warum sollte man solche „Geheimnisse“ rumerzählen?

Ich schaue mir noch ein paar große Kunstwerke im Garten an, nachdem wir noch die Schriftrollen vom Toten Meer aus Qumran besichtigt haben. Da es gerade regnet, ist da viel Platz und keine Besucher stören mich.

Nun ist aber Schluss und es geht zurück nach Bethlehem. Wir setzen Yossi ab und Jamil fährt uns zurück.

Dann gibt es aber doch noch einen Halt und Gelegenheit die Sammlung von Klein- und Großheiligkeiten aus echtem hiesigem Olivenholz zu ergänzen und auszubauen.

Ich schaue nochmal nach dem Heiligen Lukas aber da es weder den noch sonst einen Evangelisten gibt, wird es dann die Zweit-Bundeslade. Eine für das Wohnzimmer, eine für 10 vorne. Passt doch.

Dann ist aber doch Schluss und müde, aber glücklich, kehren wir ins Saint Gabriel zurück.

Ein Karem. Freundinnen fotografieren die Statuen der vollschlanken Maria und Elisabeth. Darf man die nicht mit dickem Bauch zeigen?
An der Mauer hängen Tafeln mit dem Magnifikat in verschiedenen Sprachen.

Abgebildet sind pro Fenster einer der Söhne Jakobs, die Stammväter der 12 Stämme Israels sind.
Hier: Ruben, Simeon und Levi.

Judah, Zebulun und Issachar.

Dan, Gad und Asher.

Naphtali, Joseph und Benjamin.

Das Elyas-Kloster. Wunderschöne Kirche. Tolles Licht. Sehr ausdrucksstark gestaltet.

Die Bundeslade Nr.2. Jede(r) sollte zwei haben.

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Über Florian Seiffert

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2 Antworten zu Tag #07 – Ein Karem

  1. Angelika Teresa O. schreibt:

    Danke für die schönen Fotos aus der Synagoge, die kenne ich auch noch nicht, auch nicht das Elyas-Kloster. Gut, dass ich nicht dabei bin, sonst wäre die Versuchung groß in die Ikonenabteilung zu geraten.. ;-D
    Gut´s Nächtle!

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