Tag #10 – Kreuzweg

Der Tag beginnt mit so einem Probefeueralarm. Ein sehr häßliches Geräusch. Man kann nicht orten woher es kommt und was es bedeutet.

Der Alarm verkürzt den Schlaf. Mist.

Um 5 Uhr ist Laudes, um 5:30h geht es zur Auferstehungskirche. Auf Golgotha ist Heilige Messe um 6h. Einer der Paxe fehlt. Mist.

Frühstück in Notre Dame. Dann haben wir Freizeit bis 9 Uhr.

Chef Michael fällt heute wegen Krankheit aus. Mist. Gute Besserung!

So müssen wir den Kreuzweg alleine stemmen. Wir sind alle gefirmt. Das klappt schon. Man möchte sagen: Selbst ist die ChristIn.

Wir stürzen uns durch das Damaskustor in die Altstadt und winden uns Richtung Löwentor und zur Sankt Anna-Kirche. Hier lag der Bethesda-Teich, wo Jesus einen 38 Jahre gelähmten Mann heilt und Ärger bekommt, weil das am Sabbat geschieht.

Die St.Anna-Kirche gedenkt der Geburt von Maria und ihrer Eltern Anna und Joachim.

Die schöne, alte Kirche hat eine wunderprächtige Akkustik und das wird reichlich genutzt. Vor uns singt eine kleine französische Gruppe. Dann singen wir Großer Gott, wir loben Dich.

Wir starten nun den Kreuzweg ein paar Meter weiter auf der Via Dolorosa bei der muslimischen Mädchenschule Omariya und in der Geißelungskapelle gegenüber. Die Via Dolorosa ist eng, aber nicht überlaufen und alle, die hier lang kommen oder hier arbeiten kennen die betenden Pilgergruppen schon. Das macht es beiden Seiten leichter. Die Stationen X bis XIV beten wir auf dem Dach der Auferstehungskirche, weil die „richtigen“ Stationen alle nicht gut erreichbar sind, wie zB. das Heilige Grab.

Ein paar Fotos weiter und ein paar Minuten später, schieben wir uns zur Westmauer des Tempels am Tempelberg. Es gibt Scanner und Kontrollen, dann sind wir auf dem Platz.

Jede heilige Stelle und jeder Stein der Sorte „genau hier war es“ hat ihr eigenes Kribbeln, ihre eigene Ausstrahlung, die eigene Wichtigkeit für jede(n) ganz unterschiedlich. Und ich habe das stärkste Gefühl der Gottesnähe an dieser Mauer, an der Juden seit 70 nChr beten. Es ist so stark, dass ich mich kaum traue, die uralten, glatten, abgeliebten und abgebeteten und glänzenden Steine zu berühren. Ich lege hier das Gebet für Angelika, für Heiligenfeld und meine Familie ab. Ich denke, hier ist es sehr sehr gut aufgehoben.

Elisabeth führt uns noch rauf ins jüdische Viertel. Hier wird von meinen Freundinnen noch geprüft, wie sich der Kaschmir-Preis entwickelt hat, es wird (auf polnisch!) gefeilscht und verhandelt „Du machst mich verriickt – ich habe sieben hungriegä Kinder zu Hause“ und ich kaufe ein paar Armbänder für D*.

Mich führt der Weg zurück zu Notre Dame. Ich lade meine und diverse Akkus auf, dann mache ich mich auf zum Jaffator. Hier kaufe ich für 18 Schekel (4,60€) ein Ticket und mache den Ramparts Walk, den Spaziergang über die Stadtmauer.

Der Weg führt mich ca einen Kilometer über Neues Tor, Damaskus-Tor und Herodes-Tor, wo man nicht mehr weiter kommt und runter muss. Da ich etwas gewartet habe, ist das Licht schon etwas goldener, was die Suche nach einem guten Bild fördert. Von der Stadtmauer bieten sich viele interessante Blicke über die Stadt mit ihren Kirchen und Kuppeln und über die Hinterhöfe und Terrassen mit Kabeln, Satellitenschüsseln, Warmwasseraufbereitungen, Solaranlagen und Wäscheleinen.

Schade, dass man die Stadt so nicht ganz umrunden kann.

Nach dem Abendessen überreicht Elisabeth die Pilgerurkunden.

Morgen fahren wir nach Latrun und sitzen abends im Flieger nach Düsseldorf.

Ein Posting, wenn ich zu Hause bin, habe ich noch vor. Eines zur Technik und evtl. zu den Bildern kommt dann später.

St. Anna-Kirche

Westmauer mit Betern.

Spalte in der Mauer mit Gebetszetteln.

Justina im Basar.

Stadtmauer gebaut unter Süleyman dem Prächtigen.

Blick auf Dächer und den Felsendom.

Blick auf die zwei Kuppeln der Auferstehungskirche.

Am Herodestor geht es wieder runter.

Advertisements

Über Florian Seiffert

http://www.seiffert.net
Dieser Beitrag wurde unter Israel abgelegt und mit , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

3 Antworten zu Tag #10 – Kreuzweg

  1. Angelika Teresa O. schreibt:

    Ach so, beinahe vergessen…
    Beste Genesungswünsche für unseren „CC“! 🙂

  2. Angelika Teresa O. schreibt:

    „Vergeht´s Gott!“ für Dein Gebet an der Klagemauer! Ich danke Dir wirklich sehr!!
    Ja und ich möchte mich auch für Deine so lebendige und erfrischende Berichterstattung bedanken, so sind viele Bilder nicht nur hier im Netz in mir wieder lebendig geworden…
    Kommt gut wieder heim zu Euren Lieben und behüt Euch Gott!! 🙂

  3. D* schreibt:

    Danke für die schöne Berichterstattung, die schönen Bilder.
    Kommt gut heim.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s