30.08.2017, Tag #16 – Qaqortoq

Frühstück um 9:00h. Nebel liegt um das Schiff.
Wir lassen es ruhig angehen. Ruhig heißt heute: Nur das Graved-Lachs-Omelette und Kaffee.
Um 09:30h sind wir beim Vortrag von Axel Krack „Die Zukunft Grönlands und der Arktis“. Viel Physik ist heute dabei. Die Lage ist komplex und der Lektor vermeidet Schuldzuweisungen. Interessant ist seine Theorie, dass das Eis der Arktis in 10- bis 15 Tausend Jahren verschwunden sein dürfte, die Menschheit das aber nicht erlebt, weil sie sich vorher vernichtet hat.
Ich halte dagegen!
Als wir draußen sind, laufen wir mit Ostkurs auf Qaqortoq zu.

Der Nebel hat sich verzogen und die Sonne kämpft sich durch. Wir fahren wieder in eine schöne Fjordlandschaft.
Ein Wal bläst, zeigt seinen schwarzen Rücken, dann seine Fluke und taucht. Mein Wunsch nach Walsichtungen ist schon übererfüllt. Tolle Tiere!
Wir sehen noch ein paar Wassertiere, bekommen aber nicht sofort raus, was es genau für welche sind. Seelöwen? Die Vergrößerung der Bilder lässt mich dann die These aufstellen, dass es Kegelrobben waren.
H* und ich gehen Essen und dann lassen wir uns an Land tendern.

Qaqortoq ist ein kleines Städtchen. Wir machen einen Erkundungsgang durch den Ort. Wir schauen uns Kirche, Supermarkt (keine Gewehre – man geht hier wohl nicht zu Jagd) und Andenkenladen an. Ich gehe noch zur kleinen Bibliothek, die aufgeräumt und nett aussieht. Der Rückweg führt mich am Friedhof vorbei.
Am Anleger geht es aufs Tenderboot und wir tuckern zurück zum Schiff. Das war es mit Landgängen auf Grönland. Jetzt kommen zwei Seetage, dann sind wir in Reykjavík.
Jetzt teste ich nochmal den Internetzugang, der seit heute früh streikt. Ich komme nicht rein. Wrks. Dabei habe ich von meinem gekauften 3GByte-Paket erst 1,2 GByte verbraucht. Ich vermute mal, dass der Leiter der Bord-IT einen schlechten Tag hat. Ich weiß, dass sowas durchaus vorkommen kann.
Ich tapere zur Rezeption. Die nette junge Dame klärt mich auf, dass das 3-GByte-Paket nur 14 Tage gültig ist. Am 16.ten gekauft, dann ist heute am 30.ten Schluss. Toll. Das stand beim Buchen nicht dabei (doch! stand dabei, aber im Kleingedruckten auf einer Extraseite). Warum ist dann kein 21-Tage-Paket im Angebot, wenn die Reise 3 Wochen dauert?
Ich bleibe aber ganz höflich, denn die Dame kann nichts dafür und der IT-Leiter auch nichts (außer, dass sein Internetzugangssystem doof ist und nicht sagt: „Lieber F*, Du hast jetzt 1,01 GB verbraucht, das sind 33%. Dein Zugang läuft am 30.08.2017 um 24:00h Ortszeit Berlin ab. Viel Spaß im Internet!“)
Ich bin sicher eine fähige Controllerin und ein gut gelaunter IT-Leiter hätten in 30 Minuten ein besseres System entworfen an dem Phoenix Reisen immer noch genug Reibach macht und das den Gästen mehr entgegen kommt.
Ich kann mir jetzt ein neues Ticket a 500MByte für 35€ und 7 Tage kaufen oder Streiken und Blog und Threema-Videos erst wieder hochladen, wenn wir Samstag auf Island, Dienstag in Schottland und dann Donnerstag in Bremerhaven sind.
Wenn ihr diese Zeilen lest, schaut auf den Kalender und ihr wißt, wie ich mich entschieden habe.

Ich entspanne mich schnell wieder, denn Grönland ist einfach zu schön, um sich zu ärgern und wer will sich schon den Tag wegen des bloody Internets verderben lassen?
Ich drehe Halbrunden an Deck, denn die Davids der Tenderboote sind ausgeklappt, da ist das Deck dadrunter gesperrt, und Vollrunden sind so nicht möglich. Die Sonne scheint, Boote tuckern in der Bucht und es ist still. Die MS Artania hat geankert, da braucht es die Wummer-Krachmaschine nicht.
Ich helfe dann dem zuständigen Jung beim Einparken von Treppe und Plattform, die für das Tendern gebraucht werden durch kompetente Videos und stilles Anfeuern. Das klappt. Der Jung und ich gratulieren uns. Good work!
Als diese Arbeit vollbracht ist, streue ich Zaubersalz ins Meer und singe überlieferte Wal-Anlock-Lieder, aber es nützt nichts, kein Wal macht Loopings neben dem Schiff. Pech.
H* und ich gehen Essen. Wir ergattern einen Fensterplatz und erleben Auslaufmelodie und den prachtvollen Sonnenuntergang beim Abendessen. Tschüss Grönland. Vielleicht sehen wir Dich noch bei Kap Farewell? Oder ist die Passage in der Nacht? Niemand weiß es.

Und sonst?
Heute gab es wieder kleine Eisberge zu sehen. Also auf dem Meer, nicht auf dem Teller.
Und heute gab es an Land lästige kleine Fliegen, die aber weder gebissen noch gestochen haben. Die Viecher waren nicht lästig genug, um den Mückenschutz auszupacken.
Morgen Mittag!!! haben wir eine Zeitumstellung. 12h nach 13h. Das ist cool, das verkürzt den Tag, nicht die Nacht.

Der Wal zeigt seinen Rücken mit kleiner Flosse.

Dann taucht er ab.

Qaqortoq.

Zebrastreifen.

Friedhof.

Ein Weinchen beim Sonnenuntergang.

Der Mond über der Labrador-See.

fin

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Über Florian Seiffert

http://www.seiffert.net
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2 Antworten zu 30.08.2017, Tag #16 – Qaqortoq

  1. optimisc schreibt:

    Man kann übrigens mit Google Streetview durch Qaqortoq „fahren“ – wird aber schnell langweilig und ist in Realität mit Wind, Wetter und Gerüchen sicher spannender.

  2. M* schreibt:

    Wie ärgerlich! Aber ich bin trotzdem froh, dass sie uns einen Internetzugang anbieten! Und Du ihn so toll nutzt!
    Was ich schon öfter fragen wollte: was ist denn Eure Auslaufmelodie?

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