31.08.2017, Tag #17 – Seetag

Als ich um 08:45h draußen bin, ist das Meer tintenschwarz, eine bleiche Sonne leuchtet steuerbord durch den Hochnebel. Es ist angenehm warm und windstill auf 5vorne.
Omelette und Kaffee um 09:00h. H* möchte in den Vortrag, ich möchte lieber raus.

Wir fahren Kurs Ost-Nordost auf Reykjavík zu. Es ist 12 Grad warm, die Wassertemperatur beträgt 2 Grad. Um 03:30h haben wir Kap Farvel, die Südspitze Grönlands umrundet und sind nun wieder im Nordatlantik unterwegs. Ich schaue noch, ob man Grönland sehen kann, aber nix is. Tschüss Grönland. Du hast mich sehr beeindruckt.
Die Zeitumstellung ist super. Die Borduhren ticken den großen Zeiger in drei Minuten einmal um das Zifferblatt. Von 12 Uhr auf 13:03h. Die Zeit rast.
Ich bin fast die ganze Zeit draußen. Bei dem Wetter am Meer kann man doch nicht drin sein. Auf 5vorne wird es leer, als die Sonne hinter das Schiff zieht und das Kielwasser beleuchtet.
Ich kann in Ruhe nach Walen Ausschau halten. Ich sehe mehrmals einen Blas, dann aber nicht mehr. Es gibt auch keine Eisbären, Eisschollen oder Eisberge mehr. Auch keine Seeungeheuer.
Wir haben den kalten Ostgrönlandstrom verlassen und sind nun auf dem Golfstrom unterwegs. Die Wassertemperatur ist auf 9 Grad gestiegen.

Da wir genug vom blauen Himmel sehen und die Polarlichtwahrscheinlichkeit bereits mittags hoch ist (k=5), hoffe ich auf Polarlicht heute nacht. Dafür lasse ich Shuffleboard, Pilates, Encaustik, Tischtennis, Step Aerobic, Chor, Skat, Stuhlgymnastik, Foto-Bücher, Line-Dance, Dart, Walk a mile mit Silvia, Quiz, Dance Aerobic, Happy Hour, Late-Night-Snack und Golden American Oldies heute mal ausfallen.
Abendessen mit H* um 18:45h (wir wollen nicht immer die letzten sein, deswegen haben wir vorverlegt um 15m). 20:55h. Wir eilen raus. Da ist noch ein Tisch im 4JZ besetzt, oder?
Ich wickel mich in meine Polarausrüstung, montiere das Samyang 12mm und raus. Der Himmel ist klar, der Mond steht steuerbord. Okay. Polarlicht, kannst kommen!
Ich muss bis 10:50h warten, aber es lohnt sich. k ist auf 6 gestiegen und dann reiten die Walküren über den Himmel, dass die Funken fliegen und die schimmernden Rüstung leuchtende Bänder ans Firmament werfen.
Axel Krack, der Lektor ist gekommen, um die Lage zu peilen. Gerade rechtzeitig. Es leuchtet und wird stärker. Ich wecke H* (das darf sie nicht verpassen) und rufe die zwei Paxe auf meiner Alarmliste an.
Auf 5vorne höre ich knurpsige Kritik, als ich wieder oben bin, dass der Käpt’n die Eisscheinwerfer an hat und überhaupt, so ginge es ja nicht.
Ich leuchte mit meiner EDC-Taschenlampe hoch zur Brücke und als ich ein Gesicht sehe, leuchte ich mich an und signalisiere: Bitte Licht aus. Und schwups geht der eine Scheinwerfer aus, dann der andere.
Super! Vielen Dank! Jetzt ist es dunkel. So macht man das!
Nit schwade: jet dunn!

Die Walküren reiten prachtvoll, ich mache Bilder, weitere Paxe machen Bilder und wer blitzt, muss 20€ in die Mannschaftskasse zahlen. Klappt gut.
Ich bin fasziniert und begeistert. Mein schönstes Polarlicht bisher. Ich bleibe draußen. Alle Paxe schon im Bett. Ich kann mich nicht satt sehen. Zum auf die Erde werfen und mit Armen und Beinen trommeln schön.
Dann gehen ich kurz rein. Blog fertig stellen und Tagesvideo bauen. Die Fans haben doch extra Daumen gedrückt.
Das zieht sich alles etwas.
Es ist 02:30h. Aber gleich gehe ich nochmal raus!

Und sonst?
M* hat gefragt: Warum sind manche Eisberge blau?
Es gibt zwei Theorien. Eine (die hessische): Farbwerke Höchst malen weltweit die Eisberge blau!

Theorie zwei: Thompson-Streuung. Das vielfarbige Licht der Sonne – von uns als weiß empfunden – fällt durch die Atmosphäre auf die Erde. Dabei wird das Licht (die Photonen) an den Elektronen der Luftmoleküle gestreut – also aus der Bahn geworfen. Diese (Thompson-)Streuung geht mit der Frequenz (Farbe) in der vierten Potenz. D.h. blaues Licht wird sehr, sehr viel wahrscheinlicher aus dem Sonnenlicht heraus gestreut, als rotes! Vierte Potenz heißt: Verdopple die Frequenz und die Wahrscheinlichkeit, dass ein Photon gestreut wird, versechzehnfacht sich! (verdreifache sie – die Wahrscheinlichkeit ver81facht sich!) Deswegen sehen wir im Himmel mit hoher Wahrscheinlichkeit auf ein Molekül der Atmosphäre, was gerade ein blaues Photon in unsere Augen streut. Folglich ist der Himmel blau. Es ist das blaue Streulicht, was in unser Auge fällt.
Die Sonne ist abends rot (der Mond am Horizont übrigens auch), weil das Licht durch die Atmosphäre ganz viel von den blauen Photonen durch Streuung verloren hat und nur noch die roten Photonen sind übrig, da ihre Wahrscheinlichkeit gestreut zu werden so viel niedriger liegt. Soweit klar?
Jetzt zu den Eisbergen. Wenn ihr Wasser kocht, dann das Wasser abkühlt und Eiswürfel daraus macht, werden es schöne klare, durchsichtige Eiswürfel. Wenn ihr normales Wasser aus der Leitung nehmt, werden die Eiswürfel milchig. Heißes Wasser kann nicht so gut Gase lösen (deswegen ist nach dem Kochen das Gas raus), wie kaltes Wasser. Beim Abkühlen und gefrieren, fallen die im Wasser gelösten Gase als kleine Luftbläschen aus und machen das Eis milchig.
Je nach Geschichte des Eisberges, hat sein Wasser viel oder wenig Gase gelöst, ist er also klar oder milchig oder irgendwas dazwischen.
Die Thompson-Streuung, die den Himmel blau und die Sonne abends rot macht, streut nun auch das weiße Tageslicht an den Luftbläschen im Eisberg oder an den Gasen der Luftbläschen im Eisberg. Das blaue Licht wird stärker gestreut und so leuchtet der Eisberg blau. Analog zur Atmosphäre würde man ein weißes Licht durch den Eisberg rot leuchten sehen.
Okay?

Der Mond steht steuerbord.

Damit geht es los.

Polarlicht und Eisscheinwerfer.

Polarlicht.

Polarlicht.

Polarlicht.

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Über Florian Seiffert

http://www.seiffert.net
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