03.09.2017, Tag #20 – Seegang

Als ich draußen nach dem Rechten sehe, ist es silbrig, nebelig und das Meer wiegt das Schiff sanft und liebevoll.

H* und ich genießen ein schönes Sonntagsfrühstück im 4JZ. Weil so ein schönes Frühstück keine Hetze verträgt, kommen wir zum Vortrag „Grönlands Mythologie“ zu spät. Axel Krack erzählt, dass man gegen das Polarlicht urinieren muss, um Unheil abzuwenden. Ich staune. Hätte ich das vorher gewusst …

Er zeigt aber Bilder vom Polarlicht, die er hier an Bord aufgenommen hat. Dann kann die Nacht vor drei Tagen ja auch für ihn nicht ganz schlecht gewesen sein.

Als ich wieder auf 5vorne bin, leuchtet die Sonne. Nebel und das Silber sind noch da. Ein perfekter Morgen.

Neben mir steht ein alter Seebär, der die Reise auch in vollen Zügen genießt. Er meint, wenn es hart auf hart käme, ginge er lieber unter, als in eine Rettungsinsel zu krabbeln, weil sich da einfach alles gegen alles bewegt. Und er hatte schon Seegang auf einem Fischerboot mit bis zu 40 Grad Schräglage. Da würde einen zermürben, dass man nicht mehr schlafen kann, weil man so hin und her geworfen wird.

Okeeee. Ich bin noch ein bisschen glücklicher, wie schön wir es haben!

Die Sonne scheint, die Liegestühle und Liegen sind im Einsatz. Ich mache ein paar Zeitraffer. Plötzlich hüllt wieder Nebel das Schiff ein, man sieht aber die Sonne noch. Das ist sicher tiefer Hochnebel. Oder Bodennebel. Oder sowas.

Beim Mittagessen sind wir, wahrscheinlich mal wieder, die Letzten. Aber NIEMAND macht uns Beine oder deckt aggressiv unseren Tisch ab oder hängt den Kanarienvogel zu (den es garnicht gibt) oder gib sonst Laute des Unmutes von sich. Alle nett, alle entspannt, WUNDERBAR!

Heute Nachmittag steht „Wiener Kaffeehaus“ auf dem Programm. Unsere Küchenchefin Tamara ist kein Hungerhaken – so muss das auch sein! – und sie stammt aus Wien, da wird sie das Wiener Kaffeehaus besonders gut und lecker gestalten.

Wir ergattern noch beim Mittagessen eine diesbezügliche Speisekarte. Malakofftorte ist die Empfehlung von H* für H*. Zum grünen Tee. Ich gönne es ihr. Ich selbst schaue aber lieber den Wellen und der Sonne zu und freue mich auf Wiener Schnitzel DAS ORIGINAL heute abend.

H* ist sicher, dass wir beim Mittagessen weniger Paxe hatten, als üblich und ein paar Eheleute schlichen auch mit Tee und Keksen ins Treppenhaus. Ob das sanfte Wiegen schon Ausfälle verursacht?

Ich drehe meine Nachmittagsrunden um das Schiff. Der Nebel kommt und geht. Der Seegang bleibt. Auf der Steuerbordseite ist schon Gischt auf dem Deck und auch an meinem Kabinenfenster.

Am Heck sitzt H*. Malakoff war ein Reinfall. Statt Buttercreme im Kuchen gab es Sahne. Das geht garnicht. Schade.

UND heute ist doch auch Fernsehdebatte. Ach?

Ich sitze lieber im Heck und schaue auf die Wirbel im Kielwasser. Auch hier machen die Bläschen das Wasser blau oder blaugrün. Sehr schön. Auf dem Rückweg in den Bug schätze ich mal die Amplitude, die Heck und Bug so rauf und runter gehen. Ich denke das sind gerne 2-3 Meter. Das Bordfernsehen nennt das Seestärke 1 – ruhige See.

H* und ich gehen zum Abendessen. 19:15h. 4JZ. Ich ziehe mir immer ein Hemd an. Wirklich nötig ist das nicht. Es ginge auch T-Shirt. Aber H* ist immer wie aus dem Ei gepellt, da will ich nicht zu weit zurück bleiben.

Wir genießen unser Essen. H* Fisch, ich Wikingerschnitzel.

Dann wird das Küchenteam vorgestellt. Ressort für Ressort. Es gibt viel Beifall. Ganz zu Recht. Am Ende beklatschen wir die Küchenchefin Tamara Richter.

Unser Barkellner Rosalino von den Philippinen stellt sich vor, aber wir kennen ihn ja schon! Er sorgt wirklich immer sehr liebevoll und aufmerksam für volle Gläser. Auch seine Chefin Jenny wird von H* zu einem Bild eingefangen. Auch sie macht ihre Sache 1A und sie lächelt immer freundlich. Das ganze Team sorgt dafür, dass man sich wohlfühlt.

Der Seegang nimmt zu. Der Oberreiseleiter gibt eine Warnung durch. Im 4JZ merkt man fast nichts. Wir rollen auch kaum.

Im Bug in unseren Kabinen merkt man aber ganz gut das Auf und Ab. Und die Wellen schlagen oft hart gegen das Schiff, so, als ob jemand mit Kraft die Stahltür vom Heizungskeller zuschlägt.

Und sonst?

Morgen ist Gala-Abend an Bord von MS Artania. Vorher gibt es Abschieds-Cocktail. Deck 4 ist um 19:15h dran.

Wir sind nicht seekrank!

Das Wetter vor dem Bug.

Nebelbogen am Heck.

Die Sonne versilbert das Meer.

Advertisements

Über Florian Seiffert

http://www.seiffert.net
Dieser Beitrag wurde unter Grönland abgelegt und mit , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Eine Antwort zu 03.09.2017, Tag #20 – Seegang

  1. M* schreibt:

    Das gesuchte Wort könnte Seenebel sein🤓🌊🌫

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s