05.09.2017, Tag #22 – The Forth Bridge

Ich bin um 06:55h auf Deck 10, als wir in den Firth of Forth einlaufen. Es ist dämmrig und noch ein bisschen blaue Stunde und ich habe das Deck eine Weile für mich. Ich liebe Schottland.

Der Lotse kommt an Bord. Ein kleines Boot bringt ihn. Wir passieren dann die Insel Inchkeith, danach sieht man die Pylone der drei Brücken über den Firth of Forth. Die gewaltigen roten Türme der Eisenbahnbrücke und die Pylone der alten und neuen Autobahnbrücken. Langsam passieren wir eine nach der anderen. Neben mir drückt ein Mann den Auslöser seiner Sony und gibt Dauerfeuer. Ich tippe auf 400-600 Bilder, die er da gemacht hat. Es sind wunderbare Brücken, die die Schotten da gebaut haben.
Ich eile zum Heck. Da verfolgt uns ein riesiger Schlepper. Er übernimmt eine Trosse von uns. Warum er das macht wird mir nicht klar. Bisher haben wir immer ohne Hilfe eingeparkt.
Ich gehe Frühstücken, während die MS Artania sichin eine Parklücke im Hafen von Rosyth quetscht. Ein Kran bringt eine Gangway, die sehr lang ist. Jetzt bei Ebbe ist sie flach. Bei Flut liegt das Schiff 4m höher, da wird sie nett steil sein.

Der Zoll kommt an Bord und prüft die Pässe und die Gesichter. Wer besteht darf an Land. Heute geht es schnell. Deck 4 ist kurz nach 10 dran.
Vor dem Schiff steht Sir Walter Raleigh. Er will unbedingt ein Bild mit Wikinger. Ich bin nett und verhelfe ihm zu einem Bild mit mir. Nein, nein, so doch nicht. Er will auch meinen „Famous Tilley Hat – Yes you can put it in your will!“. Okee. Auch das. Ich nehme sein schottisches Barett. Jaaa! Jetzt ist Sir Walther glücklich.
Wir müssen einen Shuttlebus zum Terminal nehmen, obwohl es nur 100m weg ist. Im Hafen darf man nicht frei rumlaufen. Vom Terminal nehme ich noch einen Shuttlebus zum White Gate. Der Bus fährt extra für mich. Dann bin ich aus dem Hafen raus.
Ich marschiere die Straße lang und weiter nach North Queensferry. Da habe ich sie. Meine Brücke. In voller Pracht. So winzig ist dagegen das kleine Örtchen. Der Hammer. Ein toller Kontrast. Ich klappere alle Stellen ab, die eine gute Sicht bieten – also den ganzen Ort. M* und ich haben hier schonmal in einem Sträßlein Tee getrunken. Das Café gibt es noch.
Ich meine, es ist noch nicht genug und ich gehe zurück zur alten Straßenbrücke, die beidseitig Fußgänger- und Radweg hat. Ich nehme die Ostseite, die bietet freie Sicht auf die Eisenbahnbrücke.
Bei dickem Verkehrslärm und starken Vibrationen mache ich mich die 2.5km rüber auf die andere Seite des Fjords. Mit dem Meer im Hintergrund, bieten sich tolle Blicke. Ich bin ganz hingerissen.
Am anderen Ende bewacht ein jugendlicher Polizist die Brücke.

Ich suche nun die guten Plätze in South Queensferry auf. Auch von hier sieht die Brücke super aus. Als ich fast alle Stellen erkundet habe, sehe ich eine steile Treppe, die zur Haltestelle Dalmeny führt. Da kommt mir der kühne Gedanke, die Brücke mit dem Zug zu befahren. Das Ticketsystem ist elektronisch und der Compi kann sogar deutsch. Und er mag meine EC-Karte (da ich keine Münzen habe). Perfekt. Ich nehme das kleinste Ticket, was geht. Kostet 5,30£. Ich hätte auch das doppelte noch bezahlt. Ich suche mir einen Zug, der auch drüben gleich hält und nicht erst in Aberdeen. Ich muss nur 15m warten, dann darf ich.

Ein moderner Nahverkehrszug hält, ich klettere rein, nehme einen Fensterplatz und freue mich, wie wir einfach nur über die Brücke fahren. Toll. Ist wie im Spieleparadies.
In North Queensferry ist der Spaß auch schon zu Ende. Drei Minuten!Trotzdem. 1A. Super Sache.
Jetzt springt mich ein Gefühl an, was ich schon länger nicht mehr kenne. Hm. Wie heißt das doch gleich?!
Ach richtig: Hunger.

Ich dackel den Berg runter in unser altes Café, wo eine Lady meinem ausdruckslosem Gesicht die Speisekarte erklärt. Zum Glück gibt es auch etwas schriftlich und ich entscheide mich für Warp Schnulli Bulli und Ginger Beer. Das Essen ist super. Das Beer ist eine scharfe Ingwerlimonade – scheußlich. Die macht mir aber so viel Freude, dass ich fast noch eine nehme. Wunderbar.
Als ich raus komme, hat der Regen aufgehört und die Sonne scheint. Ich wiederhole ein paar Aufnahmen nun bei Flut und Sonne.
Den Rückweg finde ich leicht und bin bald am Hafen, wo mich dann zwei Busse zum Schiff bringen.

Ich bin laut GPS-Track ca. 19km gelaufen. Ganz gut, finde ich.
Heute gehen H* und ich früh essen, dass ich zum Auslaufen und zur Brückendurchfahrt draußen sein kann.
Ich liebe Schottland.

Blaue Stunde.

Unterquerung.

North Queensferry.

Forth Bridge von der Autobahnbrücke aus.

Jetzt noch in der Sonne.

Ein perfekter Tag.

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Über Florian Seiffert

http://www.seiffert.net
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