22.01.2018 #13 – Anaga-Gebirge

Heute vor 50 Jahren starb mein Großvater Egbert Harbert. Im Eicholz in Arnsberg gibt es eine sehr alte Eiche, daran hängt ein Schild mit einem Spruch von ihm: „Seit ich hier stehe, habt ihr Autos, Eisenbahnen und Flugzeuge erfunden, aber nichts, was euch die köstliche Ruhe des Waldes ersetzt!“

An den Spruch muss ich denken, als ich heute mit M* im Anaga-Gebirge unterwegs bin. Es ist wirklich ruhig hier, richtig ruhig. Wann hat man sowas köstliches heute noch?

Beim Frühstück lacht die Sonne vom Himmel und M* möchte in den Wald. Bei Sonne ist es da ja auch besonders sehenswert! Da die Wanderung im Anaga-Gebirge immer wunderschön ist, ist die Sache geritzt.

Wir fahren die Autobahn, biegen hinter La Laguna links ab und kurven dann immer höher. Pflichtstop ist ein Aussichtspunkt mit Blick über fast ganz Teneriffa. Der ältere Herr, der hier das clevere Geschäft des Einweisers betreibt, ist auch noch da. Wieder mit oranger Warnweste.

Wir parken bei La Ensillada, einem kleinen Parkplatz. Weil der schon voll ist, stellen wir uns an den Rand der Straße.

Das Schild, dass man angemeldet sein muss, um hier zu wandern und dass man 600! € zahlen muss, wenn man ohne Genehmigung wandert, ist verschwunden. Sehr gut! Wahrscheinlich haben alle Einheimischen und alle Paxe (hallo Costa Rica!) das Schild ignoriert und sich doof gestellt, wenn dann doch mal Kontrolle war. Vielleicht hatte dieser zivile Ungehorsam Erfolg.

Los geht es in den Urwald. Der Urwald ist hier ein Laurisilva, ein Lorbeerwald. Er wirkt immer irgendwie verzaubert und magisch. Ich würde mich über Dinosaurier oder Feen und Elfen nicht wundern. Riesige Farne gibt es hier und eine Pflanze, die wie Löwenzahn aussieht, aber der Löwenzahn hat kleine Stämme. Die Bäume haben Bärte, alles ist feucht (und etwas glatt) und bei Sonne ist es strahlend grün überall. Heute zwitschern sogar Vögel – ansonsten ist es aber still, richtig still.

Wir steigen zunächst hoch zum Chinobre, einem Gipfel von 909m. Hier bietet sich eine prachtvolle Aussicht auf den grünen und dichten Wald, auf den Teide, auf Bergrücken und das Meer. Erstmals können wir von hier aus die Nachbarinseln La Palma und auch Gran Canaria sehen. Ihre Gipfel ragen über die Passatwolken.

Weiter gehts zum Aussichtspunkt Piedra La Jurada und zu einem mächtigen Felsen, der wirkt, als hätte ein Riese ihn hier in den Kamm geschlagen. Das ist der Roque de Anambra und er soll ein altes Guanchenheiligtum sein. Es ist aber kein Gouanche (also Ureinwohner) mehr da, den man fragen könnte, ob das stimmt.

Am Aussichtspunkt Cabezo del Tejo wenden wir. Wo wir bisher auf dem Kamm gingen, geht es nun eine Forstpiste weiter unten am Hang wieder zurück. Schließlich erreichen wir die Straße und steigen nun auf dem Weg La Chamuscada wieder durch den Wald zurück zum Kamm (da wir keine Straße laufen wollen). Bereits golden wirft die Sonne ihre Strahlen durch die Bäume und bei einem solchen Licht, muss man einfach nochmal auf den Chinobre steigen – immer auf der Jagd nach dem besten Bild.

Und ja, es lohnt sich. Wolken wehen über den Kamm unter uns. Bezauberndes, weiches Licht liegt auf Wald und Gebirge. Hin und wieder zeigt sich Mutter Teide und über das Meer sieht man immer noch die schwarzen Gipfel der Nachbarinseln. Dazu herrscht eine fast vollständige Ruhe. Ein Greifvogel schwingt sich lautlos in die Luft. Ein Adler? Wunderschön!

Wir verharren hier still eine Weile und genießen den Blick und die Ruhe.

Nach kurzem Weg sind wir zurück am Auto. Es geht zurück.

Seltsame Windgeräusche während der Fahrt wundern uns. Schließlich macht M* ein Fenster, was nicht richtig in seiner Dichtung sitzt, als Quelle aus. Ich wundere mich kurz, wie kann das passieren? Das Fenster war doch ordentlich zu – finde aber erstmal keine Lösung. In La Vega Lagunera kaufen wir nochmal ein. An der Kasse staunt erst M*, dann ich: In M* Portemonnaie sind keine Scheine mehr. Jetzt wird klar, was das mit dem Fenster war.

Jemand hat durch das Fenster das Auto aufgebrochen und M*’s Portemonnaie gefunden und (sehr geschickt nur) das Bargeld gestohlen. Alle Karten sind noch da.

Die Stimmung auf der Fahrt nach Hause ist ein klein wenig getrübt, aber recht professionell führen wir erstmal ein Organisationsgespräch. Was ist zu tun?

Wir rechnen damit, dass die oder der Bösewicht die Nummern und Codes der EC-, Kreditkarten etc. notiert oder fotografiert haben könnte. Die Frage ist, was kann er oder sie damit anfangen. Dämlich ist ja, dass auf der Kreditkarte alles steht, was man braucht, um online einzukaufen. Kam mir schon immer dämlich vor. Nun ja. M* telefoniert noch vom Auto aus mit ihrer Bank und wir sperren, was zu sperren ist. Kein Risiko eingehen. Das Problem, wie M* jetzt an Geld kommt, wenn ich zurück zu Hause bin, lösen wir auch noch irgendwie.(M* ist ja sehr sparsam.)

Natürlich kann man sich grämen, dass man Bargeld im Auto hatte, aber wenn wir überfallen worden wären und mein Bargeld (immer am Mann) wäre weg, hätten wir gesagt: Hätten wir es doch besser im Auto gelassen. Nun ja. Uns ist nichts passiert. Und die schönen Eindrücke der Wanderung und die schönen Bilder nimmt uns auch niemand.

Kein Grund sich über Tag #13 zu ärgern, finde ich.

Mein Großvater mit „ja wer ist denn das?“

Aussichtspunkt „Senior Warnweste“.

Laurisilva.

Teide vom Chinobre.

Baum mit Bart.

Feen und Elfen.

Nochmal der Blick vom Chinobre.

Sonnenuntergang mit Teide.

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Über Florian Seiffert

http://www.seiffert.net
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2 Antworten zu 22.01.2018 #13 – Anaga-Gebirge

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