Wien #2 Mittwoch 21.02.2018

Die Morgenherausforderung ist es ein 3-Tages-Ticket für den Nahverkehr in Wien zu kaufen. Ich will das via Smartphone machen und ich hätte es am liebsten ohne Papier. Von der Wien-App hatte Opti* abgeraten (Du musst gefühlt eingeben: 7 Generationen der Vorfahren, alle jemals vorhandenen persönlichen IDs+Passwörter, alle Kontoverbindungen seit 1870 … und das pro Aufruf!). Online kann man das gewünschte Ticket kaufen, finde ich heraus. Aber … (Doofe Webseite, keiner erklärt, was eine Printansicht auf dem Smartphone ist, die Kreditkarte will einen SecureCode, was war das nochmal? eTicket kommt als Download ZUM AUSDRUCKEN (Hallo?!!), Wrks, Drucker gibt es am Gäste-PC im Hotel (Hurra!), alle Browser veraltet, können Download nicht, … per Email an GMX als Anhang, GMX auf PC, da EMail aufrufen und dann endlich ausdrucken. Klappt) Ich frage mich bei sowas immer: Wie schafft man das, wenn man keinen IT-Hintergrund hat?

Mit dem ausgedruckten eTicket mache ich mich auf den Weg. Wien bei Schnee und grauem Himmel hat auch was. Ich fahre mit der Linie 1 – tolle alte Straßenbahn – und laufe dann zum Juridicum. Die Tagung ist schlecht ausgeschildert. Am Zweiteingang kein Hinweis auf Inetbib-ODOK. Ich schaffe es aber. Anmeldung und ab zu den Vorträgen.

Eine sympathische Dame erzählt über Ihre Liebe zu Büchern … Ich denke, jede(e) hier im Saal hat eine ähnliche Geschichte und mir erschließt sich nicht so ganz, was ich hier lernen kann… Kathrin Passig danach ist sehr interessant. Schattenbibliotheken. Es geht um die klar illegalen Angebote, Artikel, die man legal nicht bekommt, durch Piraterie oder vielleicht auch halbseiden zu besorgen. Das erinnert mich an die Prohibition. Wenn Alkohol nicht zu bezahlen ist, dann „muss“ man halt schmuggeln (oder Selbstbrennen – was bei Artikeln aber nicht geht). Und ich verstehe auch sehr gut, dass z.B. Menschen ohne Bibliothekszugang einfach keine Chance haben. Soll man echt $50 bezahlen für einen Artikel, den man erstmal sehen muss, um zu beurteilen, ob man ihn braucht? In Afrika kann $50 leicht ein Monatseinkommen sein. Kein Wunder, dass es Wege um die hohen Bezahlhürden der Verlage gibt. Und warum Bibliotheken nicht rigoros dagegen vorgehen? Wer soll den Aufwand betreiben und Blacklists pflegen, um die laufend wechselnden Domains von Sci-Hub und Co nachzuhalten? Warum sollen Bibliotheken da die Internet-Polizei sein?

Ich frage morgen in meinem Vortrag: Wie sähe wohl eine Welt ohne Urheberrecht in der Wissenschaft aus? Es gäbe keine Schattenbibliotheken mehr, man käme an alle Artikel dran, wenn sie denn im Netz sind! Und gäbe es Autorinnen oder Autoren, die dann Hunger litten? Ich wüsste es gerne!

Ich habe bei allen meinen wissenschaftlichen Artikel auf den Schultern von Riesen gestanden (um es mal mit Sir Isaac Newton zu sagen). Und ich finde es nur fair und richtig, wenn ich das wenige, was ich an eigener Leistung dem Gebäude Wissenschaft hinzufüge, auch wieder der Allgemeinheit zur Verfügung stelle – weil ich von der Allgemein profitiere, gebe ich ihr etwas zurück! Damit dann auch auf meinen Schultern WissenschaftlerInnen stehen können. Ich habe nie einen Cent für meine Publikationen bekommen und auch nie einem Verlag irgendwas unterschrieben. Von mir aus könnten alle wissenschaftlichen Artikel weltweit frei verfügbar sein!

Richtig cool ist ein kleines Schauspiel von Prof. Dr. Achim Oßwald, Martin Iordanidis zum Thema Archivierung persönlicher digitaler Daten. Ja, da muss man sich drum kümmern. Ab und zu muss man schauen, was man an alten Daten auf CDs, Kassetten, Bändern etc. noch hat. Und eine Bibliothek könnte schon Fachleute parat haben, die daraus etwas machen, was man auf der Festplatte speichern und wieder mit nach Hause nehmen kann. Ich bin dafür!
Oder seid ihr euch alle sicher, dass ihr die Bilder und Texte auf euren Smartphones und PehZehs in 50 Jahren auch noch habt? Denkt daran: Kein Backup – Kein Mitleid!

Das Tagesglanzlicht ist aber die Fluide Bibliothek. Es gibt einen ganzen Themenblock. Coole Konzepte und Lösungen für das Problem: Wie finde ich ein Buch wieder, was man irgendwo in der Bibliothek ins Regal gestellt hat. Wie „klumpen“ Bücher zusammen, wenn Leserin und Leser die Bücher, die sie interessant finden zusammen ins Regal stellen? Was findet man in der Bibliothek, was man nicht gesucht hat, aber trotzdem für einen interessant ist? Ich habe sofort Lust auf so eine Bibliothek! Ich muss mal mit Chefin sprechen.🤗

Ein Sektempfang mit Häppchen beschließt die Tagung heute. Tag Eins war schonmal super!

Interessant sind auch die vielen Gespräche beim Kaffee und am Rand. Was man nicht alles erfahren und weitergeben kann.

Ich fahre zum Hotel und esse noch etwas. Ich mache noch ein paar Bilder im Hotel – von Wien konnte ich heute nicht so viel ablichten. Die Treppe des Erzherzogs ist schon faszinierend.

Juridicum noch leer.

Ausgang am Abend.

Straßenspiegel.

Tiefe!

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Über Florian Seiffert

http://www.seiffert.net
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