Dienstag, 09.04.2019 – #9 Ölberg, Berg Zion, Kaufrausch

Die frühe Weckzeit spendiert uns den goldenen Sonnenaufgang über der Stadt Davids.

Um 07:00h brummt der Bus.

Wir steigen am Mount of Olives (Ölberg) wieder aus. Yossi erklärt uns hoch über Jerusalem die Stadt und die letzten Tage Jesu. Dann erklärt er den jüdischen Friedhof vor uns. Warum kommen bei Juden keine Blumen aufs Grab? Sie vertrocknen in der Wüste!

Stattdessen legt man Steine auf die Grabplatte. „Stein symboliert Ewigkeit“, sagt Yossi. Und wenn die Auferstehung ist, haben die Juden gleich Steine zur Hand, um den Tempel wieder aufzubauen!

Die nächste Station: Der Herr weinte – Dominus Flevit. Diese kleine Kirche steht auch im Ölberg. Sie schaut auf die Altstadt und ist genau auf die Grabeskirche ausgerichtet. Wir nehmen uns Zeit. Im Schatten der Bäume schaut man auf den Felsendom – so ein prächtiger Bau. Und bescheiden dahinter die schwarzen Kuppeln der Grabeskirche. Mir gefällt, dass die Christen nicht die erste Geige spielen.

Um 10 Uhr sind wir in der Kirche aller Nationen. Hier wird vor dem Altar ein Felsen verehrt, auf dem Jesus nach der Überlieferung Todesangst hatte und sein Schweiß, wie Blut war. Hier feiern wir Heilige Messe. Rabbuni Michael predigt über „Dein Wille geschehe“. Jesus nahm die Sünden der Welt auf sich, obwohl er diesen „Kelch“ nicht wollte und auch wir sind aufgerufen, Dinge, die wir nicht ändern können oder manchmal auch nicht wollen anzunehmen und auszuhalten. Jeden Tag neu!

Wir fahren zur Pater Noster Kirche. Eine Kirche weiter oben auf dem Berg. Hier wird des Ortes gedacht, an dem Jesus seinen Jüngern das „Vater unser“ beibrachte. Wir beten natürlich ein „Vater unser“ zusammen.

Überall gibt es Kacheln mit dem „Vater unser“ in verschiedenen Sprachen. Zur Zeit sind es etwa 140. Ne Tafel mit uns kölsche Sproch fählt! (Ich muss mal mit Kardinal Woelki sprechen… ).

An der polnischen Tafel machen mir Gabriela, Irmgard und Renate die Freude und beten das „Vater unser“ auf polnisch.

Yossi betet es uns dann noch auf aramäisch vor. Das ist die Sprache, in der es Jesus gebetet hat.

Yossi stellt uns dann noch das Schma Jisrael (Höre, Israel!) vor – es ist das jüdische „Vater unser“ aus Deuteronomium 6,4-12. Rabbuni Michael liest es uns vor. Es endet mit:

„… nimm dich in Acht, dass du nicht den Herrn vergisst, der dich aus Ägypten, dem Sklavenhaus, geführt hat.“ Starke Worte.

Ich meine, dem Schma Jisrael kommt heute mehr als die offensichtliche Bedeutung zu. Denn wir nehmen Abschied von Yossi. Er fährt heute noch nach Hause, nach Haifa, um an der Parlamentswahl teilzunehmen. Briefwahl gibt es in Israel nicht. Yossi sagt, wenn wir uns hier nicht mehr wiedersehen, dann im himmlischen Jerusalem! Tschüss Yossi! Vielen Dank! Und alles Gute!

Wir fahren zum Mittagessen.

Och!? Ja: Nochmal das Mar Elyas. Heute nehme ich den Salätchenteller mit Falafel.

Der Bus brummt nach einer Stunde wieder. Es geht zurück zum Zionsberg. Wir besichtigen den sogenannten Abendmahlssaal, einen schönen Raum aus der Kreuzfahrerzeit.

Allerdings ist sicher, dass das Abendmahl hier am Zionsberg war, denn nur hier gab es zur Zeit Jesu zweistöckige Häuser. Und das Abendmahl fand in einem Obergemach statt.

Für die Dormitioabtei gleich um die Ecke bekommen wir fast eine Stunde Zeit. Wir können die schöne Kirche und die noch schönere Krypta auf uns wirken lassen.

Ich setze mich nach unten in die Krypta. Hier liegt eine Statue der toten Maria. Sie soll hier im Kreis der Apostel gestorben sein. Ihr (leeres) Grab verehrt man am Fuß des Ölbergs.

Eine Weile sitze ich da ganz still. Dann kommt eine Gruppe Amerikaner. Sie machen Bilder, dann Selfies, dann singen sie die amerikanische Version des Salve Regina. Sehr schön! Dann sind sie raus.

Dann kommen Franzosen. Sie singen leider nicht, fotografieren aber das Bild in meinem Rücken und mich gleich mit. Dann beten sie zusammen, ich meine ein Gesetz des Rosenkranzes.

Sehr bunt, sehr vielfältig. Ein paar Gruppen hätte ich gerne noch zusammen mit der stillen Maria angeschaut.

Wir brummen dann nach Bethlehem und zum Good Shepherd’s Store. Da gibt es dann (endlich) den Kaufrausch! Alle Andenken, die zu kaufen sind, werden hier bei christlichen Palästinensern gekauft. In kaum einem Korb ist nicht wenigstens der Boden bedeckt. Nach einer Stunde, ebbt es schließlich ab. Die meisten Männer sind schon lange im Bus, die Kreditkarte in der fest geschlossen Faust. Langsam füllen sich die Plätze und Frau preist Frau auf der kurzen Fahrt zum Hotel glücklich ihre Schätze an.

Zum Ammbrod wird allseits neuer Schmuck getragen und mit Ahs und Ohs begrüßt. Und natürlich ist der meiste Kauf für Kinder und Enkel.

PS: Dankeschön für die vielen Grüße, Kommentare, EMails, Threemas und WhatsApps. Mer freue sich!

Tagesvideo:

https://youtu.be/LEWoWBza9Fc


Bethlehem zum Sonnenaufgang.


Jerusalem mit Grabeskirche und Felsendom.


Jüdischer Friedhof.


Dominus Flevit.


Felsen in der Kirche aller Nationen.


Pater-Noster-Kirche


Dormitioabtei.


Die stille Maria in der Krypta.

Morgen steht auf dem Plan:
06:00 Wecken
06:30 Laudes
06:45 Koffer vor der Tür
07:00 Frühstück
08:00 Im Bus
Geburtsgrotte, Milchgrotte, Hirtenfelder.

Über Florian Seiffert

http://www.seiffert.net
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