Montag, 08.04.2019 – #8 En Kerem, Via Dolorosa, Klagemauer

Das Morgeninternet ist dick genug und ich lade das gestrige Tagesvideo in die Wolken.

Gutes Frühstück, guter Tag!

Um 07:50h sind alle im Bus und wir fahren über die hässliche Grenze, Yossi abholen.

Yamil fährt uns dann raus aus Jerusalem, nach En Kerem. Yad Vashem liegt rechter Hand.

Beim Aufstieg zur Magnificat-Kirche beten wir den Rosenkranz. Eva betet vor.

Die Heilige Messe wird heute durch Gesang und Orgelbegleitung von Marcus zusätzlich verschönert. Die Magnificat-Kirche in En Kerem gedenkt des Besuches von Maria bei Elisabeth. So stehen Lieder und Gebete zu Maria im Mittelpunkt. (Elizabeth kommt etwas kurz).

Wir steigen wieder ins Tal runter und zur Johannes-Kirche auf der anderen Seite wieder hoch. Die Kirche gedenkt der Geburt von Johannes dem Täufer. Da in der Kirche gerade kein Gottesdienst ist, singt Eva für uns das Ave Maria, Marcus spielt Orgel. Das ist schon was besonderes!

Und weiter geht es.

Das Kloster Mar Elias wurde im 6. Jahrhundert gegründet. Es ist eines der ältesten durchgehend genutzten christlichen Klöster überhaupt. Wir fahren hier nicht wegen der Heiligkeit hin, sondern wegen des Mittagessens.

Ich nehme den putzigen Falafelteller für umgerechnet 11€.

Pilger-Programmpunkt-Zwei heute ist der Kreuzweg. Yamil fährt uns zur Stadtmauer und wir laufen zum Löwentor. Vor dem Kreuzweg liegt noch die Annakirche. Sie hat wohl die beste Akustik in Jerusalem. Eva singt noch einmal, wunderschön das Ave Maria zur Ehre von Anna und Maria und uns zur Freude.

Dann beten wir den Kreuzweg auf der Via Dolorosa. Das ist – so gut man weiß, der Weg, den auch Jesus von der Burg Antonia zur Kreuzigungsstätte gegangen ist (allerdings 9m unter dem heutigen Straßenniveau).

Michael und Eva beten vor, Rabbuni Michael und Yossi gehen vorne, ich passe hinten auf, dass niemand ausbüchst (ich vereitel 4 Versuche) oder zurückbleibt (zwei). Das klappt ganz gut.

Da man als römischer Katholik nicht überall in der Grabeskirche beten darf, beten wir die letzten Stationen auf dem Dach. Dann geht es runter auf den Vorplatz.

Hier ist alles voll mit vielen Menschen – Pilgern, Touristinnen, Händler. Sie alle kommen zu einer der ältesten Kirchen der Christenheit und zu einer ihrer heiligsten Stätten.

Ich berühre vorsichtig den Salbungsstein, dann steige die steile Treppe hoch zur Kreuzigungsstätte Golgatha. Überall ist es voll, aber es stört mich nicht. Ich bete, wie auch den Kreuzweg heute für die Heiligen Feldfrauen und -Männer. Der Herr wird dafür sorgen, dass alles gut wird!

Auch am Heiligen Grab selbst, der Ädikula ist sehr viel Betrieb. Ich stelle mich nicht an. Yossi sagt: Warum wollt ihr ein leeres Grab anschauen? Er ist auferstanden! Da hat Yossi recht.

Mich zieht es noch durch die dunklen Gänge. Was für ein Durcheinander. So bunt und so vielfältig Menschen und ihre Gottesvorstellungen sind, so vielfältig sind hier rissige Bodenplatten, Steine, Architektur, Altäre und Kunstwerke. Ich habe meine große Freude daran. An der Treppe runter zur Kreuzauffindungskapelle sind uralte Kreuzrittergraffiti in den Stein geritzt. Kleine Kreuze der Kreuzritter, sie sagen: Ich war hier. Heute ritzt man nicht mehr, man macht Selfies oder Tagesvideos :-).

Trotz der Hektik und scheinbaren Andachtslosigkeit, berührt mich diese Kirche immer besonders. Durch diese alten Steine ist man Gott näher.

Ich bestaune noch die uralte Eingangstür. Sie ist rissig, zerkratzt, schief, schräg und mächtig. Eine ganz wunderbare Tür.

Nach dem heiligsten Ort der Christenheit, geht es zum heiligsten Ort des Judentums. Durch die engen Gassen und Basare gehen wir langsam zur Klagemauer – det Western Wall. Hier kommen Juden dem Allerheiligsten des alten Tempels gefahrlos nahe. Hier beten sie Tag und Nacht, seit sie im 6-Tagekrieg die Altstadt eroberten.

Auch wir dürfen hier beten und ein paar Aufnahmen machen. Michael hat netterweise ein Stück Papier für mich und ich kann meine Bitte aufschreiben und in eine Mauerritze quetschen. Dankeschön.

Ich würde ja gerne noch an einem Heiligen Ort des Islam beten, aber man kommt nicht einfach auf den Tempelberg und man kommt als „Ungläubiger“ nicht in den Felsendom.

Wir setzen Yossi bei seinen Schwestern ab und fahren zurück nach Bethlehem. Um 18:45 gibt es „Ammbrod“.

Wieso kribbelt es mich, wenn ich die uralten Steine der Klagemauer anfasse oder meine Hände auf den Salbungsstein oder das Heilige Grab lege? Warum ist mir Gott dann näher?

Ich möchte es mit der Liebe zu meiner Frau vergleichen. Ich fühle mich ihr fast immer nahe. Wenn ich ihr eine Nachricht per Brief oder Mail oder WhatsApp schreibe, fühle ich mich ihr näher. Noch näher fühle ich mich ihr, wenn ich mit ihr spreche, z.B. am Telefon. So richtig nahe ist es aber erst, wenn ich sie anfassen und umarmen kann.

So ist es für mich auch mit Gott. Sprechen (beten) kann ich immer und jederzeit. Näher ist im Gottesdienst beim Empfang der Heiligen Kommunion oder als Kommunionhelfer. Und so, dass ich Tränen in den Augen habe, ist in der Grabeskirche und an der Klagemauer. Und es ist dabei nicht wichtig, dass der Ort des Kreuzes oder des Grabes auf den Millimeter genau feststeht. Mir reicht schon zu wissen, dass viele, viele Menschen hier geglaubt haben. Ihre Gebete stecken in den alten Steinen. Ich kann das spüren. Das ist der Grund, warum ich als Pilger immer wieder ins Heilige Land komme und warum ich immer wieder meine Liebe umarme.

Tagesvideo:

https://youtu.be/wcOjM_odx10


Heilige Messe in En Kerem.


Annakirche in Jerusalem.


Golgatha.


Kreuzfahrergrafitti.


Tür der Grabeskirche.


Klagemauer mit Gebets- und Wunschzetteln.

Morgen geht es früh los:
05:30 Wecken
06:00 Frühstück
07:00 Abfahrt
10:00 Heilige Messe in der Nationenkirche.

Über Florian Seiffert

http://www.seiffert.net
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2 Antworten zu Montag, 08.04.2019 – #8 En Kerem, Via Dolorosa, Klagemauer

  1. Lydia Schnabel schreibt:

    Guten Morgen,

    wunderschön, Dein Bericht. Fühle mich an 2015 erinnert und mir läuft eine Gänsehaut über den Rücken. Danke für Deine Mühen!
    Bitte Grüße alle Pilger und Pilgerinnen von Helge und mir! ( Drückerchen für Papa. )
    Eine gute und zügige Heimreise, anders als von Polen

    LG
    Lydia

  2. AT schreibt:

    Jerusalem, du ewige Stadt!
    Ja, auch mich berührte es immer sehr, wenn mein erster Blick auf diese wunderbare Stadt fiel, hier sein zu dürfen ist etwas sehr Besonderes und ein großes Geschenk.
    „Dominus flevit!“
    Diese Stadt birgt für mich viele Emotionen, Spannungen, Tod, Trauer, tiefen Schmerz, aber auch die Freude über die Auferstehung, die auch wir Menschen jeden Tag neu erfahren dürfen, besonders spürbar, wenn wir schwere Stunden des Leids losgelassen und überwunden haben.
    So ist für mich in Jerusalem ein ganz besonderer Ort die Klagemauer. Hier erlebte ich und berührte mich eine besondere, sehr intensive Gebetsatmosphäre. Und es ist wahr, das Grab ist leer!
    Ich wünsche Euch allen weiterhin tiefe Erfahrungen des Glaubens…

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