8. September

Ich sitze im Hochsitz über einem ausgetrockneten Wasserloch. Bisher habe ich meine lieben Farmer noch nicht dazu bewegen können, mir eine Arbeit zu geben. Ich habe ein wunderschönes, luftiges Zimmer, mein Bett ziert ein echtes Leopardenfell mit Kopf und Krallen.

Ich werde wie ein lieber Gast behandelt, nicht wie jemand, der zum Arbeiten kam. Ich hätte schon lange eine lange Liste mit nötigen Arbeiten notiert und würde diese gleich großzügig verteilen. So ist man hier nicht. Die Hausherrin hat zwar gern Gesellschaft und erzählt viele interessante Dinge – was mir sehr recht ist, da ich gern lerne. Aber sie ist ungeübt im transportieren ihrer Sorgen und der notwendigen Arbeiten. Der Hausherr macht gern sein eigenes Ding und lässt sich dabei nicht helfen. Offenbar ist auch er keine Hilfe gewohnt. Oder vielleicht stelle ich mich zu doof an? Ich soll erst einmal ankommen und mich akklimatisieren. Also sitze ich auf dem Hochstand und warte geduldig auf Tiere. Die Situation ist tieretechnisch schwierig weil:

Der Wind ungünstig steht und ich auch noch Handcreme benutzt habe, die (für mich, aber nicht für das Wild) gut riecht.

Ich mich sicher zu viel bewege, ich lerne gerade, Zeit zu haben und nicht permanent in Aktion zu sein.

Kein Wasser im Wasserloch ist.

Es Mittags nicht so viel Betrieb am Wasserloch gibt.

Meine bisherige Ausbeute beschränkt sich auf zwei Warzenschweine, diverse unbestimmte Vögel, eine Libelle und jede Menge Fliegen. Man denkt immer, Afrika ist so voll von Tieren. Das ist sicher auch so, nur nicht da, wo ich bin. Also genieße ich die Stille, das Rauschen des Windes in den Zweigen der trockenen Bäume. Die Regenzeit ist dieses und letztes Jahr ausgefallen und alles schreit nach Wasser. Trotzdem schlagen noch einige Bäume aus und blühen, was das Zeug hält. Doch zurück zur eigentlichen Übung: stillhalten und Tiere sehen.

Hinter mir scheppert der Zaun, ich drehe mich um – zu schnell – und sehe, dass drei Warzenschweine unter dem Zaun durchgekrochen sind. Das ist möglich für so kurzbeiniges Getier, weil nur jeder 6. Zaunpfosten den Boden erreicht. Die 5 dazwischen sind der Termiten wegen schwebend.

Jedenfalls haben selbst die kurzsichtigen Schweine meine Bewegung entdeckt und drehen ab. Schweinerei! Eine Herde Affen schleicht zu weit weg durchs Gezweig. Ich beschließe, auf die Fotopirsch zu gehen.

Hier darf man nicht einfach alles schießen. Es braucht für jeden einzelnen Abschuss eine Genehmigung. Auch auf dem eigenen Land. Außer Oryx, da gibt es genug. Hier wird aus Respekt vor dem getöteten Tier alles verwertet. Nicht nur das Fleisch. So z.B. auch Innereien zum Verzehr, die Knochen für das Wild, das Fell für Deko und die Füße und andere Teile als Hundefutter. Hier hängt ein Netz im Schatten, da trocknet Lunge für die Hunde.

Ich laufe durch die Senke, in der normalerweise Wasser steht. Staubtrocken. Genieße den Wind und den blauen Himmel und folge dann dem Zaun zurück zur Farm.

Dort besprechen wir, dass ich morgen die Obstbäume beschneiden könnte. Und die Tränke saubermachen. Geht doch!

Abends werde ich mit dem Bakkie (Pickup) noch schön über die Farm gefahren. Die beiden haben eine Karte dabei und erklären mir, wo wir gerade sind. Damit ich immer wieder zurückfinde. Die Tierausbeute ist schon etwas besser, als im Alleingang. Mehrere große Antilopen und eine botanische Führung, ein Honigdachsloch und eine Erklärung, wie hier Wasserstellen gebaut werden.

Sanft senkt sich die Sonne über die Afrikanische Steppe. Das schönste Licht der Welt!

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Über theaseiffert

Ich bin die Schwester von Florian. Ich reise gern, ich blogge gern auf Reisen. Danke für den Gastauftritt hier!
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2 Antworten zu 8. September

  1. Yvonne schreibt:

    Was für wunderschöne Bilder! Und dein Zimmer sieht auch sehr hübsch aus 😍

  2. Maren schreibt:

    Liebe Thea,
    wie schön dass die Internetverbindung funktioniert und wir von Deinen Erlebnissen erfahren können!
    Ich bin mit dem Herzen dabei 😍
    Liebe Grüße
    M*

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