Wilde Geschichten

Naturschutz ist ein wichtiges Thema in Namibia. Die Natur ist hier das Kapital für den schnell wachsenden Tourismus.
Es gibt für jeden Abschuss genaue Regeln und Gebühren. Treibjagden mit Hunden sind verboten. Bisher kenne ich nur die Seite, die den Touristen erzählt wird: Die Raubkatzen, die bei Farmern ihr Unwesen treiben werden oft angeschossen oder ermordet. Angeschossene Tiere werden dann auf Touristenfarmen wieder aufgepäppelt und erneut ausgewildert. Es werden den Touris fiese Eisenfallen gezeigt mit denen die Farmer die Tiere fangen und man sammelt Geld für diese Projekte.
Es ist interessant, einmal die Seite der Farmer zu hören. Diese interessieren und engagieren sich auch für den Naturschutz, aber sie müssen auch ihre wirtschaftlichen Interessen im Auge behalten. So ist durch die vielen zusätzlich angelegten Wasserstellen der stationäre Waldbestand stark angestiegen. Das Wild muss nicht mehr dem Wasser hinterher wandern, es findet auf jeder Farm Wasser und auch Nahrung. Die Leoparden und Geparde haben sich stark vermehrt und ernähren sich nicht nur von Wild, sondern jagen auch die Farmtiere. Hauptsächlich Lämmer und Kälbchen. Wenn sie erst einmal erkannt haben, dass die Farmtiere leichtere Beute sind, jagen sie kein Wild mehr.
Die Farm Eckenberg hat in den letzten 2 Jahren 16 Kälber durch Leoparden verloren. Das waren alle vorhandenen Kälber. Andere Farmen haben ähnliche Zahlen. In solch einem Fall kann man den Leoparden zum Problemtier erklären und er darf erlegt werden. Nun schlafe ich unter solch einem Problemtier. Das Bild hatte ich ja schon gepostet.

Vorher hatten Simonis bei den Touristen-Farmen angefragt, ob man den Leoparden dorthin umsiedeln könne. Das wurde aus Platzgründen abgelehnt. Wenn man das Futter für das Tier bezahlen würde, könne man das tun. Also erst fressen die Katzen die wirtschaftliche Grundlage und dann soll die Farm noch das Tier durchfüttern. Das geht – zusammen mit der Dürre – an die Existenzgrenze.
Leider vermehren sich die Raubkatzen wie Hauskatzen. Pro Wurf 2-4 Tiere, die nach 30 Monaten auch wieder geschlechtsreif sind.

Ähnliche Probleme bereitet anderes Wild. Oryx zum Beispiel vermehrt sich auch sehr gut und frisst in kargen Zeiten dem Farmtier das Gras weg. Jetzt ist überhaupt kein Gras mehr übrig. Das Vieh muss durchgefüttert werden. Alles Futter muss zugekauft werden.

Trudi kauft Gras und Schoten

Gras auf Motorhaube und Dach

Der Herr links zeigt stolz sein Cellphone

Altes Bild aus regenreicher Zeit

Und jetzt

Trudi berichtet sogar von zwei Löwen, die aus Botswana ausgebüxt sind und über das Farmgebiet streiften. Sie rief den Naturschutz an, der 10000 Namibia Dollar, das sind etwa 630 € für die Ortung der Tiere haben wollte. Zum Vergleich: ein Fleischrind bringt der Farm etwa 3000 NAD.

Für das Wild auf dieser Farm wird viel getan: die schon genannten Wasserstellen. Diese sind zweiteilig: ein kleiner Teich mit Tropfwasserzufuhr für die kleinen Tiere und als Suhle und ein Trog mit Schwimmer für größere Tiere. Unter jedem Wasserhahn der Farm steht ein flaches Gefäß, um Tropfwasser für die Vögel, Insekten und Schildkröten aufzufangen.

Es gibt ein Geierrestaurant. Dort werden die Schlachtabfälle abgelegt, um die (bedrohten) Geier zu füttern. Die überbleibenden Knochen werden sogar zerschlagen, damit die Kalziumzufuhr auch geregelt ist.

Abends gehen wir eine Futterrunde ums Haus und legen zerschnittene Kaktusfeigen und Maismehl für die Stachelschweine, kleinen Böcke und Perlhühner aus.
Hier darf sich das Wild noch aufhalten, andere Farmer sind da nicht so Tierlieb…..

Zum Abschluss das obligatorische Schönste-Licht-der-Welt-Bild:

Über theaseiffert

Ich bin die Schwester von Florian. Ich reise gern, ich blogge gern auf Reisen. Danke für den Gastauftritt hier!
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6 Antworten zu Wilde Geschichten

  1. Stefan schreibt:

    Muss man nicht auch als Mensch Angst vor den Leoparden und Geparden haben? Oder wissen die genau, wen sie besser in Ruhe lassen? Ich stelle mir gerade vor, wie es wäre, wenn hier auf dem Jagerhof in Walchsee alle Kälbchen der letzten Jahre gerissen worden wären …

  2. wp1008 schreibt:

    Huhu Dori,
    es ist spannend zu lesen, dass Du Dich derart in die Arbeit stürzt. Ich hoffe, es ist auch genügend Zeit für eigene ‚Ausritte‘ mit Bildern von Dir, wie Du den schönsten Sonnenschein einfängst.
    Ich freue mich für Dich. Weiter gutes Gelingen.
    Liebe Grüße

    • theaseiffert schreibt:

      Huhu Werni, ich habe versprochen zu helfen. Und: es fällt mir wirklich schwer, mich in die Sonnenliege zu hauen, während hier die Farmer versuchen, ihre Existenz zu erhalten

  3. Peter Hänggli schreibt:

    Liebe Thea! Die Seite der Farmer hört man eben nicht jeden Tag! Die Nöte im Alltag und der Kampf mit der Natur….. Trockenheit, Klimaänderung usw.! Wieder ein sehr interessanter Blog! Herzlichen Dank! Lieber Gruss Peter

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