Kuhdung und Schattiergedöns

Es ist noch dunkel, also ist es vor 6 Uhr. Trotzdem will mein Körper wohl nicht mehr schlafen. Ich quäle mich in irgendeine Kleidung und hangele mich die steile Treppe meines Domizils runter – Bad und Toilette sind im Haupthaus. Aber das Internet ist heute früh gut drauf. Ich kann im Bett meine Post lesen, die fehlenden Bilder im Blog einfügen und liebe Kommentare beantworten. Digital detox ist zwar auch mal ganz nett, aber ohne habe ich ja keine Verbindung nach Hause.
Irgendwer knipst dann draußen das Licht an – das geht hier rasend schnell – ich schaue auf meine Wasserstelle, vielleicht ist ja mal ein Kudu zu sehen. Schade, es sind nur die Kühe.

Halb acht melde ich mich zum Dienst. Harte Sache, so ohne Frühstück mit der Arbeit zu starten. Ich trinke zwei Glas Wasser – meine Farmerlein scheinen nicht einmal das zu benötigen und schaue, was es zu tun gibt. Wir besprechen zu dritt, wie wir am besten am neuen Gewächshaus das Schattiergewebe anbringen. Längs oder quer, welche Farbe wo hin. Dann geht es an den Zuschnitt. Ich überlasse großzügig wie ich bin der Hausherrin die Schere. Sie hat beschlossen, die Bahnen längs zu spannen und dann mit der Nähmaschine zusammen zu nähen. Ich möchte mir das noch einmal von innen ansehen. Rrumms! Schädel angehauen. Aua! Ich bin ein Meter achtzig gross – meine Farmer sind deutlich kleiner. So haben sie auch die Tür gebaut….
Wir beschließen, den Stoff auf dem Rasen auszulegen, damit er dann genäht werden kann. Der Rasen ist aber vom Sprengen noch nass. Also werden wir warten, bis er getrocknet ist.
Alternativ entscheide ich mich, den Schnitt der Olivenbäume anzugehen. Da sie bisher einfach fröhlich wuchern durften, ist es nicht so leicht, sich für eine Methode zu entscheiden. Also arbeite ich mich langsam von oben nach unten vor. Google-Anleitungen sei Dank. Das Laub wird gesammelt, die Kühe und Wildtiere werden sich freuen. Für die Schnittstellen haben wir uns entschieden, eine Mischung aus Lehm und Kuhdung zu verwenden. Hier geht es darum, die Pflanze an der geschnittenen Stelle vor dem Austrocknen zu bewahren. Nicht vor Krankheiten. Alles bio hier! Riecht auch bio.

Ich schnippele dann doch den ganzen Tag. Die Herrin des Gehöfts und Gaudentia, die Perle haben sich den Näh-Job unter den Nagel gerissen.

Weil das Fußpedal der Nähmaschine einen Wackelkontakt hat, wird es kurzerhand demontiert und ohne Metallverkleidung benutzt. Hier wird alles selbst repariert.
Ich verlege meine Beschneidungskünste zur nächsten Olive, komme an Projekt 1 vorbei und stelle fest, dass der Hausherr plus Gatte von Perle das Türchen des Gewächshauses in eine Tür verwandeln. Ich bin gerührt.

Nakare beim Schweißen.

Mein nächster Olivenbaum ist rieeesig und sehr sehr dicht. Ich weiß wirklich nicht, wie ich das angehen soll. Ich beschließe: von oben nach unten. Und Schrittchen für Schrittchen.

Ich hab schon den ganzen Chevy voll Grünzeug.

Es ist eine Affenhitze und dabei ist es erst Frühling! Ich beschließe, dass es für heute genug ist. Trudi und ich gehen baden.
Sango, einer der Hunde springt auch rein. Ich schaffe es knapp, mein Handy zu retten, das am Rand liegt. Entspannt geht der Tag beim schönsten Licht der Welt zu Ende.

Über theaseiffert

Ich bin die Schwester von Florian. Ich reise gern, ich blogge gern auf Reisen. Danke für den Gastauftritt hier!
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3 Antworten zu Kuhdung und Schattiergedöns

  1. Veronika schreibt:

    Ich bin immer wieder begeistert von deinem Blick „hinter die Kulissen“. Der Kontrast zu den sonstigen Reiseberichten ist doch erheblich. Ich gebe Peter Recht: Deine Farmer sind sicher sehr froh, dass du ihnen tatkräftig unter die Arme greifst. Dir weiter eine gute Zeit. Danke für die Berichterstattung und das toll eingefangene Licht!

  2. wp1008 schreibt:

    Huhu Dori,
    toller Abschluss nach hartem Tag.
    Schöne Bilder von Dir.
    Soll ich Dir die ABC Ausrüstung schicken?
    🏊‍♂️👣
    LG

  3. Peter Hänggli schreibt:

    Liebe Thea! Da gibt es noch Arbeit für Jahre! Die Simonis sind sicher sehr glücklich dass Du gekommen bist und ihnen jeden so tatkräftig hilftst!! Alles Liebe, Peter

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