Meine Stimme zum Synodalen Weg

Ich wollte nicht nur auffordern, sondern auch selbst teilnehmen. So habe ich heute abend – nach einigem Nachdenken – die Umfrage zum synodalen Weg (https://www.synodalerweg.de/ihre-stimme-zum-synodalen-weg/) ausgefüllt:

Forum 1: Macht und Gewaltenteilung in der Kirche – Gemeinsame Teilnahme und Teilhabe am Sendungsauftrag

Frage 1: Welche konkreten Erfahrungen von Macht und Ohnmacht haben Sie in der Kirche gemacht und was muss Ihrer Meinung nach in der Kirche verändert werden, damit der Umgang mit Macht besser kontrolliert und Machtmissbrauch verhindert werden kann?

Ich sehe viele Strukturen und Regeln in der Kirche, als reinen Machterhalt an. Es gibt Bischöfe und Kardinäle, die versuchen (immer weniger erfolgreich) Einfluss auf das Leben der Gläubigen zu nehmen, damit sie oben drüber stehen, bestimmen, den Weg weisen, sagen, was man zu tun und zu lassen hat, sich prunkvoll (liturgisch) kleiden, damit man sieht, wie wichtig sie sind. Sie sorgen mit Aussagen und Regeln dafür, dass das System, in dem sie mühevoll nach oben gekommen sind, auch so bleibt. Es sind Gott sei Dank nicht alle so. Vielleicht sogar nur wenige. Aber diese sind die Lauten, die, die in den Medien vorkommen. Das macht schon ohnmächtig. Und man kann als Katholik kaum was sagen, wenn Arbeitskollegen auf Kardinal Müller oder oder oder schimpfen und fragen: Was macht der da? Warum sagt der sowas? Die Bischöfe und Kardinäle nehmen für sich in Anspruch auf Konzilen, beim synodalen Weg etc. vom Heiligen Geist geführt und geleitet zu sein (was ich auch glaube). Aber ich glaube auch, dass auf Versammlungen von Laien und Versammlungen von Geistlichen und Laien auch der Heilige Geist wirkt. Haben Bischöfe Angst vor dem Heiligen Geist in den Laien? Ich möchte mehr Laien in der kirchlichen Verantwortung sehen!

Frage 2: Wie können mehr Menschen aktiv an den Aufgaben und Entscheidungen in der Kirche beteiligt werden?

Ich würde die Wahl der Diözesanbischöfe demokratisieren. Die Gläubigen sollen abstimmen können, wer Ihr Anführer wird. Wenn der Heilige Geist in der Entscheidung des Papstes wirkt, warum soll er nicht auch in den Gläubigen und ihrer Abstimmung wirken?

Frage 3: Wie können wir im Sinne von Papst Franziskus als Kirche in Deutschland überzeugender eine dienende Kirche sein?

Das ist sehr schwierig. Ich würde zunächst mal versuchen, die Kleiderordnung am Altar zu ändern, versuchen die Kleider mehr den Menschen in der Kirche anzupassen. Der Einzug bei einem feierlichen Hochamt sieht wirklich nicht aus, wie eine Schar von Dienern, oder?

Forum 2: Leben in gelingenden Beziehungen – Liebe leben in Sexualität und Partnerschaft

Frage 1: Welche Erfahrungen haben Sie diesbezüglich gemacht, welche Erkenntnisse oder Überzeugungen persönlich gewonnen?

Ich habe viele Gläubige, Kirchgänger*innen, Pfarrgemeinderäte in meiner Umgebung gefragt: Haltet ihr euch an die kirchliche Sexualmoral. KEINE EINZIGE Person hat gesagt: Ja. Niemand – ich auch nicht – hält sich daran. Warum? Weil die Menschen selbst Verantwortung übernehmen für sich und ihr Leben und das Leben ihrer Partnerinnen, Partner und Kinder. Warum schaut die Kirche so angestrengt in die Schlafzimmer? Was geht sie das an? Warum will Kirche da so intensiv mitreden? Ich glaube die kirchliche Sexualmoral sollte aus zwei Sätzen bestehen: „Seid verantwortungsvoll! Viel Vergnügen!“

Auch das völlig überhöhte Hochhalten der Familie kann man lassen. Priester kennen nur die Seite als Kind in einer Familie. Sie kennen die Seite der Eltern nicht aus eigener Erfahrung. Niemand lässt sich gerne von einem Einäugigen über das Sehen beraten. Es ist einfach nicht glaubwürdig.

Frage 2: Wie kann die Kirche Ihrer Meinung nach das Evangelium von der Liebe Gottes in unserer Zeit überzeugender verkünden?

Es gibt nur einen Weg: Lächeln, barmherzig und gnädig sein und mit gutem Beispiel voran gehen. Das zitieren des CIC oder anderer Normen und Regeln ist nicht der Weg. Man muss als Mitglied der Kirche Liebe im Herzen haben, sonst kann man Liebe nicht glaubwürdig verkünden. Das ist ein Anforderung an uns alle.

UND die Herren Bischöfe und Kardinäle sollten aufhören sich via Medien miteinander zu streiten. Einig sollen sie sein! Redet miteinander, telefoniert, schreibt euch Emails, seid solidarisch zu Mehrheitsbeschlüssen, schreibt nicht an den Papst, wenn euch eine Mehrheit nicht gefällt, gebt ein Beispiel. Ja GEBT EIN BEISPIEL.

Frage 3: Was ist Ihnen wichtig in der Sexuallehre der Kirche und was müsste dringend verändert werden

S.o. Hört auf euch in Sex einzumischen. Sagt: „Das war ein Fehler, wir sind zu weit gegangen, wir entschuldigen uns!“ und dann: „Seid verantwortungsvoll! Viel Vergnügen!“

Gott hat die Liebe und Begabungen der Homosexuellen so geschaffen, wie die Liebe aller anderen Menschen. Wenn man die Ehe nur auf die Fortpflanzung reduziert – was ich ganz falsch finde – dann sind Homosexuelle irgendwie „draußen“. Hört auf damit. Lasst sie rein. Traut sie, traut die, die die Ehe nicht körperlich vollziehen können. Macht die Liebe zweier Menschen nicht kleiner und sagt: Es kommt aber auf Nachwuchs oder wenigstens den Willen dazu an. Ist es vorstellbar, dass Jesus zu zwei Homosexuellen sagt: Ihr seid falsch, mein Vater im Himmel hat sich da vertan, eure Begabungen, eure Liebe ist nicht so ganz richtig? Im Ernst? Könnte Jesus das sagen? Und wenn Jesus es nicht kann, warum sagt ihr es? Warum?

Forum 3: Priesterliche Existenz heute

Frage 1: Was zeichnet Ihrer Auffassung nach einen authentischen Priester heute aus, welche Eigenschaften und Fähigkeiten sollte er besitzen?

Er muss Liebe im Herzen haben. Mehr nicht. Es wäre gut, die Liebe im Herzen wäre erkennbar. Irgendwie. Aber sie kann auch im Verborgenen da sein und kommt vielleicht im Beichtgespräch oder nur im geschriebenen Wort zum Leuchten. Überfrachten wir unsere Priester nicht mit einer Anforderungsliste: Singen muss er können, mit der Jugend, aber auch mit den Alten muss er es können, eine PGR-Sitzung muss er leiten können, Predigen muss er können, organisieren muss er können, er muss ein guter Leiter im Pfarrbüro sein, weise muss er sein und mit ‚dem Internet‘ muss er auch vertraut sein.
Er soll seine Talente einbringen und wenn Gott es gut mit ihm meint, soll er sie verdoppeln können. Das reicht schon.

Frage 2: Wie kann ein authentischer Priester mitten in der Welt von heute in der Nachfolge Jesu leben, welche Lebensform halten Sie für den Priester heute für angemessen?

Es ist schwer Priester zu sein. Erlauben wir ihm (oder ihr) eine Partnerin oder einen Partner an der Seite zu haben, die/der stützt, aufrichtet, berät und hilft. Ich bin dafür das Pflichtzölibat aufzuheben. Wer es schafft in der Lebensweise Jesu zu leben hat meinen größten Respekt! Aber, all die guten Seelsorger*innen, die lieber geheiratet haben, sollten auch einen Platz in der Kirche und am Altar haben. Und holt die Priester zurück, die geheiratet haben, die Kinder haben und die Aushilfsgottesdienste am Sonntag mit uns feiern wollen! Die Kirche hat irgendwann aufgehört schwarzhaarige Männer vom See Genezareth zu weihen und hat Haarfarbe und Herkunft nicht mehr als Zulassungsvoraussetzung angesehen. Hören wir auf damit das Y-Chromosom als Hinderungsgrund für die Weihe anzusehen.

Frage 3: Was müssen wir in der Kirche tun oder verändern, damit es mehr Berufungen gibt und der Dienst des Priesters attraktiver für junge Menschen wird?

In uns allen ist ein großes Sehnen nach Sinn im Leben, nach der Frage: Was kommt nach dem Tod? Wohin sind meine Eltern nach ihrem Tod entschwunden? Werde ich sie wieder sehen? Die Kirche hat eigentlich gute Antworten auf diese Fragen. Aber für so viele Menschen liegt in der Schublade auf der Kirche steht ein solches Gerümpel, ein solcher Schmutz, dass das Gute ganz zugedeckt ist oder völlig unglaubwürdig wirkt. Wenn die Kirche aufhört Vorschriften zu machen, wenn sie das ‚Du darfst‘ und das ‚Du darfst nicht‘ weglässt. Wenn unsere Seelsorger Ratgeber werden, wenn sie nicht mehr Hirten sein wollen und wir ‚Fußvolk‘ keine Schafe mehr sind – sondern gleichberechtigte Menschen, die auf Augenhöhe handeln und behandelt werden wollen, dann wird es ganz sicher Menschen geben, die den Weg als Seelsorger*in gehen möchten.

Forum 4: Frauen in Diensten und Ämtern in der Kirche

Frage 1: Wie sehen Sie die Rolle der Frau in der Kirche?

Die Tradition ist schön und gut. Aber sie muss dienen, nicht bestimmen!
S.o. wir weihen nicht mehr nur Fischer vom See Genezareth zu Priestern und Aposteln. Jetzt ist es Zeit, auch Frauen zu weihen. Und ja, die Kirche kann sagen: Der Heilige Papst Johannes Paul II hat sich geirrt, die Kirche hat die Vollmacht die Frage der Frauenordination anders zu beantworten als bisher. Ich weiß, dass das schwierig ist. Die Kirche ist ein großes Sperrholzboot und man hat Angst, eine zu heftige Lenkbewegung zerbricht das Schiff. Aber ich glaube, es ist jetzt der richtige Schritt! Und nicht, weil wir zu wenige Priester haben, sondern weil wir die Talente und Fähigkeiten von Frauen in der Kirche besser nutzen sollten! Es macht uns alle zusammen glaubwürdiger!

Frage 2: Was müsste sich ändern, damit mehr Frauen Leitungspositionen in der Kirche übernehmen (können)?

Die Männer, die sagen: Was schon immer so war, muss auch immer so bleiben, müssen sich einen Ruck geben. Die Kirche soll die Weihe von Frauen erlauben. Vielleicht zunächst zu Diakoninnen (damit das Schiff nicht zerbricht) aber später auch zu Priesterinnen, Bischöfinnen und sicher auch einst zur Bischöfin von Rom.

Frage 3: Wie müsste das Miteinander von Frauen und Männern in der Kirche gestaltet sein, damit wir in unserer Zeit glaubwürdig das Evangelium verkünden können?

Das Miteinander muss gleichberechtigt und völlig auf Augenhöhe erfolgen. Frauen müssen all das dürfen, was Männer auch dürfen. S.o. erlaubt Priestern die Ehe, erlaubt Frauen die Weihe.

Angabe Sonstiges:

Hört mit dem Bild des Hirten auf. Jesus ist mein Hirte. Keine Frage. Gegen ihn bin ich nur ein (dummes) Schaf! Da ist das Bild okay.
Aber ein Bischof oder Priester heute? Ist der schlauer, als seine Gläubigen, die gebildet sind, die vielleicht studiert haben, die im Leben ihre Frau oder ihren Mann stehen? Was macht da den Priester zum schlauen Hirten und uns zu dummen Schafen? Das Bild des Hirten diskriminiert mich zu einem Schaf.
Früher war der Priester vielleicht der einzige gebildete Mann im Dorf, da passte es, wenn er sagte, was richtig und falsch, was gut und böse ist. Heute passt es nicht mehr. Die Kirche soll Ratgeber sein, nicht Befehlsgeber!

Eins noch: Die Kirche versucht sehr tapfer so zu tun, als sagte sie von Anfang an immer die reine Lehre, die absolute Wahrheit, sei nie davon abgewichen. Deswegen fallen den Bischöfen und Kardinälen Sätze schwer, die Aussagen ihrer Vorgänger oder vergangener Päpste korrigieren. Meist traut sich niemand zu sagen: Das war falsch. Es muss ja immer alles richtig sein. Überwindet dieses ‚Dogma‘!
Lernt und traut euch zu sagen: Da hat die Kirche, da hat der Papst JPII, … falsch gelegen. Es macht glaubwürdiger! Auch wenn man sich dann der Frage aussetzt, stimmt denn das, was ihr jetzt sagt auch in 100 Jahren noch?
Die Kirche hat immer Aussagen geändert (z.B. zum Nehmen von Zinsen). Seid einfach mutig und korrigiert Aussagen der Vergangenheit, die uns heute ehrlicherweise als Fehler erscheinen! Bitte!

(Ich habe ein paar kleine (Tipp)Fehler korrigiert, die in der Mail an den Synodalen-Weg noch enthalten sind.)

Siehe auch:

Über Florian Seiffert

http://www.seiffert.net
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2 Antworten zu Meine Stimme zum Synodalen Weg

  1. Helene Zahnen schreibt:

    Lieber Florian, Danke für Ihre klare Meinung zum synodalen Weg. Ich bin ganz Ihrer Meinung! Ich hoffe, dass der Heilige Geist das Gewissen der Kleriker erleuchtet und ihnen den richtigen Weg im Glauben weist! Gott ist die Liebe, die Hoffnung und das Ziel❣️Die Liebe zu Gott und den Menschen lässt uns den richtigen Weg gehen❣️Durch unser Gebet und die Verbindung mit Gott wird unser Glaube gestärkt❣️Wenn Gott in unseren Herzen ist, führt er uns auf den rechten Weg❣️Das wünsche ich mir für unsere Kirche und seinen „Dienern“! ❣️❣️❣️

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