13.01.2021 Madeira #25 – Cabeço da Manga

Ich glaube, ich war noch nie beim Friseur vor dem Frühstück. Heute ist es soweit. M* hat Physio um 10:00, ich habe zwei Friseurinnen. Gleich neben der Physio, wie praktisch.

Die Damen können mehr Englisch, als ich Portugiesisch. Aber es klappt, sie schneiden mir perfekt die Haare. Das kostet nur 9 Euro. Wow. Ich gleiche das mit dem Trinkgeld aus. Nach 15 Minuten bin ich wieder draußen. M* hat noch 45 Minuten.

Ich gehe ein Stück runter zum Meer. Nix los. Zwei Angler, viele Enten, die Promenade nach Ribeira Brava ist weiter gesperrt, aber es wird daran gearbeitet.

Ich setze mich neben der Physio vor eine Bar und trinke zwei Café com Leite. M* kommt und wir brechen auf.

Frühstück, Sonne, Pullover.

Die Planungskommission hat nicht mehr viel Zeit, die letzten Ziele auf dem Zettel abzuarbeiten. Deswegen soll es heute hoch in die Berge gehen. Ziel sind die Baumriesen und der Nebelwald. Es hat da einen Tipp von der besten Johanna gegeben. Heute sind wir bereit.

Hoppek fliegt wieder im Sopran den Berg rauf. Erster Gang, ich drehe nur bis 3000 U/m und dann geht’s.

Oben liegt tatsächlich noch etwas Schnee an der Straße. Wir fahren durch Ginster und dann Ginster und dann plötzlich Lorbeer. Wir halten.

Es gibt einen kleinen Teich. Uralte Lorbeerbäume stehen da. Wie alt die wohl sein mögen? Toll sehen die aus. Echt der Hammer.

Wir fahren noch ein paar Meter. Ein breiter Fahrweg führt zu einer Art Kuhweide. Junge Färsen kauen da vor sich hin. Und auf der Weide stehen richtig alte und richtig große Lorbeerbäume. Früher war wohl alles voll davon, aber man hat sie abgeholzt, um Brennholz zu haben. Jetzt wird wohl versucht, sie wieder aufzuforsten, aber alte Bäume bekommt man nicht so schnell.

Die Kühe lassen uns in Ruhe, wir sie auch. Die alten Bäume sind aber echt der Knaller. Man sieht ihnen an, dass sie hier wildes Wetter mitmachen. Alle neigen sich vom Meer weg, alle sind knorrig und gedrungen. Die Rinde ist bewachsen, Farne wohnen an Stämmen und Ästen. Alles sieht aus, als gehörte es ins Auenland.

Wir streifen die Weide hoch zum Hang. Hier geht es steil zum Meer runter. Das ist die Nordseite der Insel. Hier steigen wohl Tag für Tag die Nebel hoch, wenn Passatwolken über den Atlantik stürmen – nur eben heute nicht. Aber egal. Die prachtvollen Bäume sind auch so fantastisch.

Über die Weide und weitere Bäume, kehren wir zum Hoppek zurück.

Wir fahren noch ein paar Meter zu einem Miradouro. An diesem Aussichtspunkt, öffnet sich der Blick über den Ginster zu einem weiten Tal. Alles ist dicht von Lorbeer bewachsen. Was ein Wald! Er ist immergrün und so üppig, weil es keinen ernsten Frost gibt.

Wir fahren noch ein paar Meter bis zur Levada dos Cedros. Diese Levada führt mitten durch den Lorbeerwald. Sie führt Wasser, aber viele Stellen sind verstopft, Steine oder Blätter versperren dem Wasser den Weg. Der Pfad ist überflutet hier und da. Mich juckt es ein bisschen, alles sauber zu machen. Ich finde, das Wasser soll in der Levada fließen.

Der Wald hier ist einfach gigantisch. Alles grün, alles satt, alles knallig. Das Blätterdach schließt sich über uns, eine Aussicht ins Tal ist nicht möglich, überall sind Bäume, Farne, Blätter. Die Felsen sind bewachsen. Moose, Flechten, kleine Pflänzchen, winzige Blätter. Wasser quillt aus dem Fels, einfach so. Eine Quelle.

Wir klettern über drei Erdrutsche. Steine, Erde und Bewuchs sind von oben abgerutscht und haben Levada und Weg verschüttet, aber man kommt gut rüber. An dem vierten Erdrutsch ist Schluss, man käme wohl auch dort noch weiter, aber wohl nur mit Matsch bis zu den Knöcheln und nassen Schuhen. Das muss nicht sein und wir haben ja auch schon ein paar Kilometer.

Wir kehren um. Ein kleiner Vogel landet vor mir im Gebüsch. Ehe ich auch nur an eine Kamera denken kann, ist er schon wieder verschwunden. Lorbeerrehe oder -Hirsche sehen wir auch nicht. Elfen, Trolle oder Waldgeister leider auch nicht – aber es fühlt ich an, als lebten hier welche.

Wir erreichen unseren kleinen Hoppek. Zurück geht es eine neue Route. Wir fahren runter ans Meer und dann die Küstentunnels bis São Vicente. Damit haben wir die Insel eigentlich einmal umrundet.

Von São Vicente geht es wieder quer über die Insel und zurück nach Ribeira Brava. Nach einem kurzen Einkaufsstopp (M* will die Zahnpasta mit Holzkohle ausprobieren!), hoppeln wir nach Hause.

Was für ein Tag! Wir haben genug Eindrücke für zwei Tage gesammelt.

Wir sind dankbar!

Tagesvideo #696

https://youtu.be/eHzAAoAthPw

Lorbeer im Teich

Lorbeer auf der Weide.

Levada mit F* (M* fecit)

Quelle am Weg

Blättchen im Lorbeerwald

Über Florian Seiffert

http://www.seiffert.net
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