01.09.2017, Tag #18 – Erholung auf See

Das breite Aurora Florialis Lächeln täuscht nicht über meine Müdigkeit hinweg. Ich bin zum Frühstück um 9:00h da, aber noch nicht richtig wach.
Die Sonne scheint, aber es bewölkt sich. Wir fahren auch nur noch 20km/h, nicht 30, wie sonst. Und es ist warm geworden. 16 Grad hat es.
Ich sichte Bilder und Filme der Nacht. Auch die Videos haben geklappt. Feine Sony A6500. Ich habe noch ein paar Ideen, was man verbessern könnte, aber die Ausbeute für Herz, Seele und Kamera war 1A. Mehr geht fast nicht.

Hinweisen möchte ich darauf, dass Menschen, die das Polarlicht zum ersten Mal sehen, vielleicht enttäuscht sind. Auch gestern kam ein Paar und hielt das Polarlicht für Wolken oder Dämmerung. Eine Dame meinte: Ich habe Polarlicht auf Postkarten gesehen, das sah anders aus.
Das ist der Kern.

A) sind wir von Dokus, Bildern und Zeitraffern vom Polarlicht verwöhnt. Wenn wir es schwächer am Himmel, als im Fernsehen sehen, sind wir enttäuscht oder skeptisch.

B) addiert eine Langzeitbelichtung (ich habe zwischen 5 und 20 Sekunden belichtet) Licht und Farbe auf. Das ist wie beim Feuerwerk. Eine Langzeitbelichtung von Feuerwerk sieht super aus, ist aber was anderes, als mit dem Auge dabei zu sein.
Also erwartet nicht beim ersten Polarlicht, dass der ganze Himmel brennt. Freut euch an dem fahlen und vielleicht schwachen Schimmern der Rüstungen, wenn die Walküren über den Himmel reiten und Heldinnen und Helden an Odins Tafel bitten.
Cool war eine Dame, die erst dem Monitor von Axel Krack glaubte, dass er Polarlicht fotografiert hatte. Um für sich ein gutes Bild auf dem Smartphone zu haben, fotografierte sie sein Monitorbild ab. Als ich einwendete, das sei doch gefuscht, machte sie auch ein Bild von meinem Kameramonitor. Fand ich super!
Gut war auch, dass mein Stativ über die Reling (so ca.150cm) reichte. Das war nicht bei allen Paxen so. Einige versuchten sich mit Bildern aus der Hand (wenn man die Empfindlichkeit hochschraubt, kann das ganz gut klappen).
Wenn ihr also in Gegenden kommt, wo Polarlicht möglich ist, nehmt ein Stativ mit und eine Kamera, die man manuell einstellen kann (Blende, Verschlusszeit, Empfindlichkeit). Schaut im Internet (vor der Reise) wo es gute Seiten gibt, die Polarlicht vorhersagen. Und habt Geduld. Raus, peng, peng – super Bilder, das klappt nicht. Ich war gestern von 20h bis 3h auf Polarlichtjagd. Und Glück gehört auch dazu.

Und sonst?
Grauer, ruhiger, entspannter Seetag mit Decksrunden, Staunen aufs Meer, Mützchen voll Schlaf und Vorbereitung auf Island.
Der Himmel ist bedeckt, mit Polarlicht ist wohl nicht zu rechnen.
Für Reykjavik ist Regen angesagt.
Aber weiter alles cool hier.
Wir sind nicht seekrank. H* hofft noch auf richtigen Seegang.

5vorne.

Meer noch mit Sonne.

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31.08.2017, Tag #17 – Seetag

Als ich um 08:45h draußen bin, ist das Meer tintenschwarz, eine bleiche Sonne leuchtet steuerbord durch den Hochnebel. Es ist angenehm warm und windstill auf 5vorne.
Omelette und Kaffee um 09:00h. H* möchte in den Vortrag, ich möchte lieber raus.

Wir fahren Kurs Ost-Nordost auf Reykjavík zu. Es ist 12 Grad warm, die Wassertemperatur beträgt 2 Grad. Um 03:30h haben wir Kap Farvel, die Südspitze Grönlands umrundet und sind nun wieder im Nordatlantik unterwegs. Ich schaue noch, ob man Grönland sehen kann, aber nix is. Tschüss Grönland. Du hast mich sehr beeindruckt.
Die Zeitumstellung ist super. Die Borduhren ticken den großen Zeiger in drei Minuten einmal um das Zifferblatt. Von 12 Uhr auf 13:03h. Die Zeit rast.
Ich bin fast die ganze Zeit draußen. Bei dem Wetter am Meer kann man doch nicht drin sein. Auf 5vorne wird es leer, als die Sonne hinter das Schiff zieht und das Kielwasser beleuchtet.
Ich kann in Ruhe nach Walen Ausschau halten. Ich sehe mehrmals einen Blas, dann aber nicht mehr. Es gibt auch keine Eisbären, Eisschollen oder Eisberge mehr. Auch keine Seeungeheuer.
Wir haben den kalten Ostgrönlandstrom verlassen und sind nun auf dem Golfstrom unterwegs. Die Wassertemperatur ist auf 9 Grad gestiegen.

Da wir genug vom blauen Himmel sehen und die Polarlichtwahrscheinlichkeit bereits mittags hoch ist (k=5), hoffe ich auf Polarlicht heute nacht. Dafür lasse ich Shuffleboard, Pilates, Encaustik, Tischtennis, Step Aerobic, Chor, Skat, Stuhlgymnastik, Foto-Bücher, Line-Dance, Dart, Walk a mile mit Silvia, Quiz, Dance Aerobic, Happy Hour, Late-Night-Snack und Golden American Oldies heute mal ausfallen.
Abendessen mit H* um 18:45h (wir wollen nicht immer die letzten sein, deswegen haben wir vorverlegt um 15m). 20:55h. Wir eilen raus. Da ist noch ein Tisch im 4JZ besetzt, oder?
Ich wickel mich in meine Polarausrüstung, montiere das Samyang 12mm und raus. Der Himmel ist klar, der Mond steht steuerbord. Okay. Polarlicht, kannst kommen!
Ich muss bis 10:50h warten, aber es lohnt sich. k ist auf 6 gestiegen und dann reiten die Walküren über den Himmel, dass die Funken fliegen und die schimmernden Rüstung leuchtende Bänder ans Firmament werfen.
Axel Krack, der Lektor ist gekommen, um die Lage zu peilen. Gerade rechtzeitig. Es leuchtet und wird stärker. Ich wecke H* (das darf sie nicht verpassen) und rufe die zwei Paxe auf meiner Alarmliste an.
Auf 5vorne höre ich knurpsige Kritik, als ich wieder oben bin, dass der Käpt’n die Eisscheinwerfer an hat und überhaupt, so ginge es ja nicht.
Ich leuchte mit meiner EDC-Taschenlampe hoch zur Brücke und als ich ein Gesicht sehe, leuchte ich mich an und signalisiere: Bitte Licht aus. Und schwups geht der eine Scheinwerfer aus, dann der andere.
Super! Vielen Dank! Jetzt ist es dunkel. So macht man das!
Nit schwade: jet dunn!

Die Walküren reiten prachtvoll, ich mache Bilder, weitere Paxe machen Bilder und wer blitzt, muss 20€ in die Mannschaftskasse zahlen. Klappt gut.
Ich bin fasziniert und begeistert. Mein schönstes Polarlicht bisher. Ich bleibe draußen. Alle Paxe schon im Bett. Ich kann mich nicht satt sehen. Zum auf die Erde werfen und mit Armen und Beinen trommeln schön.
Dann gehen ich kurz rein. Blog fertig stellen und Tagesvideo bauen. Die Fans haben doch extra Daumen gedrückt.
Das zieht sich alles etwas.
Es ist 02:30h. Aber gleich gehe ich nochmal raus!

Und sonst?
M* hat gefragt: Warum sind manche Eisberge blau?
Es gibt zwei Theorien. Eine (die hessische): Farbwerke Höchst malen weltweit die Eisberge blau!

Theorie zwei: Thompson-Streuung. Das vielfarbige Licht der Sonne – von uns als weiß empfunden – fällt durch die Atmosphäre auf die Erde. Dabei wird das Licht (die Photonen) an den Elektronen der Luftmoleküle gestreut – also aus der Bahn geworfen. Diese (Thompson-)Streuung geht mit der Frequenz (Farbe) in der vierten Potenz. D.h. blaues Licht wird sehr, sehr viel wahrscheinlicher aus dem Sonnenlicht heraus gestreut, als rotes! Vierte Potenz heißt: Verdopple die Frequenz und die Wahrscheinlichkeit, dass ein Photon gestreut wird, versechzehnfacht sich! (verdreifache sie – die Wahrscheinlichkeit ver81facht sich!) Deswegen sehen wir im Himmel mit hoher Wahrscheinlichkeit auf ein Molekül der Atmosphäre, was gerade ein blaues Photon in unsere Augen streut. Folglich ist der Himmel blau. Es ist das blaue Streulicht, was in unser Auge fällt.
Die Sonne ist abends rot (der Mond am Horizont übrigens auch), weil das Licht durch die Atmosphäre ganz viel von den blauen Photonen durch Streuung verloren hat und nur noch die roten Photonen sind übrig, da ihre Wahrscheinlichkeit gestreut zu werden so viel niedriger liegt. Soweit klar?
Jetzt zu den Eisbergen. Wenn ihr Wasser kocht, dann das Wasser abkühlt und Eiswürfel daraus macht, werden es schöne klare, durchsichtige Eiswürfel. Wenn ihr normales Wasser aus der Leitung nehmt, werden die Eiswürfel milchig. Heißes Wasser kann nicht so gut Gase lösen (deswegen ist nach dem Kochen das Gas raus), wie kaltes Wasser. Beim Abkühlen und gefrieren, fallen die im Wasser gelösten Gase als kleine Luftbläschen aus und machen das Eis milchig.
Je nach Geschichte des Eisberges, hat sein Wasser viel oder wenig Gase gelöst, ist er also klar oder milchig oder irgendwas dazwischen.
Die Thompson-Streuung, die den Himmel blau und die Sonne abends rot macht, streut nun auch das weiße Tageslicht an den Luftbläschen im Eisberg oder an den Gasen der Luftbläschen im Eisberg. Das blaue Licht wird stärker gestreut und so leuchtet der Eisberg blau. Analog zur Atmosphäre würde man ein weißes Licht durch den Eisberg rot leuchten sehen.
Okay?

Der Mond steht steuerbord.

Damit geht es los.

Polarlicht und Eisscheinwerfer.

Polarlicht.

Polarlicht.

Polarlicht.

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30.08.2017, Tag #16 – Qaqortoq

Frühstück um 9:00h. Nebel liegt um das Schiff.
Wir lassen es ruhig angehen. Ruhig heißt heute: Nur das Graved-Lachs-Omelette und Kaffee.
Um 09:30h sind wir beim Vortrag von Axel Krack „Die Zukunft Grönlands und der Arktis“. Viel Physik ist heute dabei. Die Lage ist komplex und der Lektor vermeidet Schuldzuweisungen. Interessant ist seine Theorie, dass das Eis der Arktis in 10- bis 15 Tausend Jahren verschwunden sein dürfte, die Menschheit das aber nicht erlebt, weil sie sich vorher vernichtet hat.
Ich halte dagegen!
Als wir draußen sind, laufen wir mit Ostkurs auf Qaqortoq zu.

Der Nebel hat sich verzogen und die Sonne kämpft sich durch. Wir fahren wieder in eine schöne Fjordlandschaft.
Ein Wal bläst, zeigt seinen schwarzen Rücken, dann seine Fluke und taucht. Mein Wunsch nach Walsichtungen ist schon übererfüllt. Tolle Tiere!
Wir sehen noch ein paar Wassertiere, bekommen aber nicht sofort raus, was es genau für welche sind. Seelöwen? Die Vergrößerung der Bilder lässt mich dann die These aufstellen, dass es Kegelrobben waren.
H* und ich gehen Essen und dann lassen wir uns an Land tendern.

Qaqortoq ist ein kleines Städtchen. Wir machen einen Erkundungsgang durch den Ort. Wir schauen uns Kirche, Supermarkt (keine Gewehre – man geht hier wohl nicht zu Jagd) und Andenkenladen an. Ich gehe noch zur kleinen Bibliothek, die aufgeräumt und nett aussieht. Der Rückweg führt mich am Friedhof vorbei.
Am Anleger geht es aufs Tenderboot und wir tuckern zurück zum Schiff. Das war es mit Landgängen auf Grönland. Jetzt kommen zwei Seetage, dann sind wir in Reykjavík.
Jetzt teste ich nochmal den Internetzugang, der seit heute früh streikt. Ich komme nicht rein. Wrks. Dabei habe ich von meinem gekauften 3GByte-Paket erst 1,2 GByte verbraucht. Ich vermute mal, dass der Leiter der Bord-IT einen schlechten Tag hat. Ich weiß, dass sowas durchaus vorkommen kann.
Ich tapere zur Rezeption. Die nette junge Dame klärt mich auf, dass das 3-GByte-Paket nur 14 Tage gültig ist. Am 16.ten gekauft, dann ist heute am 30.ten Schluss. Toll. Das stand beim Buchen nicht dabei (doch! stand dabei, aber im Kleingedruckten auf einer Extraseite). Warum ist dann kein 21-Tage-Paket im Angebot, wenn die Reise 3 Wochen dauert?
Ich bleibe aber ganz höflich, denn die Dame kann nichts dafür und der IT-Leiter auch nichts (außer, dass sein Internetzugangssystem doof ist und nicht sagt: „Lieber F*, Du hast jetzt 1,01 GB verbraucht, das sind 33%. Dein Zugang läuft am 30.08.2017 um 24:00h Ortszeit Berlin ab. Viel Spaß im Internet!“)
Ich bin sicher eine fähige Controllerin und ein gut gelaunter IT-Leiter hätten in 30 Minuten ein besseres System entworfen an dem Phoenix Reisen immer noch genug Reibach macht und das den Gästen mehr entgegen kommt.
Ich kann mir jetzt ein neues Ticket a 500MByte für 35€ und 7 Tage kaufen oder Streiken und Blog und Threema-Videos erst wieder hochladen, wenn wir Samstag auf Island, Dienstag in Schottland und dann Donnerstag in Bremerhaven sind.
Wenn ihr diese Zeilen lest, schaut auf den Kalender und ihr wißt, wie ich mich entschieden habe.

Ich entspanne mich schnell wieder, denn Grönland ist einfach zu schön, um sich zu ärgern und wer will sich schon den Tag wegen des bloody Internets verderben lassen?
Ich drehe Halbrunden an Deck, denn die Davids der Tenderboote sind ausgeklappt, da ist das Deck dadrunter gesperrt, und Vollrunden sind so nicht möglich. Die Sonne scheint, Boote tuckern in der Bucht und es ist still. Die MS Artania hat geankert, da braucht es die Wummer-Krachmaschine nicht.
Ich helfe dann dem zuständigen Jung beim Einparken von Treppe und Plattform, die für das Tendern gebraucht werden durch kompetente Videos und stilles Anfeuern. Das klappt. Der Jung und ich gratulieren uns. Good work!
Als diese Arbeit vollbracht ist, streue ich Zaubersalz ins Meer und singe überlieferte Wal-Anlock-Lieder, aber es nützt nichts, kein Wal macht Loopings neben dem Schiff. Pech.
H* und ich gehen Essen. Wir ergattern einen Fensterplatz und erleben Auslaufmelodie und den prachtvollen Sonnenuntergang beim Abendessen. Tschüss Grönland. Vielleicht sehen wir Dich noch bei Kap Farewell? Oder ist die Passage in der Nacht? Niemand weiß es.

Und sonst?
Heute gab es wieder kleine Eisberge zu sehen. Also auf dem Meer, nicht auf dem Teller.
Und heute gab es an Land lästige kleine Fliegen, die aber weder gebissen noch gestochen haben. Die Viecher waren nicht lästig genug, um den Mückenschutz auszupacken.
Morgen Mittag!!! haben wir eine Zeitumstellung. 12h nach 13h. Das ist cool, das verkürzt den Tag, nicht die Nacht.

Der Wal zeigt seinen Rücken mit kleiner Flosse.

Dann taucht er ab.

Qaqortoq.

Zebrastreifen.

Friedhof.

Ein Weinchen beim Sonnenuntergang.

Der Mond über der Labrador-See.

fin

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29.08.2017, Tag #15 – Nuuk

Frühstück um 07:30h. Ich habe die Fjordsafari gebucht. Um 08:25h soll es losgehen, aber der Schwell (das ist das cool-Wort für Seegang) ist zu groß und wir können nicht direkt von Bord in die Ausflugsboote, sondern es muss umdisponiert werden. Also Tendern. Jetzt geht es erst mit den Tenderbooten an Land, warten warten warten, dann auf das Ausflugsboot.
Zwei junge Grönländer sind die Chefs hier und sie haben offenbar Freude an ihrer Arbeit. Sie erklären die Sicherheitseinrichtungen und brettern los. In der Kabine ist es warm, aber ich will raus! Ich setze mich in den Bug. Meine Polarausrüstung hält dem Wetter (bewölkt, 7 Grad) und dem Wind stand. Dafür bekomme ich gute Bilder. Die Perspektive knapp über dem Wasser bekommt man auf der Artania nicht. Wir umkreisen einmal die Insel mit der Spitze Sermitsiaq (1210m).

Ich mag Fjords und direkt über dem Wasser sind sie noch besser. Wieder ist das Licht besonders und Wasser, Wolken und kleine Eisberge faszinieren. Wir stoppen an einer Stelle an der Insel. Ein kleiner Wasserfall plätschert ins Meer.
Hier hat man Fossilen gefunden, die 3.7 Milliarden Jahre alt sind, sagt der Chef. Dann geht es zu einem Eisberg in Einfamilienhausgröße, der so blau ist, dass sich die Farbwerke Höchst dieses Blau sicher nicht getraut hätten. Wow.
Wir umkreisen dieses Kunstwerk der Natur, damit diese Kunst nicht umsonst im Fjord treibt und wir geben uns Mühe alle Aspekte fotografisch festzuhalten. Weiter geht’s zu einem Gletscher. Er liegt hoch oben im Fels. Nur sein Schmelzwasser erreicht den Fjord in einem schweren Wasserfall. Mit dem Boot können wir nah ran. Und die Eindrücke hier sind besonders schön.
Dann sind die zwei Stunden auch fast vorbei und es geht zurück zum Anleger. Wir haben keine Wale gesehen. Ich hatte auch nicht damit gerechnet. Ein paar Paxe aber schon. Aber es hieß Fjord- und nicht Walsafari.

Ich gehe in die Stadt. Nuuk ist immerhin Hauptstadt von Grönland. Das Einkaufszentrum sieht aus wie überall auf der Welt. Ich fänd‘ gut, das sähe mal anders aus. Immerhin lerne ich die grönländischen Worte für Schlussverkauf:
Nivinngaavimmiittut tamarmik.

Im Zentrum wird Fisch und Wal auf der Straße verkauft. Ich darf ein Bild machen.
In der Schule kicken Kinder auf dem Bolzplatz. Daneben albern Jugendliche rum. Ich frage, ob ich ein Bild machen darf. Oh ja. Sie freuen sich. Ein paar kommen noch gerannt, wollen auch drauf. Als ich frage, ob sie ein Bild von mir machen wollen, wollen sie auch. Ich bin jetzt auch auf grönländischen Smartphones oder bei Facebook.
Vor dem Anleger treffe ich H*. Wir drehen auch noch eine Runde durch die Stadt, kaufen aber nichts.
Dann tendern wir zurück an Bord, das Mittagessen wartet.
Kurz darauf stechen wir in See. Es regnet und stürmt. Wir fahren weiter nach Süden.

Morgen halten wir in Qaqortoq. Das ist unsere letzte Station auf Grönland.
Heute abend gibt es das Eismeer Gala-Abendessen. Bekleidungsempfehlung: elegant. H* und ich nennen es Mittelball. Ich werde H* meinen Anzug zeigen. Das freut sie.

Blauer Eisberg.

Sehr blau.

Wasserfall.

Fleisch.

Grönländische SchülerInnen.

Bushaltestelle mit Plakaten.

Einkaufszentrum.

Vorgarten.

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28.08.2017, Tag #14 – Eiskappe

Frühstück ist um 08:30h. Wir liegen am Ende des befahrbaren Teil des Søndre Strømfjords.
Der erste Ausflug heute startete um 06:45h und so sind die Frühstückszeiten etwas nach vorne angepasst und so passen auch wir uns an.
Ich habe das Gefühl, die Frühbucher bekommen die schönen Startzeiten für die Ausflüge, die Nachzügler und Kurzentschlossenen müssen schon um 06:45h los.
Ich packe meinen Rucksack und warte in der Sonne, bis es um 10:25h für mich losgeht. Tenderboot, dann Bus. Das zieht sich heute sehr. Wir brauchen für 1.6km eine Stunde. Ein Grund wird nicht mitgeteilt, das hätte mir die Rumsitzerei erleichtert.
Schließlich sitzen wir in einem alten Bus und fahren. Die Straße vom Steg nach Kangerlussuaq ist eine Buckelpiste. Wir werden mit 30km/h durchgerüttelt.

Kangerlussuaq ist eigentlich nur der Flughafen mit ein paar Häusern. Nach 20km wechseln wir den Bus. Wir bekommen einen, der geländegängig ist. Das ist wohl auch nötig, denn das was ab jetzt Straße heißt, ist eine einspurige Piste und wurde von VW gebaut. Das Bullriding geht weiter.
Wir fahren durch eine faszinierende Landschaft, karg, sonnig, farbenfroh und sehr beeindruckend.
Wir folgen dem Fluss aufwärts, der Schmelzwasser der Eiskappe in den Fjord führt. In der Ferne schimmert weißes Eis in der Sonne.
Schließlich sind wir da. Nicht am Ende der Piste, aber so, dass wir eine schöne Stelle haben, um das Eis der Eiskappe zu sehen. Wir werden gebeten unseren Müll in einen großen Müllbeutel zu entsorgen (was auch gut klappt) und es gibt vier Toiletten.
Wunderbarerweise haben wir 90 Minuten, um uns umzusehen. Das Flusstal sollen wir meiden, weil verborgene Gletscherseen durchbrechen und Flutwellen verursachen könnten.
Ich mache mich auf, um Eis und Natur auf mich wirken zu lassen.

Ich denke beim Wandern darüber nach, was ich gegen globale Erwärmung tun kann. Und will! Der Gletscher macht es mir gerade nicht leicht, ganz ungezwungen und fröhlich zu sein.
Nordlicht sagt nicht, was machst Du hier? Die Eiskappe schon.

Trotzdem ist die Natur hier in der Sonne atemberaubend schön. Es strahlt alles eine ruhige Kraft aus. Riesige Felsen, schön geschliffen. Dann richtig dicke Brocken, wann die wohl das letzte Mal bewegt wurden? Dazu leuchtet das Eis blau oder weiß, zum Teil auch grau. Moränen sind an den Rändern. Es gib ein paar Stromschnellen und einen Wasserfall. Eisstücke schwimmen im Wasser.
Ein bleiches Skelett liegt im Bewuchs. Ich tippe auf Schaf. Ich rühre nichts an.

Dann erklimme ich noch einen Hügel. Von hier sieht das Eis noch mächtiger aus. Es macht mich stiller (obwohl ich seit Stunden nichts gesagt habe).
Als ich nach 80 Minuten am Treffpunkt bin, hat einer der Paxe doch tatsächlich ein halbes Rentiergeweih dabei und will es mit zum Schiff nehmen. Ich staune. Ich dachte immer, das einzige, was man hinterlässt sind Fußspuren, das einzige was man mitnimmt sind Bilder.
Wir rumpeln zurück. Wieder durch diese wahnsinns Landschaft. Vorbei am Flughafen und weiter zum Anleger. Kurz nach Eintreffen an Bord, lässt der Kapitän den Anker lichten und wir fahren durch den Fjord zurück zum Meer.
Ich bin ein bisschen hungrig, da ich die riesige Lunchbox nicht haben wollte.

Ich hätte cooler gefunden, jeder Ausflügler bekommt eine Plastikdose und darf was vom Frühstück mitnehmen. Das hätte Abfall und (große) Lebensmittelreste vermieden.
Gegen 23:30h werden wir zurück auf der Labradorsee sein und uns dann nach backbord wenden, um morgen früh die Hauptstadt Nuuk zu erreichen.
Es hat sich bewölkt. Das lässt den Fjord vom Gletscherwasser blau leuchten. Sieht super aus.

Und sonst?
Ich habe weder Moschusochsen noch Rentiere gesehen. Dafür einen Schneehasen (mit extra Fotohalt auf der Rückfahrt) und einen Raubvogel, der aber zu weit weg war, um was genaues zu sehen.
Keine Mücken oder Fliegen störten heute.
Es gibt jetzt eine kleine Polarlichtgang an Bord. Es geht etwa so wie bei der Sesamstraße – „Pssst, willst Du eine 8 kaufen?“ Nur zeigt man sich seine Fotonordlichterfolge etwas verschämt mit: „Schauen Sie mal – es hat geklappt – Deck 5 – wie Sie gesagt haben.“
🙂

Umsteigen.

Wieder Einsteigen.

Das Ende der Eiskappe.

Eis. Viel Eis.

Sehr viel Eis.

Wunderbarer Bewuchs.

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27.08.2017, Tag #13 – Sisimiut

Ich bin um 8 Uhr draußen. In der Nacht gab es zwar wolkenlosen Himmel, aber kein Nordlicht zu sehen. So brauchte ich auch keine Spätschicht einlegen.
Wir fahren direkt in die aufgehende Sonne. Tolles Gegenlicht Ich muss doch tatsächlich mal meine coole Barça-Schnäppchen-Sonnenbrille anziehen.
Da! Ein Wal bläst. Ich bin nach 20 Walen immer noch fasziniert. Die Nahrung ist an der Oberfläche, er muss nicht tief tauchen und zeigt seine Fluke nicht. Trotzdem klasse!

Wir legen in Sisimiut an. Vorher dreht der Kapitän das Schiff im engen Fjord über Heck um 180 Grad. Guter Mann, saubere Arbeit! Ich mag norwegische Kapitäne.
H* und ich gehen erstmal essen. Zum Frühstück gibt es heute Sekt. Da sagen wir nicht nein.
Dann geht es an Land. Wir spazieren durch das Städtchen. Schöne bunte Häuser, ein schönes Kirchlein auf dem Hügel. Der Gottesdienst ist gerade aus. Wenige alte Leute verlassen das Kirchlein (und schauen dann zuerst mal auf ihr Smartphone), nicht anders als bei uns.

Ich starte zu meiner Wanderung, H* bummelt noch ein wenig. Ich lasse die Häuser hinter mir und halte mich rechts. Es geht durch die felsigen Hügel. Die Vegetation erinnert mich an Rømø. Bäume fehlen hier ganz. Mose, Flechten, arktisches Weidenröschen und schmalblättriges Wollgras. Tolle Felsen, rund geschliffen, aber rau. In den Senken ist Moor und es steht Wasser. Fast keine Fliegen oder Mücken.
Ich folge einem Pfad durch kleine Täler und fast bis zum Meer. Die Wanderung hätte euch gefallen. M* und E* ganz bestimmt!
Hätte ich einen Tag Zeit gehabt, wäre ich auf den Hausberg gestiegen.

Ich eile mich zurück. Ich bin zum Essen verabredet. ABER 4JZ hat schon zu. Artania-Rappelkiste schließt gerade, das Lido auch. Wir sputen uns und den Aufzug und man lässt uns im Lido noch rein. Das ist sehr nett! So können wir noch schnell nach Essen graben und bekommen sogar noch Wasser, Wein und Eis.
Mit dem Wein können wir uns noch raus in die Sonne setzen (hier wummert zwar der Schornstein – kann man das nicht leiser hinbekommen?), das ist sehr warm, frühlingshaft und angenehm. Ein toller Tag!
Als alle Paxe von den Ausflügen zurück sind und die ersten Sonnenbrände drohen, legen wir ab. Dreimal dröhnt das Typhoon, die Auslaufmelodie erklingt. Wir fahren wieder in die Sonne. Dann drehen wir nach Backbord und es geht zum Søndre Strømfjord. Am Ende des 170km langen Fjords liegt Kangerlussuaq, unser nächstes Ziel. Die Einfahrt zum Fjord ist eng und schwierig und Kapitän Hansen will sie heute noch im hellen bezwingen.

Wenn die Fjordwände sehr steil sind könnte es schlecht mit dem Internet werden.

ABER es sieht gut aus mit der Nordlichtwahrscheinlichkeit. Es ist keine Wolke am Himmel, k=4 (das muss so bleiben, bis es dunkel ist) und wir erreichen so langsam den Polarlichtgürtel. Schaut mal auf http://services.swpc.noaa.gov/images/aurora-forecast-northern-hemisphere.jpg
Abendessen im 4JZ. Dann schnell raus. Der Sonnenuntergang ist okay, aber keine fünf Sterne. Aber der Søndre Strømfjord ist der Hammer. Mit ein paar Haken schlängelt sich Chef Hansen rein. Es sieht leicht aus. Aber wir wissen: Wenn es leicht aussieht, ist es schwer.

Der Fjord ist wunder- wunderschön. Eis und Gletscher schlängeln sich zum Wasser, erreichen es aber nicht. Dafür gibt es dann Geröllhalden zum Fjord, steile Hänge und Schneefelder. In der zunehmenden Dunkelheit liegt Magie über allem. Mit etwas Glück sehen wir morgen bei der Ausfahrt mehr von dem Zauber. Aber auch jetzt muss man den Atem anhalten!
Ich muss wieder raus. In Harrys Bar (oder so) kann ich auch zu Hause sein, aber Grönlands Fjorde bei Zauber- und vielleicht sogar bei Nordlicht, das geht nur heute.
Als ich dann draußen bin, sehe ich den ersten Schimmer Aurora Borealis. Ich flitze rein und rufe die zwei Nummern an, denen ich den Anruf bei Sichtung versprochen hatte.
Dann mache ich Bilder. Fjord, Berge und Nordlicht. Fantastisch. So einige Paxe finden sich ein. Sie fotografieren aus der Hand. Der Rauch vom Schornstein stört etwas und das Polarlicht ist auch nicht so stark, wie vor ein paar Tagen. Aber es ist zweifellos super. Ich freue mich sehr und die meisten Paxe wohl auch.

Und sonst?
Ich habe heute keinen Eisberg mehr gesehen. Alle sind weg. Wo sind sie?

Sisimiut.

Das Kirchlein.

Wanderung.

Wanderung.

Aurora Borealis

Aurora Borealis

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26.08.2017, Tag #12 – Schiffstag

Ich bin um 6:00h draußen. 4 Grad. Der Wind macht es kälter.
Wir schleichen uns wieder an Ilulissat an. Im wunderbaren Morgenlicht möchte ich Wale beim Frühstück ablichten. Das klappt aber nicht. Dafür werde ich mit Stille, Licht, Dunst und Einsamkeit belohnt. Die Sonne steht hinter dünnen Wolken über Ilulissat. Das Gegenlicht ist zauberhaft.
Um 7:00h kommt die Durchsage, dass die Wind-, Wetter- und Eislage ein nahes Liegen vor Ilulissat nicht erlaubt, die Tenderboote können nicht eingesetzt werden und damit fällt meine Sermermiut-Wanderung heute ins Eiswasser. Landgänge auch.
Wie gut, dass die Fahrten zu den Eisbergen stattfinden. Sie sind klar das Glanzlicht.

Als ich auf die Kabine komme liegt ein Umschlag im Briefkasten. Noch ein anonymes Kabinenpräsent à 25€. Ich bin gerührt. 1000 Dank an den oder die Spenderin oder Spender! Ich überlege mir als Dankeschön ein paar besondere Bilder rauszusuchen und zu zeigen. Da heute nix ansteht außer Sonnenbaden und auf kalbende Eisberge zu warten, sollte das möglich sein.
Um 9:00h gehe ich mit H* zum Frühstück. Da die 4JZ zu haben, nehmen wir das Artania auf Deck 3. Das Restaurant liegt gleich über den Zylinderköpfen der vier 12-Zylinder-Dieselmotoren der Baureihe Wärtsilä 32. Das rappelt. Und wie. Die Tische weiter hinten sind nicht nachlässig gedeckt. Oh nein. Durch die Vibrationen fährt das Besteck in neue Ruhepositionen. Das gefällt mir. Milch im Kaffee braucht man auch nicht umrühren. Stehende Wellen beschleunigen die Diffusion.
H* freut sich auch, wir wollen aber doch lieber wieder ins 4JZ.

Nach Wirbelsäulen- und Bandscheibenmassage geht es raus. Das Morgenlicht ist weg, die Sonne knallt vom blauen Himmel. Die Eisfjordboote fahren wieder. Man wundert sich, wie warm es ist. In der Sonne und im Windschatten reicht ein T-Shirt.
Nach dem Mittagessen verbringen wir auch den Nachmittag in der Sonne und schauen fasziniert auf die Eisberge. Ein Eisberg ist schmutzig. Der Lektor erklärt mir, er hat Sediment aufgenommen, d.h. er ist gestrandet und nach kalben und drehen, ist das Sediment nun oben und sichtbar. Was es alles gibt!? Toll!
Ich drehe ein paar Zeitraffer und genieße das Nichtstun. Die Kamera tut ja alles. Die Sonne scheint und Eisberge sind wirklich faszinierend! Da könnte ich tagelang drauf schauen!

Am späten Nachmittag und einem Schwätzchen mit Kapitän Hansen über die Gefahren des Ankerns im Eis, stechen wir wieder in See. Raus aus der Diskobucht, Richtung Westen.
Wir genießen einen wunderschönen Sonnenuntergang an Steuerbord.
Morgen sind wir in Sisimiut. H* und ich haben nichts vor. Wir wollen nur mal an Land.

Und sonst?
Es wurde nach „Kaffee und Kuchen“ gefragt. Ja, gibt es. H* war schon da, wollte eigentlich nur mal schauen, sah sich dann aber gezwungen ein paar Pröbchen zu nehmen. Ich bin dem Kuchen ferngeblieben. Ich mag nur „Oma Lucini“ von M*!
Ehe gefragt wird: Auch den Mitternachtssnaks bin ich fern geblieben. Ich warte auf Currywurst in drei Schärfen. Die gab es noch nicht. Ich will eine für Blogger und Weltreisenden Peter Hölzer essen.
Portionen: Es gibt mittags und abends vier (selten mehr) Gänge. Davon wird man gut satt. Das Essen ist sehr lecker, finde ich! Die Gesamtportion erreicht nach meiner Einschätzung die Größe der Portionen der Mensa der Deutschen Sporthochschule Köln nicht.

Ja, es gibt sie auch hier, die Eisbergblitzer, die Weltallblitzer, die „meine Kamera ist größer, als Deine“-Menschen, die „meine Gegenlichtblende ist nach hinten montiert und so soll es auch bleiben“-Menschen und Smartphone-senkrecht-Filmerinnen. Ich bin so tiefenentspannt, ich lächle ihnen zu und ich erhebe mich auch nicht über sie. Sie machen sicher schöne Bilder.
Aber ich erlaube mir, sie (zurückhaltended) zu beobachten.

Ein sehr herzliches Dankeschön geht heute nochmal an die zwei Spenderinnen und Spender der zwei Kabinenpräsente. Das hier ist für euch:
https://youtu.be/qoSa4QFJQsM

1000 Dank! Ich freue mich!

Der Morgen über Ilulissat.

Der Eisfjord.

Eisberge. Der Schmutzige links hat Sediment geladen.

Eiswürfel.

Sonnenuntergang in der Diskobucht.

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25.08.2017, Tag #11 – Eisfjord

Um 7:20h rumpelt es, wir haben den Ankerplatz vor Ilulissat erreicht. Ich nehme noch ein Mützchen, da meine Tour zum Eisfjord erst um 17:50h sein soll. H* hat später gebucht als ich, sie muss schon um 07:20h los. Als ich um 9:00h nach dem Rechten sehe, liegen wir in einem Eisfeld. Eis von Würfelzucker- bis zu Mädchenrealschulgröße wiegt sich sanft im Sonnenschein um das Schiff. Ein Wal zeigt seinen Blas und den schwarzen Rücken. Was für ein Morgen. Omelette am Fenster im Artania (Vier Jahreszeiten hat schon zu).
Dann raus. Bilder und Videos machen. Wenn einem ein Blick nicht gefällt, einfach zwei Minuten warten.

Die Landausflüge sind heute alle gestrichen, die Tenderboote bleiben an Bord, Ilulissat ist wegen des Eises für sie nicht erreichbar. Zum Glück kommen aber die grönländischen Fischer mit ihren Booten zur MS Artania raus und die Fahrten zum Eisfjord finden statt. Man sieht die winzigen Boote zwischen den Eisbergen verschwinden.
Der Eisfjord ist gefüllt mit Eis vom Gletscher Sermeq Kujalleq. Der Gletscher verbindet die Innlandeiskappe Grönlands mit dem Meer und er schiebt sich 20m am Tag weiter. Deswegen ist hier so viel Eis im Wasser. Und weil das so spektakulär ist, sind wir zwei Tage hier.
Ich renne auf Deck 4 in der Sonne auf und ab. Das Blau und das Eis, dazwischen die kleinen Boote, man staunt die ganze Zeit so vor sich hin. Ein Fischerboot bringt frischen Fisch an Bord. Ein paar Grönländer machen gute Geschäfte heute.

H* erzählt beim Mittagessen. Sie ist ein bisschen fertig von so viel Pracht. Eine tolle Tour, sehr kalt, Eisberge riesig wie das Matterhorn – ganz nah am Boot. Und sie waren wohl nahe an der Abbruchkante des Gletschers, dazu gab es Wale, die wohl beim Frühstück waren. Wow.
Ich werde immer aufgeregter.

Endlich geht es auch für mich los. Perfekt organisiert kommen passende Gruppen auf die Boote. Wir sind 13 Paxe auf einem hübschen roten Schiffchen.
Es geht zu den Eisbergen, die wir schon den ganzen Tag über süchtig angestarrt haben.
Nah ran, aber nicht gefährlich nah. Die Strukturen und Farben faszinieren mich sehr. Wann wohl der Regen gefallen ist, der jetzt hier erstarrt vor uns im goldenen Licht der Sonne glitzert?
Wir fahren eine Weile immer tiefer in die Eiswelt. Dann sind da plötzlich Wale. Blas, schwarzer Rücken, Fluke, abgetaucht. Die Viecher schwimmen sehr, sehr nah an den riesigen Eisbergen. Für Spitzenaufnahmen sind sie zu weit weg, aber egal. Es ist auch so zum Hinlegen schön! Eine Biolehrerin würde ein Jahr lang keine Hausaufgaben aufgeben.
Leider geht es schon zurück. Schwarzes Eis zeigt sich nun im Gegenlicht. Unser Kapitän umrundet einmal die Artania. Dann sind wir schon wieder an Bord.
Nach dem CheckIn eile ich zum Vier Jahreszeiten. H* hat mir freigehalten.
Entkräftet stärke ich mich.

Gold-rot sinkt die Sonne. Ein Sonnenuntergang in der Diskobucht ist was ganz besonderes.
Kapitän Hansen umrundete einen Eisgiganten. Pastellfarben füllen die ganze Welt. Nochmal Luftanhalten, sonst hält man das nicht aus.
Leiser Seufzer.
Was für ein wundervoller Tag! Schon wieder!!

Und sonst?
Es war kein Polarlicht heute nacht. Aber alle Decks waren noch spät voll HimmelsgucketInnen. Sehr gut! Mein Nordlichterfolg hat sich rumgesprochen.
Für morgen habe ich eine Wanderung gebucht. Sie findet um 15h statt, wenn wir tendern können. Das hängt vom Eis ab. Laut Prognose sieht es gut aus.
Artania verlässt über Nacht ihren Ankerplatz und fährt nachts ein Ründchen in der Diskobucht umher. Das ist wegen der Eisberge sicherer. Kuscheln mit dem Matterhorn ist nix für Kapitän Hansen.
Die Crew ist ungewöhnlich fleißig mit Kameras und Smartphones draußen und füllt die Speicherkarten. Sogar der Kapitän posiert vor dem Eis. Eisberge, die Menge und das Kaiserwetter sind wohl ungewöhnlich gut.
Warum ist meine Tour so spät, obwohl ich so früh gebucht habe (Ticket #23)? Die Theorie an Bord ist: Das Licht ist später noch besser. Getreu dem Motto: Von 10 bis 3 – der Fotograf hat frei.
Und? Ja einzigartiges Licht war das heute!
Schreibt mal alle EISBERGE auf eure Löffelliste!

Eis vor Ilulissat.

Eisberg.

Eisberg.

Ein Eisberg, groß wie eine Schule.

Eisgigant im Sonnenuntergang.

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24.08.2017, Tag #10 – Aurora Borealis

Ich wollte gestern nur noch mal kurz raus. So zur Sicherheit. Schauen, was sich so tut und ob der Himmel klar ist. Der Lektor hatte zwar gesagt: „Nordlicht? Braucht garnicht zu schauen, wir sind zu weit nördlich … “
Aber der Wert k, der die „Stärke des Nordlichts“ (nennen wir ihn mal so) anzeigt steht gerade bei k=5 (http://flux.phys.uit.no/Kindice/k_tro2a.gif). D.h Große Chance auf Nordlicht.
Ich also raus auf 5vorne. Da ist es nicht ganz so hell. Und Bingo. Ein Schleier ist am klaren Nachthimmel steuerbord zu sehen. Kamera habe ich dabei, aber das Stativ nicht. Fix rein, Kamera aufs Stativ und eine erste Aufnahme gemacht. JAAAAA. Nordlicht!
Ich mache ein paar Aufnahmen. Aber der wunderbare Zauber ist schon wieder vorbei.
Aber das kenne ich schon von der Fahrt nach Bodø. Geduld ist gefragt. Und Richtig. Das wunderbare Leuchten kehrt zurück. Da es im Norden am Bug zu hell ist (da steht die Sonne unterm Horizont) flitze ich ins Heck, also zum Blick nach Süden. Und dann geht es richtig ab. Zum Niederknien schön. Dafür würde ein Eisenbahner seinen ICE mit Batterien betreiben. Ich mache Bild auf Bild. Manuelle Belichtung, Blende auf, Autofokus aus, ISO 400, 10-15 Sekunden Belichtungszeit.
Der Wahnsinn. Was für ein Zauber am Himmel.
Und ich bin ganz allein. Einer Dame hatte ich am Bug das Nordlicht gezeigt, sie hatte es nicht geglaubt. Tja Leute – Pech gehabt. Ich bin wohl der einzige Polarfuchs heute mit Bildern dieser Pracht.
Sehr aufgeregt ins Bett!

Ich bin um 8:15h wieder draußen. Golden scheint die Morgensonne. Voraus sieht man schon die Diskoinsel (=große Insel) auf der Qeqertarsuaq liegt. Ich gönne mir ein Omelette zum Frühstück, denn ich habe heute das große Aurora Flohralis Lächeln fest im Gesicht.
Kurz zum Vortrag. Ich zeige Lektor Axel Krack meine frischen Borealis Bilder. Er hat den Mumm seinen Vortrag damit zu beginnen, dass ein Gast heute Nacht Polarlicht gesehen hat. Lob Lob! UND er wiederholt meine Bitte, dass NotdlichtfotografInnen bitte den BLITZ ausschalten mögen! Guter Mann!
Ich gehe dann raus, denn das Licht liegt fantastisch über Meer und Inseln, Eisberge ziehen vorbei und man hält so viel Schönheit kaum aus. Zwei Schulen Delfine ziehen vorbei und ein Blas ist steuerbord zu sehen. Einzigartig.
Wir werfen Anker vor Qeqertarsuaq. Die Tenderboote werden ausgesetzt und ein fröhlicher Schiffsverkehr zum Land hebt an. Nach dem Mittagessen reihen auch H* und ich uns ein. Wir warten aber fast eine Stunde, denn ein einheimischer Fischer blockiert den Anleger in Qeqertarsuaq und er muss mit Geschenken bewegt werden den Platz zu räumen.
Wir drehen eine Runde durch das Städtchen und mich zieht es zu den Felsen am Ufer. Wunderschöne Felsen und Steine. Vom Eis geformt, schön gemasert.

Am Ufer sind Eisberge angetrieben. Die wollen alle mal in die Kamera lächeln. Auf dem Rückweg liegt der Supermarkt und H* und ich schauen mal, wie das hier so aussieht.
Statt Kettensägen, wie in K-Dorf (Kirkenes) gibt es hier Jagdgewehre und Munition. Staun.
Wir stellen uns in die Schlange und fahren zurück zum Schiff. Abendessen in den Vier Jahreszeiten.
Wieder ein fantastischer Tag im wunderbaren Grönland.

Morgen sind wir in Ilulissat, das ist nicht weit. Ilulissat liegt auch hier an der Diskobucht. Das Licht ist super, das Wetter 1A. Ich werde die Augen weiter offen halten.

Nordlicht und Kielwasser der MS Artania.

Nordlicht.

Qeqertarsuaq

Eisberge am Ufer.

Qeqertarsuaq

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23.08.2017, Tag #09 – Küste

Wie war die Nacht? Kein Problem, es war weit weniger Seegang, als auf der Fahrt nach Akureyri. Also Fehlalarm. Nach Wind- und Seegangsvorhersagen war man einfach vorsichtig. Das ist okay.
Um 8h ist es grau golden draußen. Die grönländische Küste ist steuerbord am Horizont zu sehen. Berge, Schnee, hin und wieder ein Eisbergchen. Die Innlandeiskappe sieht man nicht.
Ich drehe eine Runde und zeige der Kamera Grönland.

Frühstück um 08:45h mit H*, die den Seegang vermisst hat.
Vortrag um 10h, vorher Ansage (wie jeden Morgen). Die Position: 62.50 Nord, 51.23 West. Die Wassertemperatur beträgt 4.7 Grad, die Lufttemperatur beträgt 7 Grad. Die MS Artania fährt gerade 16,8 Knoten.
Es folgt der schöne Vortrag über Ursus Maritimus, den Polarbären, den wir wohl hier nicht in freier Wildbahn sehen werden. (Gleichzeitig ist diesmal „Robbenalarm“ – aber ich bleibe heute sitzen und höre dem Lektor Axel Krack zu.)
Dann zieht es mich an Deck. Die Sonne scheint, im Sonnenschein ist es angenehm warm. Ich suche Wale und erwische tatsächlich einen schwarzen Rücken. Die Fluke zeigt der Wal leider nicht, aber immerhin.

Die Küste Grönlands zieht im Sonnenlicht langsam vorbei. Sie erinnert mich sehr an die Lofotenwand. Es ist einfach fantastisch. Tolle Berge. Warum hat man noch nie vom Bergsteigen in Grönland gelesen?
Nach dem Mittagessen versuche ich mich mit Zeitraffer-Filmen, aber durch die Schiffsbewegung ist das nicht so ganz perfekt.
Grönland serviert noch einen Blas und einen Eisberg aus der Nähe, dann wird es auch schon Zeit für das Abendessen.

Heute abend gibt es noch einen Vortrag „Unter weißen Segeln“ und wir überfahren gegen Mitternacht erneut den Polarkreis nach Norden. Morgen früh liegen wir auf Rede in Qeqertarsuaq (Godhavn). Es ist gutes Wetter angekündigt. Nach zwei Seetagen möchte ich an Land.
Immer noch alles super hier im hohen Norden.

Goldener Morgen.

Die Küste Grönlands

Kielwasser.

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