04.01.2021 Madeira #16 – es regnet

J* hatte recht. Es regnet. Leichter Regen, schwerer Regen. Pause. Mehr Regen.

Wir sind darauf eingestellt. Ich kontrolliere das Haus, ist irgendwas undicht? M* macht Frühstück. Dann müssen wir doch zum ersten Mal tatsächlich in der Küche frühstücken. Gemütlich ist es trotzdem. Nur halt keine Sonne am Himmel.

Wir vertrödeln den Tag. Eine kleine Pause nutzen wir, um mal auf unseren Hausberg zu steigen. Dann regnet es wieder.

Ich beantworte die EMail eines Kirchenvorstandmitglieds, der Kritik am Webauftritt der Pfarrei übt – also an meinem Webauftritt. Wie immer macht hier der Ton die Musik. Und wie so oft merke ich, dass er (wir, Du, ich) schon mitunter heftige (und meist unreflektierte) Ansprüche an Pfarrei oder Kirche haben … Ich brauche ein paar Stunden eine neue Seite für die Sternsinger zu bauen und die Mail freundlich zu beantworten. Zum Glück ist heute Zeit genug.

Wir schauen nach unserem Topf, dem Regenmesser. Das Wasser sammelt sich. Zwei Fingerbreit haben wir schon. 55 Liter pro Quadratmeter hat J* vorhergesagt.

Als Himmel und Wolken eine längere Pause ankündigen, werfen wir Hoppek an und brausen zu Tal. Wir wollen uns etwas die Beine vertreten und ich möchte nach dem Meer schauen.

Es rauscht eine ordentliche Brandung und der Fluss, der das Tal der Brava leert, führt gut Wasser, aber keine wilden Fluten. Auch sonst sind hier Levadas, Bäche und Flüsschen nicht über die Ufer getreten. Alles ist im grünen Bereich.

Ich mache Bilder der Wellen, M* huscht in den Supermarkt. Die Sonne kommt mal kurz durch, der ein oder andere Regenbogen zeigt sich über der Insel.

Nach ausführlicher Inspektion von Promenade und Strand, geht es zurück zu Hoppek. Kaum drin, regnet es wieder. Wir fahren zurück.

Wir genießen dann unser Abendessen.

Dann ist unser Regenmesser dran. Schwierig ist, dass wir kein Zentimetermaß haben. Wir müssen uns behelfen, aber das macht die Sache ungenau. Es gibt zwei Wege der Auswertung: a) wir messen das Volumen des aufgefangenen Wassers und bestimmen die Fläche, die dem Regen zur Verfügung steht, um in den Topf zu regnen. Im Verhältnis zu 10.000cm² bekommen wir die Literzahl, die wir bei einer Fläche von 1m² eingefangen hätten. Oder b) – diese geniale Lösung ist von M* – wir bestimmen nur die Wasserhöhe im Topf in mm und sind fertig. b) gilt für alle Gefäße, die senkrechte Wände haben, egal, wie groß sie sind oder wie geformt! (Und alle, die bei mir mal Mathe-Nachhilfe hatten, erklären jetzt, warum a) und b) identisch sind!)

Wir gehen beide Lösungen an, um die Genauigkeit zu steigern. Wir messen mit einem Messbecher, den die Küche hat: 1540ml Wasser im Topf, mit der Maßband-App des iPhone bestimme ich den Topfdurchmesser zu 21cm bis 23cm und mit einem Streichholz bestimmen wir die Wasserstandshöhe zu ca. 5cm. Ich nehme noch den Leatherman zu Hilfe, der hat ein Lineal an der Säge, allerding ist das in Inch (Zoll) mit Achtelunterteilung geeicht und man muss das noch umrechnen in cm …

Jedenfalls finden wir die Lösung zu a) zu 44.5 Litern und zu b) zu 49.2 Litern pro Quadratmeter. Das ist bei den Messfehlern akzeptabel genau. Und es passt zur von J* gewarnten Regenmenge von ca. 55 Litern. Mein bester Mathelehrer Herr Schädlich würde sich freuen! Alle einverstanden?

https://youtu.be/wMWTClu3oRE

Tagesvideo #687

Regen.

Die Weihnachtsvilla im Regen.

Brandung.

Ribeira Brava.

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03.01.2021 Madeira #15 – Machico

Es ist bedeckt. Wir frühstücken aber trotzdem draußen, damit wir die Putzfrau nicht stören und den Abstand einhalten.
Dann geht es nach Machico. Das ist noch hinter Funchal und dem Flughafen. Die älteste Stadt der Insel.
Die Fahrt geht unter dem Flughafen durch, dessen Ende der Landebahn auf Pfeilern ruht. Coole Konstruktion.
Zunächst halten wir an einem Bauernmarkt. Es gibt Kleidung und Lebensmittel. M* kauft etwas Gemüse und Blumen. Dann geht es nochmal steil den Berg runter und zu einem Parkplatz. Wir gehen heute die Levada do caniçal.
Es ist feucht, der Weg etwas schlammig. Das Tal öffnet sich zum Meer hin. Unten liegen die Häuser von Machico.
An einer Spitzkehre ist der Berg und der Weg geschmückt. Ein Weihnachtswunderland. Girlanden, Blumen, Beleuchtung, Figuren. Zentrum ist eine Krippe mit großem Jesuskind und vielen Mandarinen. Ein kleines Heiligtum. Wir klettern über einen Bergrutsch und gehen weiter.
Es beginnt zu regnen. Wir sind vorbereitet. Und eigentlich mag ich Regen ganz gern. Er verändert die Atmosphäre und es ist viel stiller.
Aber nach einer guten Strecke, ist die Hose nass und Wasser läuft in die Schuhe. Wir kehren um.
Auf dem letzten Stück liegen frische Steine auf der Straße. Die sind wohl gerade erst vom Berg gesprungen. Eine Anwohnerin setzt ihr Auto um.

M* schaltet diverse Pustefixe im Hoppek ein und hui sind die Scheiben wieder durchsichtig.
Wir fahren zurück. In Ribeira Brava halte ich noch kurz am Supermarkt – hier haben die Geschäfte auch am Sonntag auf – M* springt kurz rein. Wir brauchen noch Leergut in spé, nächste Woche kommt die Putzfrau ja wieder.

Offenbar hat es hier nicht geregnet. Alles trocken. Regen ist hier wohl eher eine lokale Angelegenheit. Im nächsten Tal kann es schon wieder anders aussehen.

Wir stellen einen Topf auf die Wiese. Mit ein bisschen Mathematik der Mittelstufe sollte ich aus dem Wasserstand die Niederschlagsmenge berechnen können. Mal sehen, was heute Nacht und Morgen so passiert.
J* hat netterweise wieder eine Warnung geschickt und WeatherPro sagt 50mm Regen für Funchal vorher. Wir bleiben gespannt.


Tagesvideo #686

Blick ins Tal.

Levada do caniçal

Krippe mit Mandarinen

Machico.

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02.01.2021 Madeira #14 – Deko-Zauber

„Eine Insel im Deko-Wahn – So feiert Madeira Weihnachten“ das titelt der Spiegel am 24.12.2020. Klar, dass wir uns diesen Weihnachtsbeleuchtungs-„Wahn“ auch mal ansehen wollen. Das geht aber nur abends. Also müssen wir den Tag irgendwie vertrödeln. Das gelingt ganz gut.

Zur Dämmerung machen wir uns dann auf. Wir bringen erst mal Müll und Leergut zum Container – morgen kommt die Putzfrau, ihr versteht.
Wir fahren nochmal zum kleinen Fischerdorf Punta do Sol. Da leuchtet und blinkt schon alles, noch bevor wir Tunnel und Kreisverkehr verlassen haben.
Wir parken und verschaffen uns einen Eindruck vom Parkplatz aus. Hier sind schon die Bäume rot umwickelt. In den Sträßchen wird es mehr und unten am Meer, wird es noch mehr. Das Blinken ist dezent, nicht so aufdringlich, dass es dem Augen wehtut. Man kann einen Weihnachtsbaumkegel mit Stern und eine Geschenkpackung aus Leuchtdioden betreten. Überall stehen Smartphones herum und fotografieren ihre Herrchen und Frauchen. Ein Kind muss sogar in die große Krippe klettern, damit Mami sie dort ablichten kann. Das Christkind liegt daneben und hält eine Mandarine in der Hand. Die war gestern noch nicht da. Ist das hier Brauch oder ein Scherz? Wir drehen eine kleine Runde.
Draußen auf See leuchtet die MeinSchiff3. Sie treibt da weiter vor sich hin. Keine gute Zeit für Kreuzfahrer.
Nach genug Bildern und Videos, geht es zurück. Der Tunnel sieht aus, wie immer. Der Rest ist im Deko-Wahn.


Tagesvideo #685

Deko 1

Deko 2

Deko 3

Deko 4

Deko 5

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01.01.2021 Madeira #13 – Ponta do Sol

Um Mitternacht ist nichts los. Also fast nichts. Eine oder zwei Raketen aus dem Nachbartal bemühen sich über die Kante. Mehr passiert nicht. Wir stoßen kurz mit Madeira an. Dann ab ins Bett. Das ruhigste Frohes-Neues-Jahr seit 50 Jahren.

Als ich es gerade ruhig angehen lassen will, pellt M* die Plane vom Pool. Sie wird doch nicht? Doch, sie wird! Eigentlich will ich nicht, aber ich weiß, wenn ich auch reingehe, fühlt es sich nachher gut an. Also gehe ich auch in den Pool, der sich für den frühen Morgen einfach zu kalt anfühlt. Ich bin mehr für karibische Temperaturen im Wasser. Ich mag Jacuzzi in der Barentsee und nicht umgekehrt, also Eispool in Afrika.

Wir frühstücken in der Sonne, es prickelt noch auf der Haut. Heute gibt es noch einen dritten Kaffee. Es ist erstaunlich ruhig im Tal, selbst die Hunde berichten sich nichts über Knochen, Träume oder Feuerwerk. Sehr schön.

Spät machen wir uns dann doch auf zum nächsten Fischerdorf. Wir nehmen Ponta do Sol. Es ist recht viel los. Sogar ein paar Menschen sind im Wasser. Wir bummeln ein bisschen am Wasser lang. Draußen liegt wieder der Pott von Mein Schiff. J* recherchiert für uns, dass das die MeinSchiff 3 ist. Status gestopped. Hm. Laut https://www.kreuzfahrt-ticket.de/tui-cruises/meinschiff3/position/ sollte sie heute in Lissabon sein und morgen in Funchal anlegen. Danach sieht es aber nicht aus. Seltsame Zeiten.
Wir nehmen einen Snack am Strand. Das Meer glitzert und einige entspannte Menschen sitzen um uns herum in der Sonne. Kinder spielen mit den runden Steinen. Ein Motorboot fährt vorbei.

Wir fahren zurück zur Weihnachtsvilla. Die Sonne scheint noch. Wir haben es gut getroffen.


Tagesvideo #684

Nix los um Mitternacht an der Weihnachtsvilla. (Nur der Mond ist mein Freund!)

Fischerdörfchen.

Mehr Meer.

Kirche im Gegenlicht.

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31.12.2020 Madeira #12 – Teleférico das Achadas da Cruz.

Was ist das Wichtigste, was ein IT-Fuzzi haben muss? Richtig: Ein Netzwerk von Menschen, die man mal fragen kann, wenn es klemmt (und die dann nicht gleich sagen: Du Doof!) Das ist unverzichtbar. Für den Rest reicht ‚das Internet‘, booten und ab und zu ‚Hm, Hm‘ sagen. Noch besser ist, wenn das Netzwerk Tipps für Madeira parat hat.

Wir sitzen so schön beim Sonnenschirm-Sonnen-Frühstück, die Planungskommission hat schon beschlossen: Es geht nach Osten, da kommt so ein Tipp aus dem Netzwerk: M1* (also DER erste M*, der, der das * bei R* erfunden hat – aber das ist eine andere Geschichte). M1* schickt also Tipps zu Madeira und Tipp Nr.1 ist: Teleférico. Dazu ein Link zu Google-Maps. Das ist ein Glanzlicht. Die Kommission wirft sofort die Pläne über den Haufen und es geht zu Teleférico.
Wir fahren runter, dann rechts, dann kommt die Tunnel-auf-Tunnel-auf-Tunnel-Strecke. Nach Tunnel Zwei wird erst mal getankt. Hoppek hat Durst. Der Sprit E10 kostet 1,39€ pro Liter. Ich zahle 40€. Es gibt neben der Tanke einen Supermercado und schwupps, ist M* verschwunden.
Als wir dann wieder im Auto sitzen, hat M* regionale Lebensmittel erstanden und freut sich. Sonst gibt es hier im Supermarkt auch gerne mal Avocados aus Mexico. Oder stilles Wasser aus Spanien.

Wir fahren in den Nordwesten der Insel. Zum Miradouro do Teleférico das Achadas da Cruz. Teleférico ist eine Seilbahn. Als wir ankommen, ist es leer. Wir sind sofort dran, klettern in die kleine Kabine der Seilbahn und es geht krass steil in die Tiefe. Du meine Güte, fast so, wie bei einem Brunnenschacht. Unten rauscht der Atlantik mit blauem Wasser und weißer Gischt. Was für Felsen, was eine Höhe! Unter uns liegen Hütten und Felder. Das Gebiet war mal landwirtschaftlich genutzt. Oder wird noch? Was muss das für eine Plackerei gewesen sein, sich hier zu ernähren und wir schimpfen schon, wenn wir mal einen Gesichtspulli tragen müssen …

Was für eine grandiose Landschaft! Danke M1* für den Tipp!!
Mächtige Wellen krachen an den Steinstrand. Wunderbar rundgeschliffene Brocken liegen hier. Welle auf Welle rauscht an den Strand. Ein Weg, dann ein Pfad führt parallel zur Küste. Den gehen wir. Links liegen Hütten, rechts rauscht der Atlantik. Da könnte ich einen Tag sitzen und schauen, wie die Wellen an den Strand krachen. Im richtigen Winkel zu Sonne geschaut, bildet die Gischt sogar einen Regenbogen. Fantastisch! Die Gischt zieht dann die steilen Felsen hoch, Salz liegt in der Luft. Wunderbar.

M* hat junge Katzen entdeckt, das fesselt sie eine Weile. Ich mache Bilder der Wellen. Jetzt fehlt mir ein starkes Tele, aber man kann nicht alles immer dabei haben! So ist auch schon ganz okay.

Als wir uns satt gesehen haben und die Katzen auch genug gepüngelt sind, fahren wir wieder hoch. Oben ist jetzt eine Schlange, ganz viele Menschen wollen runter.

Wir nehmen einen Snack im Lokal gleich an der Seilbahn. Zum Club-Sandwich gibt es Fritten. Sehr gut. Wir schauen auf das Meer in der Tiefe, hören dem Rauschen zu und ab und zu rutscht eine Seilbahn den Hang runter. Wir haben es schon gut getroffen.

Ein Leuchtturm steht noch auf dem Programm. Der Exposição Faroís da Madeira. Er steht auf dem westlichsten Punkt Madeiras und erhebt sich 312 Meter über das Meer. Die Höhe erreicht er, weil die Klippen hier so hoch sind, das Gebäude selbst ist nicht so wirklich spektakulär. Jedenfalls nicht für Hurtigruten-Fahrer, die Landegode fyr oder Kjeungskjær fyr schon mal gesehen haben.

Wir fahren zurück. Draußen in dem Glitzer des Meeres liegt ein Pott von MeinSchiff. Was machen die da?

Wir kehren zu unserer Weihnachtsvilla zurück. Ein leckeres Bier beschließt diesen Teil des Tages.

Zu den WhatsApps, Threemas, Statusnachrichten und EMails, die mich erreichen, möchte ich sagen: Dankeschön!
ABER: Nein, 2020 war kein Jahr zum Vergessen. Es gab viele wunderschöne Momente, die ich nicht missen möchte. Ja, man darf jammern, aber nicht zu viel! Ich denke immer, meine Eltern haben einen Krieg erlebt, mein Vater hat die Heimat verloren, meine Großeltern haben zwei Kriege erlebt. Warum glauben wir, dass immer alles ohne Schwierigkeiten laufen muss? Haben wir ein ‚Recht‘ auf Freude, Spaß, Vergnügen, Party, Feuerwerk? Mir scheint dies eine Haltung zu sein, die für mich nicht sinnvoll ist. Ich denke, das Leben darf auch mal etwas krumm verlaufen. Entscheidend ist doch eher, was wir daraus machen. Und mir scheint, dass M* und mir das auch 2020 gut gelungen ist. Wir sind in Gottes Hand gut geborgen. Dafür bin ich dankbar.

Ich wünsche euch allen da draußen und weit weg (meiner Familie, meinen Freundinnen und Freunden, meinem Netzwerk) alles erdenklich Gute für 2021 und ein gesegnetes neues Jahr! Macht nichts kaputt!


Tagesvideo #683

Seilbahn in die Tiefe.

Meer und Gischt.

Leuchtturm. Exposição Faroís da Madeira.

Mehr Meer.

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30.12.2020 Madeira #11 – Levada da Serra do Faial

Die Sonne bratzt vom Himmel und ich muss tatsächlich den Sonnenschirm aufspannen, damit das Frühstück seinen normalen Ablauf nehmen kann.

Heute soll es die Levada da Serra do Faial werden. Sie liegt oberhalb von Funchal.

Wir fahren ca. 30 Minuten über die Inselautobahn, die gut zu fahren ist. Nur die Auffahrten sind super gefährlich, wenn man damit rechnet, eine Beschleunigungsspur zu haben – man hat aber keine. Man muss vorne warten und wenn keine(r) kommt, gibt man Gas und flitzt auf die Autobahn!

Google schickt uns einen steilen Berg hoch (Sopran Sopran) und wir landen am Stadion: Estádio da Madeira. Direkt gegenüber steht: Christiano Ronaldo Campus Futebol ESTÁDIO. (Christiano ist auf Madeira geboren – Experten wissen das!) Wow!! Der Meister ist hier. Und tatsächlich entdecke ich ihn. Er steht da still und bescheiden und küsst einen goldenen Schuh. Wir schwätzen ein bisschen und er lädt mich ein, auch mal einen Schuh zu küssen. Das macht man hier wohl so. Okay. Ich tue, wie mir geheißen. Christiano, einer, wie Du und ich.

M* ist von Fußball nicht ganz so begeistert, kennt auch CR7 nicht so richtig und ist schon mal los. Ich renne also hinterher und erreiche sie an einer schwersteilen Steigung, die zur Levada da Serra do Faial führt. DIe Levada ist dann flach, wie es sich gehört.

Sie führt erstmal über einen kahlen Hang. Hier gab es wohl eine Menge Eukalyptus, der ist aber gefällt. Unter uns steht noch viel Eukalyptus. Muss der auch weg?

Wir erreichen Mischwald und Stille. Die Levada ist nicht mehr benutzt. Zum Teil verschwunden, zum Teil steht nur trübes Wasser darin.

Wir gehen 90 Minuten durch Sonnenstrahlen und grüne Laubdächer, dann drehen wir um.

Da der Weg breit ist, düsen Mountainbiker hier entlang. Die heutigen waren wenig rücksichtsvoll, hielten keinen Abstand, erschreckten mich zu Tode und fanden, dass Klingeln wohl was für Mountain-Weicheier ist! Wrks!

Wir erreichen wieder das Stadion und CR7 und fahren zurück nach Ribeira Brava, kaufen kurz ein und kehren zur Weihnachtsvilla zurück.

Die Abenddämmerung senkt sich, es wird golden, dann blau, dann dunkel.

Ich bin mal gespannt, ob ich hier morgen ein Feuerwerk sehen werde. Das in Funchal ist berühmt, da kommen extra Kreuzfahrtschiffe, damit die Touris an Bord das sehen können. Dieses Jahr kommen die Touris wohl nicht. Schiffe oder gar Fähren haben wir heute auch keine im Hafen gesehen.

Ich werde die Augen offen halten und bereit sein.

Tagesvideo #682

CR7 und FS59

Levada da Serra do Faial

Stadion und Funchal.

Baumfarn.

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29.12.2020 Madeira #10 – Paul do Mar

Plätscher, plätscher, plätscher. Was ist da los? Ich trete aus dem Land der Träume in den hellen Sonnenschein der Terrasse, da schwimmt doch eine Nixe in unserem Pool! Ich koche erst mal Kaffee. Aber die Nixe bleibt. Kein Traum. Ich schaue genauer hin, da entpuppt sich die Nixe als M*. Doch ein Traum. Na sowas!?

Zum Ausgleich der Gebirgstouren, gibt es heute mal ein Fischerdorf und eine Tour am Meer. Es geht nach Paul do Mar.
Wir fahren Tunnel auf Tunnel. Erst die Tunnel haben die kleinen Fischerdörfer an die Welt angebunden vorher waren sie wohl nur vom Meer aus erreichbar. So sind wir nach 5 oder 6 Tunneln und 30 Minuten in Paul do Mar. Es gefällt mir sofort. Ordentliche Wellen brechen sich vor dem kleinen Ort und Wellenreiter liegen im Wasser und warten auf die richtige Welle.
Wir schauen eine Weile zu und gehen dann die lange Dorfstraße am Meer, bis zum Schluss. Da ist die Welt zu Ende. Zum nächsten Dorf geht es nur über die Höhe oder über das Wasser oder zurück und durch den nächsten Tunnel.

Die kleine Bar Sol e Mar lädt zum Verweilen ein. Blick auf die Wellen und das Meer. Nach einer kleinen Mahlzeit, schauen wir weiter nach den Wellen und den Wellenreitern. Gut machen sie das. Keine Anfänger. Man muss das Handwerk beherrschen, sonst landet man auf den Felsen.

Wir schauen uns das Centro Històrico von Paul do Mar an. Kleine, enge Gassen, schmucke Häuschen und ein großer Platz mit neuerer, großer Kirche. Die Kirche hat zu, aber die Sakristei hat offen. Eine alte Dame kümmert sich um die Blumen. Ich frage höflich, sie bittet mich herein.
Es gibt eine riesige Krippenlandschaft am Altar und als die Dame sieht, dass mich das interessiert, macht sie Licht an. Buntes Licht. Und ein richtiges Bächlein fließt durch die Landschaft. Wow. Was für eine Krippe!
Die eigentliche Kirche ist schlicht, nur der Altar quillt über von Figuren, Blumen und der riesigen Krippe. Ich lege ein paar Dankes- und Bittworte ab, lächel der Dame zu und entschwinde wieder.

Wir schauen uns noch den Hafen mit alten Booten und einen Wasserfall an. Ab hier gibt es einen Weg ins Nachbardorf, der aber nur bei Ebbe begehbar ist. Ob das bei den großen Steinen machbar ist, muss heute offen bleiben. Einen Strand, wir auf Sylt, hat es hier nicht. Ebbe ist nach Silvester in den Nachmittagsstunden. Schau’n wir mal.

Da ich heute meine kleines schwarzes Neoprenchen nicht dabei hatte, war ich heute auch nicht im Wasser. Aber hier wäre es gegangen. Etwas Mut, die Treppe und jöh!
Mal sehen, vielleicht ergibt sich was, dass mir der ein oder die andere von Europa aus entgegenschwimmt 🙂

Wir fahren zurück und halten nochmal in Ribeira Brava und ergänzen Vorräte. Getreideprodukte: Bier und Brot.
In der Weihnachtsvilla klingt ein schöner Tag aus: Video kürzen von 24 Minuten auf 3 und etwas, ein Bier und schauen, wie das Licht goldener und dann blasser wird.


Tagesvideo # 681

Paul do Mar

Paul do Mar

Man schaut den Wellenreitern zu.

Krippe in Paul do Mar.

Engelchen.

Centro Històrico

Alte Schiffe in der Marina.

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28.12.2020 Madeira #09 – Ribeira Brava

Heute soll mal ein Ruhetag sein. Das gelingt erst mal ganz gut, denn ich warte in der Sonne auf den Schreiner. Der kommt recht pünktlich um 09:30h. Es sind zwei Mann. Sie schauen sich das Parkett an, beraten eine Weile und holen dann Säge und Staubsauger. Dann ziehen sie mal eben den Stecker „für das Internet“. Ich kann keine Mails und Tweets mehr lesen.

Dann sägt der Meister ein Brett raus, was sich schwierig gestaltet. Er muss ein paarmal das Sägeblatt seiner Elektrosäge wieder senkrecht biegen. Ich wundere mich, dass er so gerade aus der Hand sägen kann. Dann hauen die zwei wieder ab, in ihrem Workshop muss das Brett bearbeitet werden. Nach 15 Minuten sind sie zurück. Sie bauen das Brett wieder ein. Das bedarf einiger Hammerschläge und ein paar versenkter Nägel, aber dann sieht das wieder ordentlich aus und Wellenlinien vom Sägen sind auch nicht zu erkennen. Sie haben das Problem des hochgewölbten Parketts dadurch gelöst, dass sie eines der Bretter gekonnt schmaler gemacht haben. 90 Minuten. Der Jüngere der Zwei erklärt mir noch auf englisch: In zwei drei Monaten kann das wieder passieren. Tja, dann bin ich wohl wieder zu Hause.

Gute Arbeit! Danke Männer!

Wir frühstücken zu Ende und fahren dann mal so langsam nach Ribeira Brava runter. Wir wollen nichts besonderes machen, wir schlendern nur am Meer lang. Ich schaue mir dabei Speisekarten an.

Es gibt eine Karte auf russisch! Deutschland liegt auf Platz drei hinter England. Russland auf Platz sechs. Aber offenbar gibt es in normalen Zeiten auch Russen hier.

Bei der Draußen-Krippe hat der Esel ein Ohr zu wenig und eine große Gruppe Männer spielt Karten. Die sitzen jeden Tag da, wenn wir vorbeikommen. Ob die alle Rentner sind? Aber Pokern (oder was) im Alter, im Unterhemd und in der Sonne, kann so schlecht nicht sein. Oder?

Dann noch kurz Einkaufen und wieder zurück zur Weihnachtsvilla. Kaffee.

Meine Freundin Betty (97) wurde heute beerdigt. Möge Ihr Andenken ein Segen sein!

Tagesvideo #680

Morgenaussicht I

Morgenaussicht II

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27.12.2020 Madeira #08 – Pico Ruivo do Paul

Hoppek singt Sopran. Wir jagen den Berg rauf, die Automatik dreht im ersten Gang bis 5000 U/min und dabei gibt das Minimobil diesen hohen Schmerzensschrei von sich … Du meine Güte. Ich bin froh, als wir oben sind und Hoppek etwas entspannen kann. Hier sind aber auch steile Straßen. 35% Steigung hatten wir heute. Gibt es im Rheinland nicht.

M* hat uns heute ins Gebirge geführt. Wir wollen auf den Pico Ruivo do Paul. Er ist mit 1.639 m die höchste Erhebung des Hochplateau Paul da Serra.
Aber so einfach ist das nicht. Die Wege sind zugewachsen. Stechginster. Wir geben nach 50cm auf.
Neuer Versuch: Wir fahren zu einem Forsthaus und gehen eine Forstpiste. Aber zum Pico kommen wir nicht. Nochmal Stechginster. Nur weiter hinten. Nochmal zurück zum Forsthaus.
Wir testen einen neuen Weg, der sich dann plötzlich als gangbar erweist und uns auf den Gipfel des Pico Ruivo do Paul führt. Der Stechginster ist hier weggeschnitten.
Der Name Pico Ruivo do Paul heißt Rote Moorspitze. Sehr schön. Die Erde ist tatsächlich rot. Nur das Moor fehlt. Dafür hat es aber eine schöne Aussicht: Sonne, Wolken, das Hochplateau, Windräder, Bergrücken und Stechginster. Wir sehen am Horizont sogar eine Staumauer. Madeira hat Wassermangel und da hilft wohl dieser neue Stausee. Da geht kein Wasser mehr verloren. Vielleicht schauen wir uns diesen Stausee mal aus der Nähe an.
Wir steigen wieder ab. Um das Forsthaus stehen Tannen, keine Pinien oder Kiefern, wie auf den Kanaren. Der Wald hier ist ganz anders. Wie das wohl kommt? Sind wir zu weit nördlich? Haben andere Bäume Madeira zuerst besiedelt? Sogar Eukalyptus hat es hier. Europas Pest in Baumgestalt. Er bedroht den uralten Lorbeerwald.

Wir fahren den Berg runter und Hoppek singt nicht, er brummt freundlich. Das ist gut. Wir fahren gleich bis ganz runter zum Meer nach Porto de Recreio da Calheta. Hier gibt es den Hafen, Hotels, Whalewatching und eine Promenade mit Bars, Slow- und Fastfood. Alles offen, alles draußen.
Wir schauen uns um und setzen uns ans Meer und nehmen eine Zwischenmalzeit. Die Sonne glitzert. Sehr schön!
Insektenschwärme stehen im Windschatten der Mole, sie zeigen Flugshows, wie die Stare über Rom, nur viel kleiner.
Rote Felsenkrabben, die kennen wir von den Kanaren, krabbeln auch hier herum und die Möwen versuchen sie zu erwischen. Oder sie hoffen, eine Welle schmettert die Krabben auf den Strand.

Wir fahren wieder zur Weihnachtsvilla und genießen die Sonne, die langsam goldener wird und hinter dem Berg versinkt.

Heute morgen hat uns die Putzfrau besucht. War eigentlich nicht nötig, aber es ist doch ein schöner Service. Dankeschön!
Morgen kommt der Schreiner. Das Parkett im Wohnzimmer hat sich gehoben. Ich tippe auf Ausdehnung durch Feuchtigkeit von unten. Ich bin gespannt, wie der Jung (oder das Mädel) das repariert.


Tagesvideo # 679

Kunst im Wald.

Stechginster.

Aussicht.

Neues Leben auf altem Ast.

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26.12.2020 Madeira #07 – Miradouro do Cabo Girão

Uns geht es gut! Wir haben erst aus den Medien erfahren, dass es hier auf Madeira ein Unwetter mit Erdrutsch gab. Wir hatten zwar etwas Regen, aber zum Glück nicht schlimm. Auch in unserem Städtchen Ribeira Brava war nichts!

Heute geht es zum Aussichtspunkt Miradouro do Cabo Girão. Er ist mit 580m die höchste Steilklippe Europas und die zweithöchste der Welt. Weiter steht die Kapelle Nossa Senhora de Fátima auf dem Programm. Zuvor, wollen aber ein Stück Vereda da Levada do Norte gehen.

Wir müssen diesmal etwas weiter fahren, aber da sich der kleine Hoppek, unser Minimobil an mich gewöhnt hat, klappt das gut. Nur noch selten muss ich rufen: Hoppek SCHALTEN! Man muss tolerant sein. Leben und leben lassen, wie der Kölner sagt.
Das Stück Vereda da Levada do Norte hat eine grandiose Aussicht auf Madeira, die Küste und das Meer, was in der Sonne glitzert. Nur kleben hier am Hang all die kleinen Häuser, durch deren Höfe oder Vorgärten die Levada verläuft. Das nimmt einem ein bisschen das Naturerlebnis. Aber man sieht, hört und riecht Dinge, die man sonst so nicht hat. Auch der ein oder andere Hund will uns deutlich machen, dass er wirklich große ‚Balls‘ hat und wir nur ‚Raisins‘. Als das erledigt ist, sind wir wieder beim Auto.
Jetzt geht es nicht sehr weit zum Miradouro do Cabo Girão. Ein Skywalk ragt über eine Klippe, die 580m über dem Meer schwebt. Ein Glasboden soll der besondere Kick sein. Die Aussicht ist fantastisch. Das Meer liegt silbern vor uns. Links liegt Funchal, die Hauptstadt der Insel.
Es ist ziemlich leer hier, auch der Eintritt, entfällt. Offenbar sind nicht viele Touris auf Madeira. Oder liegt es noch an Weihnachten? Immerhin ist hier heute kein Feiertag, wie bei uns. Aber es ist trotzdem leer. Ein Vorteil.
Nachdem wir uns genug umgeschaut haben, fahren wir noch ein paar Minuten zum Gipfel des Berges. Hier steht die Wallfahrtskapelle Nossa Senhora de Fátima. Es ist sehr leer auch hier. Eine Dame richtet die Blumen in der Kapelle, sonst ist niemand da. Wir können Maria ein paar Wünsche und Gebete vortragen, niemand stört dabei. Die Kirche und die Anlage sehen aus, als könne man hier auch Gottesdienst mit 5000 Menschen im Freien halten.
Wir fahren wieder zurück nach Ribeira Brava. M* springt kurz in den Supermarkt, der fast leer ist. Dann fährt uns das Minimobil nach Hause zur Weihnachtsvilla.
Wir feiert noch ein bisschen das Weihnachtsfest zu Ende und sitzen in der Sonne. Eigentlich wäre heute ein Treffen von M*’s Familie dran. In Offenbach oder in Uedorf. Vielleicht wieder im nächsten Jahr?!

Ich bedanke mich noch bei den vielen Kommentatorinnen und Kommentatoren, die mitteilten, dass sie am Heiligen Abend auch Sonne hatten, statt nichts 🙂 Ich freue mich für euch! Habt immer zweimal mehr Sonne, als wir!! Und wenn nicht Sonne am Himmel, dann Sonne im Herzen!


Tagesvideo # 678

Funchal, Madeira.

Verada da Levada do Norte.

Ausblick vom Miradouro do Cabo Girão.

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